Verschollene MH370: Polizei tappt im Dunkeln und ermittelt in alle Richtungen

14. April 2014 - 19:28 Uhr

Ermittlungen wegen Entführung, Sabotage und Terror

Der Verbleib der verschollenen Malaysia Airlines MH370 gibt weiter Rätsel auf und besorgt zunehmend mehr Experten. Mittlerweile wird sich immer mehr mit dem Gedanken befasst, wo die Maschine gelandet sein könnte, in wessen Händen das Flugzeug sein könnte und welche weiteren Pläne es mit der gekaperten Boeing 777 gibt. Die malaysische Polizei jedenfalls zeigt jeden Tag aufs Neue, dass sie völlig im Dunkeln tappt.

Verschollene MH370: Polizei tappt im Dunkeln und ermittelt in alle Richtungen
Die Polizei in Malaysia ist ahnungslos. Scheinbar hilft im Moment nur Beten für die Hinterbliebenen von Flug MH370.
© REUTERS, DAMIR SAGOLJ

In Malaysia ermittelt die Polizei nun offiziell wegen Entführung, Sabotage und Terrorismus. Das sagte Polizeichef Khalid Abu Bakar in Kuala Lumpur. Im Haus des Piloten wurde ein Flugsimulator abgebaut und mitgenommen. "Wir haben das Gerät in unseren Büros wieder aufgebaut und Experten untersuchen es jetzt", sagte der Polizeichef. Warum die Durchsuchung erst eine Woche nach dem Verschwinden des Flugzeuges stattfand, beantwortete der Polizeichef nicht.

Eine Landung ist prinzipiell möglich – nur wo bleibt diese unbemerkt?

Seit dem 8. März ist das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord verschwunden. Wenn es wirklich nach Westen flog und noch sieben Stunden lang Signale aus der Luft sendete, dann ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass es irgendwo zur Landung gebracht wurde. Die Möglichkeit, dass es ins Meer stürzte, ist dann eigentlich nicht mehr gegeben. Und ein Absturz über Land wäre wohl kaum unbemerkt geblieben.

Wo also könnte die Maschine sein? Wenn sie gelandet ist, und eine Terrorgruppe noch einen Plan für die MH370 hat, dann müsste diese Gruppe einen Flughafen unter Kontrolle haben. "Eigentlich ja", sagte dazu auch RTL-Luftfahrtexperte Ralf Benkö. "Eine Landebahn zu finden ist nicht so schwierig. Es reichen etwa 1,5 Kilometer Betonpiste. Wenn man das Flugzeug mit Leuchtfeuern lotst, kann es ein erfahrener Pilot landen, auch in der Dunkelheit und ohne Instrumente", erklärt Benkö.

Doch wo? Eigentlich kommen nur sogenannte 'failed states' dafür in Betracht. Länder, in denen es keine funktionierende Staatsmacht mehr gibt. Somalia zum Beispiel. Laut Benkö könnte der Sprit geradeso bis an die afrikanische Küste gereicht haben. Jemen wäre auch eine Möglichkeit. Auch im Jemen gibt es Gebiete, die nicht mehr der Staatsmacht unterstehen. Syrien ist auf dieser Liste ein weiterer Kandidat. In Pakistan und Afghanistan wird der Luftraum eigentlich zu stark vom Westen überwacht, als dass dort eine Landung möglich sein sollte.

Steht nun also auf irgendeinem Rollfeld dieser Welt eine Boeing 777 und wartet darauf, als Waffe verwendet zu werden? Welche Ziele kommen in Betracht? Israel vielleicht? Es wird sehr viel spekuliert, das liegt aber auch daran, dass es einfach so wenige Fakten gibt und so viele Ungereimtheiten. Selbst wenn der Pilot Teil eines Terrorkommandos war, was ist mit dem Co-Pilot, was ist mit der Besatzung? Und schließlich: Hätte nicht einer der Passagiere noch per SMS irgendeinen Notruf abgesetzt?

Sollte die Maschine doch ins Meer gestürzt sein, dann kann es lange dauern, bis man die MH370 findet. Wenn man sie überhaupt jemals findet. Denn "die Peilsender reichen nur bis in zwei Kilometer Tiefe", erklärt Benkö.

Für die Hinterbliebenen ist die derzeitige Situation mit der Ungewissheit kaum zu ertragen. Selbst Papst Franziskus nahm die Angehörigen in sein Gebet auf: "Wir sind ihnen in dieser schweren Zeit nahe", sagte Franziskus in Rom nach dem Angelus-Gebet. Es sieht tatsächlich so aus, als würde derzeit nur beten helfen, zu verworren ist die Faktenlage.

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