Wenn Besitzer noch nicht Abschied nehmen wollen

Darf das Veterinäramt meinen Hund gegen meinen Willen einschläfern lassen?

Der Verlust des Tieres ist für Besitzer meist sehr schmerzhaft

22. Juni 2020 - 11:19 Uhr

Einschläfern ist oft der letzte Ausweg

Wenn der Hund alt und krank ist, stellt sich vielen Besitzern die Frage: Wie lange kann ich meinem Hund dieses mühevolle Leben noch zumuten und wann ist es besser, ihn zu erlösen? Nicht immer gehen dabei die Meinungen von Tierärzten, Veterinärämtern und Hundebesitzern in die gleiche Richtung: So wurde Romeo (16) beschlagnahmt und gegen den Willen seines Herrchens, Mr. Norddeutschland Matthias Knedlik, eingeschläfert. Aber darf das Veterinäramt meinen Hund ohne meine Zustimmung einschläfern lassen?

Keine allgemeingültige Regel

Vorab lässt sich sagen: Ob und wann ein Tier eingeschläfert werden muss, ist immer eine Einzelentscheidung von Fall zu Fall. Ein klares Regelwerk gibt es hierbei nicht.

Im Tierschutzgesetz heißt es in Paragraph 17: "Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet." Das Tierschutzgesetz selbst definiert aber nicht, was ein "vernünftiger Grund" ist. Ist ein Tier aber schwer krank, altersschwach und leidet, dann dürfen Tierärzte aus tierschutzrechtlicher Sicht sehr wohl einschläfern.

Im Zweifel entscheidet das Gericht

Wenn ein Tierarzt findet, dass ein Hund aufgrund seiner schlechten Verfassung eingeschläfert werden soll, darf er das allerdings nicht ohne die Zustimmung des Besitzers tun. Bei Streitigkeiten wird dann das Veterinäramt hinzugezogen. Die grundlegenden Aufgaben des öffentlichen Veterinärwesens sind unter anderem Leben und Wohlbefindens der Tiere zu schützen sowie Leiden zu verhüten. Sollte also auch das Amt die Einschläferung aus tierschutzrechtlichen Gründen als einzige Lösung befürworten, kann dieser Beschluss vom Tierhalter per Eilantrag angefochten werden. Bei ganz hartnäckigen Fällen entscheidet am Ende dann also das Gericht.

Im Video: Ist die Vernachlässigung von Haustieren strafbar?

Nachbarn können Veterinäramt informieren

Wie verhält es sich aber in dem Fall, wenn Nachbarn der Meinung sind, dass ein Hund dringend eingeschläfert werden soll, weil das Tier in ihren Augen leidet? In diesem Fall rät das Deutsche Tierschutzbüro: "Nur das Veterinäramt hat die Berechtigung, die Tierhaltung zu kontrollieren und gegebenenfalls Auflagen zu erteilen. Melde den Missstand schriftlich dem zuständigen Veterinäramt."

Außenstehende können hier also nur wenig tun, außer die vermeintlichen Probleme beim Amt zu melden. Das Veterinäramt ist daher oft auf Bürgerbeschwerden angewiesen, um Tiermisshandlungen nachzugehen. Andererseits gilt aber auch: Wer seinem verhassten Nachbarn den Tod des Hundes an den Hals wünscht, hat glücklicherweise schlechte Karten, vor allem wenn das Tier kerngesund ist.

Welche Möglichkeiten Sie haben, um Ihr Haustier zu bestatten, können Sie hier nachlesen.