Republikaner fragt Schüler nach Sex-Vorlieben

Wegen Körperverletzung & intimen Fragen: US-Senator nach Tag als Ersatzlehrer verhaftet

US-Senator Mark Samsel war als Ersatzlehrer an der Wellsville Secondary School tätig (Symbolbild).
US-Senator Mark Samsel war als Ersatzlehrer an der Wellsville Secondary School tätig (Symbolbild).
© picture alliance / Inderlied/Kirchner-Medi

04. Mai 2021 - 11:29 Uhr

Senator zahlt 1.000 Dollar Kaution und kommt frei - Eltern sind entsetzt

Eigentlich sollte Mark Samsel die Kinder einer weiterführenden Schule als Ersatzlehrer unterrichten. Am nächsten Tag wurde er verhaftet. Die Ausrede des republikanischen Senators ist abenteuerlich.

Nähe zu Bürgern: Senator Samsel unterrichtet einen Tag als Ersatzlehrer - Festnahme folgt

Mit den Bürgern zu arbeiten, kann für Politiker viele Vorteile haben. Man hat direkten Kontakt mit den Wählern, kann sich den Fragen und Sorgen der Bevölkerung stellen und Bürgernähe zeigen. In manchen Fällen geht es aber spektakulär nach hinten los. Als der republikanische Senator Mark Samsel aus Kansas einen Tag als Ersatzlehrer verbrachte, klickten am Ende die Handschellen. Weil er einem Schüler das Knie in die Hoden gerammt haben soll.

Schon vorher war die Lage bei dem Senatoren-Besuch an einer weiterführenden Schule in Wellsville am Mittwoch immer weiter eskaliert. Das dokumentieren Videos, die von den Schülern heimlich aufgenommen und in den sozialen Medien geteilt wurden. Samsel hatte den Schülern von einem Mitschüler erzählt, der bereits dreimal versucht habe, sich das Leben zu nehmen "weil beide seine Eltern weiblich sind", so Samsel. "Er ist ein Pflegekind. Seine Wahl waren Pflegeeltern, die lesbisch sind – oder ein Leben ganz ohne Eltern."

"Wer hat noch nicht masturbiert?" - Schüler filmen heimlich ein Beweisvideo

In anderen Clips, die der Lokalzeitung "Kansas City Star" vorliegen, soll er sich nach den sexuellen Vorlieben der Schüler erkundigt haben. "Babys machen - fühlt sich gut an, oder? Wer hat noch nicht masturbiert?", fragte er demnach in einem Clip. Um dann schnell hinzuzufügen: "Beantwortet das nicht. Gott kennt die Antwort."

Allgemein scheint sich der 36-jährige Senator auf einer religiösen Mission gesehen zu haben. "Bist du bereit dafür, mich wütend zu machen und die Wut Gottes zu spüren? Glaubst du mir, wenn ich dir sage, dass Gott durch mich spricht?", fragte er einen Schüler. Dann soll er ihn durch den Raum geschubst haben. "Du solltest schreiend wegrennen", schimpfte er ihm demnach hinterher, als der schnell zum anderen Ende des Raumes flüchtete. "Ihr dürft ihn nun offiziell in die Eier treten", sagt er an die Schüler gerichtet.

+++ Sehen Sie hier ein Beweisvideos aus dem Klassenzimmer +++

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Mark Samsel nach Kautionszahlung wieder auf freiem Fuß

Das soll er den Vorwürfen der Polizei zufolge dann selbst gemacht haben: Samsel habe dem Schüler das Knie in den Schritt gerammt, erklärte die Polizei als sie ihn wegen "minderschwerer Körperverletzung" verhaftete. Von der Tat selbst gibt es offenbar keine Videoaufnahme. In einem Clip soll aber zu sehen sein, wie Samsel über dem am Boden liegenden Jugendlichen steht. "Das hat weh getan, was?", soll er ihn gefragt haben. Um dann die Frage hinterherzuschieben, warum er denn jetzt zu weinen anfange. Danach soll er ihm auf die Schulter geklopft und sich entschuldigt haben. "Willst du mal bitte nach seinen Eiern sehen", soll er in Richtung von Mitschülern gesagt haben, bevor er den Verletzten dann zur Schulkrankenschwester schickte.

Die Eltern sind nachvollziehbarerweise aufgebracht. "Das darf nicht unter den Teppich gekehrt werden", erklärte ein Vater der Zeitung. "Er ist ständig in der Nähe von Kindern. Das ist ein Abgeordneter. Er ist in einer Machtposition." Samsel habe die Kinder regelrecht fertiggemacht, ist der Vater überzeugt.

Für den Senator könnte die Aktion Folgen haben. Er dürfte nicht mehr für den Schuldistrikt arbeiten, hatte der verantwortliche Bezirksleiter Ryan Bardbury bereits klargestellt, der Fall werde nun ausführlich untersucht. Am Donnerstag wurde Samsel kurzeitig verhaftet, er ist gegen Zahlung von 1000 Dollar Kaution aber wieder auf freiem Fuß.

Religiöse Mission: Senator hat skurrile Ausrede für sein Verhalten

Seine Erklärung für die Aktion ist indes abenteuerlich. Es sei alles mit den Eltern abgesprochen gewesen, behauptet Samsel in einer Snapchat-Story. "Jedes Detail war geplant. Die Kinder und ich haben das alles vereinbart, um ein Zeichen zu Kunst, mentaler Gesundheit und dem Suizid von Teenagern und der Frage, wie wir unsere Bildungs-Verantwortlichen behandeln, zu setzen", behauptete er. Die Nachricht habe sich an Eltern, Großeltern und die ganze Stadt gerichtet. "Es war genau so, wie Gott es geplant hat. Die Kinder waren Teil davon. Nicht alle Kinder. Aber die meisten."

Schaut man sich die Reaktionen der Eltern und Schüler an, scheint das aber eher unwahrscheinlich. So gibt es keinerlei Berichte von Schülern, die ihm beigesprungen sind, um die Aktion zu verteidigen. Dafür aber umso mehr, die sie verurteilen. Samsels Ausführungen zur "Teufelsmusik", Gottes Strafen und der Bibel habe sie verstört. "Ich glaube nicht, dass er in der Nähe von Kindern sein sollte", fasste eine Mutter die Sorgen der Eltern zusammen.

Samsel selbst fühlt sich nach wie vor im Recht. Er habe Kindern Hoffnung gegeben, erklärte er. "Ich wurde wegen Körperverletzung verhaftet. Macht mich das zu einem Kriminellen? Das wird sich zeigen."

Quellen: Kansas City Star, Law and Crime

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.