USA: Kaylee M. (20) kratzt sich im Crystal Meth-Wahn die Augen aus - Mutter sammelt für einen Blindenhund

12. März 2018 - 14:38 Uhr

Kaylee M. hörte Stimmen

Die Situation ist kaum vorstellbar, so grausam klingen die Schilderungen in den amerikanischen Medien: Die 20-jährige Kaylee M. aus South Carolina hat sich bei einem starken Psychose-Anfall selbst die Augen ausgekratzt. Die Jugendliche konsumierte seit einigen Monaten die Droge Crystal Meth. Offenbar hörte Kaylee M. Stimmen, die sie aufforderten, ihr Augenlicht für "einen Platz im Himmel" zu opfern. Ihre Mutter sammelt jetzt Geld für einen Blindenhund, um damit ihrer Tochter den Weg zurück in ein unabhängiges Leben zu erleichtern. 

Passanten konnten rasender Kaylee M. nicht helfen

Crystal Meth: Kaylee M. (20) kratz sich im Wahn die Augen aus
"Es war zu spät", sagte Kaylees Mutter über den Kampf ihrer Tochter gegen Crystal Meth.
© Privat

Vor einer Kirche in der Stadt Anderson erlitt die Jugendliche den schrecklichen Anfall. Passanten versuchten, ihr zu helfen und sie von der Selbstverstümmelung abzuhalten. Doch Kaylee M. sei wie besessen gewesen und habe sich mit Gewalt gewehrt, meldet 'USA Today'.

Mit schwersten Verletzungen wurde Kaylee M. ins Greenville Memorial Hospital eingeliefert. Ärzte desinfizierten die Augenhöhlen, konnten das Augenlicht der 20-Jährigen aber nicht retten. Mittlerweile sei die Jugendliche auf dem Weg der Besserung. Sie wolle andere Menschen vor den Gefahren von Crystal Meth warnen, wird ihre Mutter Katy Tompkins im 'People Magazine' zitiert. Ihre Tochter habe sie im Krankenhaus gebeten, Augenprothesen in ihrer ursprünglichen Augenfarbe zu bekommen.

Katy Tompkins hat außerdem einen Spendenaufruf gestartet. "Je schneller wir Kaylee einen Blindenhund besorgen können, desto schneller bekommen wir sie wieder auf die Beine", schrieb die Mutter auf der Crowdfunding-Seite 'gofundme.com'. Innerhalb eines Monats kamen über 30.000 Dollar zusammen.

Das Mädchen war vor zwei Jahren von zu Hause abgehauen und lebte auf der Straße. Vor rund einem halben Jahr begann sie Meth zu konsumieren. Zuletzt habe sie ihrer Familie allerdings versichert, sich in eine Entzugsklink zu begeben. "Ich konnte fühlen, dass sie die Sucht bekämpft, dabei aber verliert. Es war zu spät", berichtet die Mutter der 20-Jährigen. Wie es der jungen Frau inzwischen geht, sehen Sie im Video.

Crystal Meth auch in Deutschland verbreitet

26 Todesfälle gab es in Deutschland 2016 durch Crystal Meth, insbesondere in Ostdeutschland ist die synthetische Droge weit verbreitet. In allen Bundesländern gibt es laut einer Statistik der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Erfahrungen mit "Crystal" oder "Ice". Besonders betroffen sind jedoch Sachsen und Thüringen wegen ihrer Nähe zu Tschechien, wo die Droge häufig billig produziert wird.

Crystal Meth versetzt Konsumenten in euphorische Zustände, erhöht die Leistungsfähigkeit und verstärkt den Sexualtrieb. Meistens wird "Methamphetamin" - so der vollständige Name - geschnupft, manchmal jedoch auch geraucht oder in Wasser gelöst intravenös injiziert. Die große Gefahr der Droge ist ihr Suchtpotential. Meth-Konsumenten leiden nach einiger Zeit häufig unter körperlicher Unruhe, Psychosen, Schlafstörungen und Depressionen. Die Psychosen können dabei, wie im Fall der 20-jährigen Kaylee, groteske Züge annehmen.

Unter Christal Meth kommt es häufig zu Psychosen

Konsumenten von Crystal Meth können von sogenannten "Crank Bugs" befallen werden. Dabei haben die Betroffenen das Gefühl, dass unter ihrer Haut Insekten krabbeln. In vielen Fällen sorgen solche Psychosen zu Wahnattacken gegen den eigenen Körper. Bilder zeigen Meth-Abhängige häufig mit tiefen Kratzern und Schnittwunden, die auf Psychosen zurückzuführen sind. Ein weiterer bekannter Nebeneffekt ist der Ausfall von Zähnen und die Zersetzung der Schleimhäute.

In den USA ist der Konsum von Methamphetamin in den letzten Jahren zu einer regelrechten Epidemie geworden. Die Stiftung "Meth Project" hat der Modedroge den Kampf angesagt und sorgte mit einigen drastischen Werbekampagnen für Aufsehen. In einer Reihe von Videos dokumentiert das Projekt den Verfall von Meth-Abhängigen und gibt Einblicke in die psychotischen Auswüchse der Droge.

Hier finden Sie Hilfe

Haben Sie oder hat jemand aus Ihrem Umfeld Probleme mit Drogen? Versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sich von erfahrenen Fachleuten Hilfe zu holen. In diesem Verzeichnis der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung finden sie die Suchtberatungsstellen in Ihrer Nähe, bei denen sich Suchtkranke und deren Angehörige, Freunde oder Kollegen Unterstützung holen können.

Wenn Sie schnell Hilfe brauchen, dann finden Sie unter der kostenlosen 'Sucht & Drogen Hotline' 01805-313031 Menschen, die Ihnen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.