Nach den Sommerferien

Präsenzunterricht für alle: Wie soll das klappen?

Schulen starten nach den Sommerferien mit Präsenzunterricht.
Schulen starten nach den Sommerferien mit Präsenzunterricht.
© RTL

21. Juni 2021 - 11:03 Uhr

Masken, Testpflicht, Lüften

Die ersten Bundesländer starten in die Ferien, aber danach soll es wieder ein richtiges Schuljahr geben, also mit Präsenzunterricht – da sind sich Bund und Länder einig. Aber es stellt sich die Frage: Wie ist das in Pandemie-Zeiten möglich? Und wie gut sind die Schulen auf einen normalen Schulalltag vorbereitet?

Schleswig-Holstein startet als eines der ersten Länder in die Ferien, wird dann aber natürlich auch eines der ersten Länder sein, das wieder zurück in die Schulen kommt. Ministerpräsident Daniel Günther ist zwar zuversichtlich, mahnt aber im RTL-Interview (s.Video): Die Pandemie sei noch nicht vorbei. "Der Start in den Schulen wird noch sehr vorsichtig und behutsam sein. Wir werden ja ein richtiges Schuljahr mit normalem Präsenzunterricht haben. Das bedeutet aber, dass wir in den ersten zwei Wochen nach den Ferien sehr vorsichtig sind."

Für eine Rückkehr in den normalen Schulbetrieb seien strenge Hygienemaßnahmen wie eine Masken- und Testpflicht sowie das Lüften dringend erforderlich.

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Unterricht nach den Sommerferien: Schulen seien gut vorbereitet

Schule in Corona-Zeiten
Hygienemaßnahmen bleiben auch im kommenden Schuljahr wichtig.
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Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ist sich sicher: "Wir werden unter sehr viel besseren Bedingungen starten als im letzten Jahr. Wir haben uns vorgenommen zunächst einmal dafür Sorge zu tragen, dass alle Schülerinnen und Schüler in Schule wirklich ankommen können." Denn das Schuljahr 2021/2022 soll im Präsenzunterricht starten – damit Schülerinnen und Schüler endlich wieder gemeinsam lernen können.

Corona und Schule: 15 Mio. Euro für Hygienemaßnahmen

Wie wichtig frische Luft ist, ist während der Pandemie deutlich geworden. Deshalb sei Lüften auch nach wie vor ein wichtiger Teil der Hygienemaßnahmen an Schulen. Auch, wenn Schulen nun auch mit Lüftungsanlagen ausgestattet werden sollen. "Wir haben ja 15 Millionen zur Verfügung gestellt für Hygienemaßnahmen. Unter anderem auch für Lüftungsanlagen, wobei es sich hierbei um fest installierte Lüftungsanlagen handelt.", erzählt Karin Prien im RTL-Interview.

Das wäre aber nicht die Lösung des Problems in Klassenräumen: "Mobile Lüftungsgeräte ersetzen das Lüften nicht! Sie können in jedem Klassenraum fünf mobile Lüftungsgeräte aufstellen und trotzdem müssten sie lüften", so die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein.

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Digitale Geräte für alle

Man wisse aber nicht, wie sich die Pandemie entwickeln wird. Daher ist in Schleswig-Holstein oberste Priorität digitale Endgeräte an Schülerinnen und Schüler zu verteilen. Das Ziel sei, allen ein Gerät zu geben, die auch eins brauchen. Auch Lehrkräfte sollen zukünftig digitaler unterwegs sein, das hat die Politik vor einigen Wochen beschlossen. Dafür werden Landesmittel zur Verfügung gestellt – für eine nachhaltige Struktur.

Der Digitalunterricht war zentraler Knackpunkt in der Corona-Schulpolitik. Mit 1,5 Milliarden Euro zusätzlich zu den ursprünglich geplanten 5 Milliarden Euro wollte der Bund Schulen in der Pandemie digitaler machen. Aber nicht überall sind die Mittel inzwischen an den Schulen angekommen, mahnt der Lehrerverband: "Es ist nach wie vor so, dass nur etwa zehn bis 15 Prozent der Mittel wirklich jetzt schon an den Schulen angekommen sind. Etwas über die Hälfte ist beantragt. Die Digitalpaktmittel sind aber irgendwie vielfach steckengeblieben in einem Bürokratiemonster", so Heinz-Peter Meidinger, Präsident Deutscher Lehrerverband. Die Beantragung sei nämlich oft langwierig und kompliziert.

Ricarda Thiesen, Lehrerin an der Alwin-Lensch-Schule in Niebüll, sieht sich dennoch gut vorbereitet für das kommende Schuljahr: "Wir haben noch mehr Smartboards, wir haben noch mehr Tablets, wir haben neue Computer für den Computerraum, sodass die Kinder auch geschult werden in der Benutzung dieser digitalen Endgeräte." Dennoch erwartet sie mehr von der Politik – und da seien nun die vielen schlauen Köpfe der Landesregierung gefragt. Sie wünscht sich Präsenzunterricht für alle – aber ohne dabei ein beklemmendes Gefühl zu haben.

Bildungsgewerkschaft: Das Soziale sei jetzt am Wichtigsten

Astrid Henke von der Bildungsgewerkschaft in Schleswig-Holstein ist zwar mit der Idee, möglichst normal in den Schulunterricht zu starten, einverstanden. Aber sie sorgt sich, dass Lehrer sich zu sehr auf den Lernrückstand des vergangenen Jahres konzentrieren können – und die Schülerinnen und Schüler darunter leiden müssten. "Wir möchten nicht, dass der Einstieg in die Schule mit vielen Tests, Lernstandserhebungen im großen Umfang erfolgt, sondern dass es wirklich die Konzentration auf das Soziale ist. Auf soll auf das gemeinsame ankommen, auf das gemeinsame Lernen." (fst)

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