Wann beginnt Tierquälerei?

Haustiere halten: Was ist Vernachlässigung? Was ist strafbar?

16. August 2019 - 11:09 Uhr

Vernachlässigung wird schnell zur Tierquälerei – und dann?

Wenn Haustiere vernachlässigt werden, hat das meist nicht nur schlimme Folgen für das Tier selbst, sondern kann auch gefährlich für uns Menschen werden. Doch wann wird aus liebloser Haltung Vernachlässigung und Tierquälerei? Was unternehmen die Behörden, um Tiere vor Misshandlungen zu schützen? Und wann drohen Haltern sogar Strafen? Wir haben beim Veterinäramt nachgefragt.

Das Tierschutzgesetz legt die Verantwortung für ein Tier klar fest

Laut Tierschutzgesetz (§ 2) muss derjenige, der ein Tier hält oder es betreut, es seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen.

Konkret bedeutet das: Tierhalter müssen ihre Haustiere artgerecht füttern und ihnen jederzeit Wasser zur Verfügung stellen, beispielsweise Hunden genügend Auslauf im Freien bieten und sich mit ihnen beschäftigen. Denn auch Sozialkontakte und der ausreichende Umgang mit dem Halter sind wichtig, damit es Tieren gut geht.

Ärztliche Versorgung gehört zur guten Tierhaltung dazu

Hunde im Zwinger.
Werden Haustiere nicht artgerecht gehalten, können sie zur Gefahr für den Menschen werden.
© iStockphoto, Dora PopiÄ?

Auch um die gesundheitliche Versorgung muss sich der Halter kümmern: "Zu einer angemessenen Pflege gehört auch, dass das Tier bei Verletzungen, Erkrankungen, aber auch vorbeugenden Behandlungen wie Impfungen oder gegen Parasiten zum Tierarzt gebracht wird", sagt Gabriele Pappenheim, Tierärztin des Veterinäramts Köln.

Zudem darf der Halter die Möglichkeit zu einer artgemäßen Bewegung nicht so einschränken, dass dem Tier Schmerzen, vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden – beispielsweise durch einen zu kleinen Hundezwinger – und er muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Tierhalter werden unangemeldet kontrolliert

Ist das nicht der Fall und entstehen durch Missachtung dieser Grundsätze Schmerzen, Leid oder Schäden für das Tier, gilt das zunächst als Ordnungswidrigkeit. Doch wie erfahren die Behörden überhaupt von Fällen nicht artgerechter Haltung?

Werden Tiere schlecht behandelt, muss das gemeldet werden

Verletzte Katze.
Manche Halter bringen ihre Haustiere trotz Verletzungen nicht zum Tierarzt.
© iStockphoto

Meist kommen Meldungen von privater Tiervernachlässigung aus der Bevölkerung, von der Polizei oder Mitarbeitern der Ämter. Wird ein Fall gemeldet, sind die Behörden verpflichtet, diesem nachzugehen. Das zuständige Veterinäramt kontrolliert die Tierhalter in der Regel unangemeldet. Je nach Schwere der Vernachlässigung werden anschließend notwendige Maßnahmen eingeleitet. "Diese können von einer Ermahnung über Anordnung von Maßnahmen bis zur sofortigen Fortnahme des Tieres gehen", erklärt Pappenheim.

Verfilztes Fell, dreckige Käfige und zu wenig Bewegung

Oft werden die betroffenen Tiere nicht ausreichend gepflegt, haben verschmutztes und verfilztes Fell oder müssen in dreckigen Käfigen und Aufenthaltsbereichen leben. Teilweise werden Hunde zu wenig ausgeführt. Manche Halter bringen ihre Tiere sogar einfach nicht zum Tierarzt, obwohl es nötig wäre.

Greift das Veterinäramt ein, geht es nicht um die Bestrafung des Besitzers, sondern um das Wohl des Tieres. "Sind die Halter einsichtig, werden die Missstände abgestellt und waren diese nicht so schwerwiegend, wird in der Regel von einer zusätzlichen Bestrafung abgesehen", erläutert Pappenheim vom Kölner Veterinäramt.

Bußgelder bis zu 25.000 Euro oder drei Jahre Gefängnis

Passiert das nicht, werden Bußgelder fällig. Für Ordnungswidrigkeiten sind Bußgelder bis zu 25.000 Euro möglich. Meist liegen sie aber eher im dreistelligen Bereich. Leiden Tiere unter länger andauernden und erheblichen Schmerzen kann eine Ordnungswidrigkeit auch schnell zur Straftat werden. In diesem Fall sind Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen möglich.

Einen konkreten Bußgeldkatalog gibt es allerdings bisher nicht. Welche Strafe angemessen ist, wird bei jedem Fall individuell entschieden.