Weil er gegen Corona-Regeln verstoßen hatte

Hamburg: Polizei jagt Jugendlichen mit Auto durch Park - Behörde reagiert auf Kritik

01. März 2021 - 9:44 Uhr

Irre Verfolgungsjagd im Hamburger Jenischpark

Muss man einen Menschen so jagen, weil er gegen die Corona-Regeln verstoßen hat? In den sozialen Medien ist ein Video aufgetaucht, das eine irre Verfolgungsjagd im Hamburger Jenischpark am Montag zeigt. Darauf ist zu sehen, wie ein Polizeiauto einem Mann fast in Hollywoodmanier hinterherrast. Die Szene gibt es in unserem Video.

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Polizeifahrzeug am Unterboden beschädigt

Der Streifenwagen fährt mit Blaulicht und Martinshorn durch den Park, schleudert über den Rasen und trifft beinahe die eigenen Kollegen neben dem Auto. Während die Beamten im Wagen den Corona-Sünder jagen, versuchen es die Polizisten zu Fuß gleichzeitig mit einem Sprint.

Das Polizeiauto rast durch eine Kuhle und wird sogar am Unterboden beschädigt. Es kommt dem Flüchtenden immer näher. Letztlich ist die Polizei erfolgreich: Sie fasst den Jugendlichen.

17-Jähriger soll Freunde umarmt und abgeklatscht haben - Polizei reagiert auf Kritik

Das Vorgehen der Polizei hatte in den sozialen Medien für Empörung gesorgt. Der Behörde wird Unverhältnismäßigkeit vorgeworfen. Außerdem hätten die Beamten mit der Verfolgungsjagd den jungen Mann und auch die eigenen Kollegen in unnötige Gefahr gebracht.

Mittlerweile hat sich die Polizei auf Twitter zu der Kritik geäußert. Man habe in letzter Zeit verstärkt festgestellt, dass sich gerade Jugendliche in Parks nicht mehr an die Corona-Regeln halten würden – so auch in diesem Fall. Der junge Mann sei besonders aufgefallen, weil er andere umarmt und abgeklatscht habe – obwohl er gewusst hätte, dass die Polizei anwesend sei, heißt es in dem Statement.

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Verhalten der Beamten wird "intern nachbereitet"

Als die Beamten ihn hätten kontrollieren wollen, sei der junge Mann weggerannt. Dieses Verhalten "lege nach polizeilicher Erfahrung den Verdacht nahe, dass er etwas zu verbergen hat". An dieser Stelle setze das Video ein.

In ihrem Statement räumt die Behörde ein, dass der Einsatz des Fahrzeugs den Eindruck erwecke, dass eine Gefahr für Außenstehende bestanden haben könnte – "auch für uns", so das Statement. Der Einsatz werde mit dem Fahrer und den eingesetzten Beamten jetzt nachbereitet, heißt es. Gegen den Jugendlichen sei ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet worden. Warum genau, teilt die Polizei nicht mit – vermutlich geht es aber um den Verstoß gegen die Corona-Regeln.

Verstöße gegen Corona-Regeln in Hamburg

Bei dem schönen Wetter kam es im Laufe der Woche immer wieder zu Ansammlungen in Hamburg, bei denen der Corona-Mindestabstand von 1,50 Metern nicht eingehalten wurde. Bis zum frühen Donnerstagmorgen leitete die Polizei innerhalb von 24 Stunden 268 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Verstößen gegen die Corona-Regeln ein. Sie hätten sich in den meisten Fällen gegen Jugendliche und junge Erwachsene gerichtet, die die Abstandsregeln nicht eingehalten hätten, sagte eine Sprecherin.