Tochter von Dubai-Scheich schrieb flehenden Brief aus Gefangenschaft

Vermisste Prinzessin Latifa bittet britische Polizei: Helft meiner Schwester Shamsa

Prinzessin Shamsa versuchte, 2000 in Großbritannien vor ihrem Vater zu fliehen. Sie wurde aber in Cambridge aufgespürt und zurück nach Dubai gebracht.
Prinzessin Shamsa versuchte, 2000 in Großbritannien vor ihrem Vater zu fliehen. Sie wurde aber in Cambridge aufgespürt und zurück nach Dubai gebracht.
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25. Februar 2021 - 15:45 Uhr

Latifa will, dass weiter aktiv nach ihrer Schwester gesucht wird

Prinzessin Latifa, die erwachsene Tochter des Emirs von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid Al Maktum, hat sich in einem verzweifelten Brief an die britische Polizei gewandt. Darin bittet sie darum, den Fall ihrer im Jahr 2000 entführten Schwester Shamsa neu aufzurollen. In einer handschriftlichen Nachricht, die Freunde von Latifa dem britischen Sender BBC zur Verfügung gestellt haben, fleht die Prinzessin die Ermittler an, weiter nach ihrer Schwester zu suchen. Latifa wird selbst gegen ihren Willen in Dubai festgehalten.

Prinzessin Shamsa floh vor ihrem Vater, wurde aber aufgespürt

Ihre damals 18 Jahre alte Schwester Shamsa war 2000 vom Anwesen des Vaters in der englischen Grafschaft Surrey geflohen. Kurze Zeit später wurde die junge Frau in Cambridge aufgegriffen und zwangsweise zurück in ihr Heimatland gebracht. Seitdem wurde die Prinzessin nicht mehr öffentlich gesehen.

"Bitte schenken Sie ihrem Fall mehr Aufmerksamkeit, weil ihr das ihre Freiheit zurückgeben könnte", schrieb die Prinzessin in dem Brief. Ihre Schwester Shamsa liebe England und habe die glücklichsten Erinnerungen ihres Lebens dort gemacht, zitiert die BBC aus dem Schreiben. Um zu vertuschen, dass Latifa heimlich Kontakt zur Außenwelt hat, wurde der Brief auf 2018 datiert, obwohl die Prinzessin ihn erst 2019 geschrieben haben soll.

Prinzessin Shamsa vor ihrer Entführung
Prinzessin Shamsa wurde seit 2000 nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.
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Prinzessin Shamsa soll eingesperrt und gefoltert worden sein

Wie es Shamsa, die zu großen Teilen in Großbritannien aufwuchs, im Moment geht, ist unklar. Laut Latifa wurde ihre Schwester eingesperrt und gefoltert, nachdem sie nach Dubai verschleppt wurde. Man habe ihre Füße mit Stockschlägen malträtiert. Acht Jahre lang habe die junge Frau im Gefängnis verbracht. Und als sie 2008 entlassen wurde, habe sie ihre Augen kaum öffnen können. Ein anonymer Zeuge erzählte der BBC, dass Shamsa mit Medikamenten ruhiggestellt wurde. All ihr Kampfgeist sei verschwunden und sie sei nur noch "eine Hülle".

Auch Tiina Jauhiainen, die Capoeira-Trainerin von Prinzessin Latifa, äußerte sich in einem Interview mit der australischen Nachrichtenseite "news.com.au" zu Prinzessin Shamsa. Sie hatte die Vermisste zwei Mal in Dubai gesehen: Das erste Mal sei sie ihr 2011 in einem privaten Sportkomplex der Familie begegnet. Shamsa habe benommen gewirkt und unglücklich ausgesehen. "Sie sah sehr, sehr ungesund aus", sagte Jauhiainen dem Nachrichtenportal.

Die zweite Begegnung habe sich fünf Jahre später bei der Hochzeit einer weiteren Schwester ereignet. Bei der Feier 2016 hatte sich laut der Fitnesstrainerin Shamsas Zustand dramatisch verschlechtert. "Shamsa hatte so viel Gewicht verloren, dass sie kaum wiederzuerkennen war", sagte Jauhiainen in dem Interview. Sie habe magersüchtig und wie ein Zombie gewirkt. Latifa habe ihr erzählt, dass die Prinzessin aufgehört habe zu essen und mehrfach versucht habe, sich das Leben zu nehmen.

Britische Polizei ermittelte nach der Entführung von Shamsa schon mehrfach

Die Polizei in Cambridge hatte 2011 die Ermittlungen in dem Entführungsfall Shamsa aufgenommen. Weil die Ermittler aber keine Nachforschungen in Dubai anstellen konnten, führte der Fall in eine Sackgasse. Die Polizei von Cambridgeshire bestätigte dem Sender BBC, den Brief von Prinzessin Latifa erhalten zu haben und die Sache erneut zu überprüfen. Es sei jedoch bei diesem "komplizierten und ernsten Fall" nicht angemessen, Details in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Die Regierung wollte die jüngsten Entwicklungen auf Anfrage der BBC nicht kommentieren.

Auch Latifa versuchte 2018 sich der Kontrolle ihres Vaters Scheich Mohammed zu entziehen. Mithilfe ihrer Capoeira-Trainerin versuchte sie per Schlauchboot und Yacht das Land zu verlassen, doch ein Sonderkommando stoppte den Fluchtversuch vor der indischen Küste und brachte Prinzessin Latifa zurück nach Dubai. Eine Weile gelang es der Prinzessin, heimlich Kontakt zu Freunden zu halten. In Videobotschaften berichtete sie, dass die in einer Villa festgehalten und bewacht werde. Sie dürfe noch nicht einmal vor die Tür, um frische Luft zu schnappen. Nachdem der Kontakt zu den Freunden abbrach, machten die die Videos von Latifa öffentlich, weil sie um das Leben der Prinzessin fürchten.

Emir von Dubai, Mohammed bin Raschid al-Maktum
Scheich Mohammed soll seine Töchter gegen ihren Willen in Dubai festhalten.
© dpa, Amr Nabil, AN sab jai

Laut Dubais Herrscherfamilie werden die Schwestern zuhause "betreut"

Die Vereinten Nationen forderten daraufhin ein Lebenszeichen. Latifas Familie ließ erklären, die 35-jährige Scheicha werde zuhause "betreut". Auch die britische Justiz musste sich mit den entführten Prinzessinnen befassen, als eine der Ehefrauen von Scheich Mohammed in Großbritannien Schutz suchte. Sie hatte sich mit ihren Kindern nach London abgesetzt, nachdem sie hörte, was mit Shamsa und Latifa passiert war. Ein Londoner Gericht erklärte 2020, dass der Emir von Dubai für die Entführungen Latifas und ihrer älteren Schwester sowie für die Einschüchterung von Haya verantwortlich ist.