Verrät mein Blut, wie lange ich noch lebe?

Neuer Bluttest soll Lebenserwartung zeigen

© DPA

21. August 2019 - 15:10 Uhr

Patienten sollen dadurch individueller behandelt werden

Wie alt werde ich? Wann werde ich sterben? Wie viel Zeit bleibt mir eigentlich noch im Leben? Das ist eines der noch größten offenen Rätsel der Menschheit. Forscher des Max-Plancks-Instituts und des Leiden Univercity Medical Centers sind dieser Frage nun möglicherweise ein Stück näher gekommen. Ein Bluttest soll die Wahrscheinlichkeit aufzeigen, ob ein Mensch in den nächsten fünf bis zehn Jahren sterben wird. Ziel des Tests soll es sein, Patienten daraufhin besser und individueller zu behandeln. Kritik gibt es dennoch. 

Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler nun im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht.

"Wir wollen das biologische Alter bestimmen"

Studienleiterin Professor Dr. Eline Slagboom
Studienleiterin Professor Dr. Eline Slagboom
© RTL

Die Forscher haben in Blutproben von 44.168 Testpersonen nach Biomarkern gesucht. So können sie Rückschlüsse auf den aktuellen Gesundheitszustand und auch die Anfälligkeit für Krankheiten schließen. Identifiziert wurde eine Kombination aus 14 Biomarkern, unter anderem verschiedene Aminosäuren, der Gehalt von "gutem" und "schlechtem" Cholesterin, der Fettsäurehaushalt und Entzündungsparameter.

"Die blutbasierte Messung soll ein erster Schritt zu einer individuelleren Behandlung älterer Menschen sein", erklärt Studienleiterin Professor Dr. Eline Slagboom. "Als Altersforscher wollen wir das biologische Alter bestimmen, denn das kalendarische Alter sagt nicht viel über den allgemeinen Gesundheitszustand älterer Menschen aus: Ein 70-Jähriger ist gesund, während ein anderer bereits an drei Krankheiten leiden kann. Nun stehen uns aber eine Reihe von Biomarkern zur Verfügung, mit denen wir gefährdete ältere Menschen identifizieren und dann entsprechend behandeln könnten."

Entscheiden Ärzte in Zukunft, ob sich eine Behandlung noch lohnt?

Der Patientenschutzbund Dormagen sieht den Bluttest sehr kritisch.
Frank Leopold vom Patientenschutzbund Dormagen sieht den Bluttest sehr kritisch.
© RTL

Das Ziel der Forscher ist also eine bessere, individuellere Behandlung von Patienten.  Aber heißt das im Umkehrschluss, dass Ärzte möglicherweise auf Basis dieses Tests entscheiden, ob ein Mensch, der ein hohes Sterberisiko aufweist, noch bestmöglich behandelt wird? Das befürchten zumindest Patientenvertreter.

"Ein großes Risiko sehen wir darin, dass hier Behandlungsmethoden vielleicht nicht mehr angewendet werden, wenn man aufgrund dieser Bluttests feststellt, dass der Patient nur noch wenige Zeit zu leben hat", so Frank Leopold vom Patientenschutzbund Dormagen zu RTL. Kritisch sieht er zudem das Thema Datenschutz, da hier sehr sensible Daten von Patienten gesammelt würden.