Langzeitinfektion nach Krebserkrankung

Wegen Immunschwäche: Frau hatte fast ein Jahr lang Corona

Maryland/USA: Eine Corona-Patienten konnte das Virus erst nach 335 Tagen wieder los werden.
Maryland/USA: Eine Corona-Patienten konnte das Virus erst nach 335 Tagen wieder los werden.
© imago images/MiS, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

22. Oktober 2021 - 13:57 Uhr

335 Tage lang mit Corona infiziert

Dass eine Corona-Infektion unterschiedlich lang andauert und mitunter auch mal ganz schön hartnäckig sein kann, ist nach fast zwei Jahren, die uns das Virus jetzt schon begleitet, nichts neues mehr. Aber eine Zeitspanne von 335 Tagen ist dann doch eher außergewöhnlich. So lange war aber tatsächlich eine Frau in den USA mit dem Virus infiziert. Neuansteckung laut Medizinern ausgeschlossen. Forscher haben jetzt ihre Ergebnisse zu ebendieser Infektion veröffentlicht und verraten, dass sie sogar für Virus-Mutationen verantwortlich sein könnte.

+++ Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie jederzeit im RTL.de-Liveticker +++

Die Patientin wurde zuvor gegen Krebs behandelt

Die Studie, die jetzt im Ärzteblatt veröffentlicht wurde, befasst sich mit einer Frau aus Maryland/USA. Wie die Forscher verraten, sei die Patientin vor rund drei Jahren wegen eines B-Zell-Lymphoms, also einer Form von Blutkrebs, behandelt worden. Mit einer Krebs-Immuntherapie (CAR-T-Zelltherapie) habe man bei der Frau, die sich in ihren Vierzigern befinden soll, den Krebs behandelt. Bei einer solchen Therapie werden aber, wie es in der Veröffentlichung heißt, nicht nur Krebszellen, sondern auch sogenannte B-Zellen, die für die Produktion von Antikörpern im Blut zuständig sind, zerstört.

Und aus diesem Grund sei es gar nicht ungewöhnlich, dass es zu einer Langzeitinfektion gekommen ist. Hierfür seien nämlich gerade die Menschen, die unter einer Abwehrschwäche des Immunsystems leiden, anfällig. Außerdem zähle auch Diabetes Typ 2 zu den Vorerkrankungen der Patientin, was wiederum einen hartnäckigen Verlauf einer Corona-Infektion begünstige.

Nach einem Monat entlassen, aber noch nicht genesen

In der Studie, die von einem Team rund um Elodie Ghedin, Professorin für Epidemiologie von den National Institutes of Health, durchgeführt wurde, heißt es: Die Corona-Infektion bei der besagten Patientin zunächst mit einer Serumtherapie und Immunglobulinen behandelt worden. Bei einer Serumtherapie werden der erkrankten Person Antikörper, die aus dem Blutserum immunisierter Personen gewonnen werden, verabreicht. Nach rund einem Monat konnte die Patienten entlassen werden. Genesen war sie zu diesem Zeitpunkt aber noch lange nicht.

PCR-Tests waren nach wie vor positiv, lediglich der CT-Wert, der einen Hinweis auf die Höhe der Viruslast im Körper gibt, stieg an. Das bedeutet: Die Viruslast hatte abgenommen. Aus diesem Grund zweifelten Mediziner damals auch an, dass die Infektion bei der Patientin weiterhin besteht.

Lese-Tipp: Das bedeuten die Abkürzungen zur Corona-Pandemie

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Aber der Zustand verschlechterte sich wieder

Mehrere hundert Tage später, nämlich genau nach 242 Tagen, habe sich die Patientin aufgrund einer Lungenentzündung wieder in Behandlung begeben. Nach 248 Tagen sei auch die Viruslast wieder angestiegen, heißt es im Bericht des Ärzteblatt. Erst nach 335 Tagen konnte sich die Patientin aus den USA dann aber schließlich genesen nennen.

Aber wie kam es dann zur Genesung? Bei der Wiederaufnahme im Krankenhaus waren schließlich Therapien möglich, die zu Beginn der Erkrankung noch nicht zur Wahl standen. Eine sogenannte Steroidbehandlung wurde erst im Laufe der Zeit seitens der WHO für schwer erkrankte Corona-Patienten empfohlen und auch die Behandlung mit Remdesivir hat man erst später zugelassen. Diese beiden Therapien konnten der Langzeitpatientin aber schließlich zur Genesung verhelfen.

Eine Neuinfektion als Ursache für eine so lange Infektionszeit schließen die Forscher im Übrigen aus. Wie es im Ärzteblatt heißt, sei nämlich immer wieder der gleiche Virustyp nachgewiesen worden, während sich Personen aus der Umgebung der Patientin mit anderen Virusvarianten infiziert hatten.

Bei einer Langzeitinfektion könnten neue Mutationen entstehen

Eine Annahme des Forscherteams ist außerdem die, dass sich im Laufe einer so langen Infektion neue Virusvarianten entwickeln. Und das liege an der immer wieder stattfindenden Replikation, also einer ständigen Vermehrung des Virus im Körper. Durch sie würde das Virus nämlich laufend mutieren.

Es wird sogar spekuliert, dass die in Großbritannien erstmals aufgetretene Alpha-Variante des Coronavirus durch einen chronisch an Corona erkrankten Patienten entstanden ist. Hierzu fehlen aber fundierte Informationen, da der Ur-Patient dieser Variante nie gefunden wurde. (vho)