Was die Mega-Fusion für Mieter bedeutet

Vonovia will Deutsche Wohnen übernehmen

25. Mai 2021 - 16:17 Uhr

Entsteht jetzt ein neuer Immobiliengigant?

Der Immobilienkonzern Vonovia will seinen kleineren Konkurrenten Deutsche Wohnen übernehmen. Die Unternehmen haben eine entsprechende Grundsatzvereinbarung unterzeichnet. Es wäre Europas größter Konzern für Wohnimmobilien: Gemeinsam bringen es die beiden größten deutschen Vermieter auf mehr als eine halbe Million Wohnungen mit einem geschätzten Wert von knapp 90 Milliarden Euro. Für die Übernahme legt Vonovia 18 Milliarden Euro auf den Tisch.

Warum will Vonovia die Deutsche Wohnen übernehmen?

Deutschlands größter Wohnungsvermieter Vonovia hofft mit der milliardenschweren Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen auf einen "Neuanfang" in der Diskussion um hohe Mieten und Wohnungsmangel. "Die Bekämpfung der Wohnungsnot und das Bereitstellen von bezahlbarem Wohnraum, Klimaschutz und Neubauten erfordern Milliarden an Investitionen, die wir besser gemeinsam schultern und in die Praxis umsetzen könnten", erklärt Vonovia gegenüber RTL. "Wir werden unsere Größe nutzen, um unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden", sagte Vonovia-Chef Rolf Buch bei der Pressekonferenz am Dienstag in Berlin.

Was bedeutet das für die Mieter?

Vor allem in Berlin blies den privaten Wohnungskonzernen in den vergangenen Jahren politischer Gegenwind ins Gesicht. Um die Wogen schon im vorhinein etwas zu glätten, schlagen die beiden Unternehmen vor, reguläre Mieterhöhungen in Berlin in den nächsten drei Jahren auf höchstens ein Prozent jährlich zu begrenzen. Gleichzeitig sollen Modernisierungsumlagen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus auf maximal zwei Euro pro Quadratmeter begrenzt werden. Der fusionierte Konzern will außerdem 13.000 neue Wohnungen bauen, darunter soll es ein Drittel Sozialwohnungen geben. "Wir deckeln und wir bauen, das soll ein gutes Signal sein", so Vonovia-Vorstandsvorsitzender Buch.

"Wichtig ist, was daraus für die Stadt folgt", so Berlins regierender Bürgermeister Michael Müller, der sich positiv über die 20.000 Wohnungen äußerte, die der künftige Immobilienriese dem Land Berlin zum Kauf anbietet. Damit käme die Hauptstadt auf insgesamt 400.000 kommunale Wohnungen.

Nachteile aufgrund der Fusion haben Mieter laut Immobilienexperte Tobias Just nicht zu befürchten. Dass Vonovia und Deutsche Wohnen Planungen zusammen mit der Stadt Berlin durchführen, wird eher positive Entwicklungen für Mieter und Mieterinnen mit sich bringen. "Nur ein zufriedener Mieter ist ein zahlender Mieter", so Just.

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Vonovia lässt nicht locker

Vonovia, die Nummer Eins am Immobilienmarkt, hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach versucht seinen direkten Konkurrenten, die Deutsche Wohnen, zu schlucken. Der erste Versuch, im Jahr 2016, wurde als feindlich angesehen und scheiterte unter anderem am Widerstand der Deutsche-Wohnen-Führungsspitze und einem zu geringem Interesse der Aktionäre. Die heutige Situation sei eine ganz andere als noch vor einem Jahr, sagte Rolf Buch am Dienstag: "Herr Zahn und ich, die Aufsichtsräte und alle Gremien unterstützen den Deal, das ist eine signifikante Änderung."

Dass es diesmal Zustimmung auf beiden Seiten gibt, bestätigte der Aufsichtsratvorsitzende der Deutsche Wohnen Michael Zahn bei der Pressekonferenz: "Wir schaffen Stabilität, wir haben ein klares Bauprogramm auf den Weg gebracht. [...]Ich begrüße das Papier." Zahn zeigte sich zuversichtlich, dass die Offerte auch genügend Zuspruch bei den Aktionären findet. "Wir sind der Meinung, dass es ein sehr attraktives und faires Angebot ist. Deswegen bin ich mir sehr, sehr sicher, dass sehr viele Aktionäre dieses Angebot annehmen werden." Die Übernahme kommt nur zustande, wenn mehr als 50 Prozent der Anteilseigner von Deutsche Wohnen ihre Papiere an Vonovia verkaufen.

dpa/vba