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Verfassungsreferendum: Ägypten entscheidet über seine Zukunft

Verfassungsreferendum: Ägypten entscheidet über seine Zukunft

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Ägyptens Präsident Mursi bei seiner Stimmabgabe für das Verfassungsreferendum.
REUTERS, HANDOUT

Abstimmung zu Verfassungsreferendum

Nach wochenlangen, teils blutigen Protesten von Gegnern und Anhängern des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi stimmen die Ägypter unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen heute über das umstrittene Referendum ab. 51 Millionen wahlberechtigte Ägypter sind aufgerufen, über die erste Verfassung nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak abzustimmen.

Die ersten Wähler kamen am Morgen in Kairo, Alexandria und acht weiteren Provinzen an die Wahlurnen. Es ist die erste Runde des Referendums. In den restlichen 17 Provinzen wird eine Woche später gewählt. Erst dann sollen erste Ergebnisse vorgelegt werden. Angesichts der Machtverhältnisse gilt eine Annahme der Verfassung aber als wahrscheinlich. Die Muslim-Brüder, die das Parlament dominieren, sind die am besten organisierte politische Kraft in dem nordafrikanischen Land.

Präsident Mohammed Mursi gab seine Stimme in einer Schule im Kairoer Stadtteil Heliopolis ab, wie das Staatsfernsehen berichtete. Um Zusammenstöße zwischen Gegnern und Befürwortern zu vermeiden, sichern Polizei und Armee die Wahllokale ab.

Referendum spaltet das Land

Der Verfassungsprozess hat das Land tief gespalten. Noch wenige Stunden vor Beginn des Referendums rief die Opposition die Wähler eindringlich dazu auf, mit Nein zu stimmen. Wer das Referendum boykottiere, spiele den Muslimbrüdern in die Hände, erklärte Naguib Sawiris, einer der erfolgreichsten Unternehmer des Landes, über den Kurznachrichtendienst Twitter. Der Vorsitzende der Partei der Muslimbruderschaft, Saad al-Katatni, erklärte dagegen nach Angaben lokaler Medien, wer für die Verfassung stimme, sei "für die Herrschaft des Volkes".

Der Entwurf war von den islamistischen Muslimbrüdern mit Unterstützung der radikalen Salafisten erarbeitet worden. Die Opposition lehnt den Entwurf jedoch strikt ab, weil er ihrer Ansicht nach einseitig islamistisch ausgerichtet ist und die Rechte von Minderheiten missachtet. Zudem befürchten sie, dass Grundrechte eingeschränkt werden könnten, weil die Verfassung die Macht der Religionsgelehrten auf Kosten der Justiz ausweitet.

In den vergangenen Wochen kam es bei Demonstrationen mehrfach zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen den Islamisten und ihren Gegnern.