Kitas wieder geöffnet - aber nicht für jedes Kind täglich

Unregelmäßige Kita-Besuche: So können Eltern ihre Kinder bei der Eingewöhnung unterstützen

Die aktuelle Situation ist auch für Kinder eine große Herausforderung.
© dpa, Sebastian Kahnert, skh cul

20. Mai 2020 - 11:47 Uhr

Für die Kinder entsteht aufgrund der seltenen Kita-Besuche keine Routine

Nachdem Kitas aufgrund der Coronavirus-Pandemie wochenlang geschlossen bleiben müssen, kehrt langsam wieder Normalität ein - aber eben nur langsam. Wann Kinder wieder in die Kita dürfen, unterscheidet sich je nach Bundesland. Ebenso unterscheidet sich, an wievielen Tagen in der Woche die Kleinen dort hingehen dürfen. Tägliche Kita-Besuche sind aktuell noch eine Seltenheit. Das Problem: Wenn Kinder beispielsweise nur einmal in der Woche in die Kindertagesstätte können, müssen sie jedes Mal "neu" eingewöhnt werden, weil der letzte Besuch zu lang her ist und deshalb keine Routine für die Kinder entsteht.

Eltern können bei dem Eingewöhnungsprozess der Kinder an diese Ausnahmesituation eine große Stütze sein. Wie das am besten geht, erklärt Kinderpsychologin Sabine Werner-Kopsch.

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Wie kann ich mein Kind bei der Eingewöhnung unterstützen?

"Es ist wichtig, immer mal wieder an den Kindergarten und die anderen Kinder in der Gruppe zu denken. Vielleicht schreibt man auch einmal gemeinsam mit dem Kind einen Brief an die Gruppe und teilt darin mit, was man gerade so macht und wie es es dem Kind gerade geht. Vielleicht malt das Kind ja auch ein Bild", erklärt Werner-Kopsch. Auch eine geregelter Tagesablauf sei wichtig: "Das Einhalten der Essenszeiten und das Spielen außerhalb der Wohnung sind zum Beispiel eine gute Orientierung."

Was kann ich machen, wenn mein Kind fremdelt?

Laut der Kinderpsychologin ist die Fremdelphase normalerweise mit 18, spätestens aber mit 24 Monaten vorbei. Trotzdem kann die Veränderung für das Kind eine Herausforderung sein: "Das Kind findet es Zuhause plötzlich kuschliger und hat vielleicht Rituale mit den Eltern, die es gerade nicht aufgeben möchte. Eltern können ihrem Kind erklären, dass sie jetzt auch arbeiten gehen und das Kind in der Kita auch eine tolle Arbeit hat. Das Kind kann auch an die Freundinnen und Freunde erinnert werden und was es alles Tolles zu entdecken gibt und man sich schon darauf freut die Geschichten darüber später zu hören. Es ist ohnehin wichtig, dem Kind die Möglichkeit zu geben, über die Erlebnisse zu berichten."

Inwiefern ist das Berliner Modell bei der Eingewöhnung hilfreich?

Als Berliner Modell bezeichnet man das Konzept einer elternbegleiteten Eingewöhnung in eine Kita oder den Kindergarten. Das heißt, Sie begleiten ihr Kind in die Kita und gehen gemeinsam auf Entdeckungsreise. Die Problematik: Das Konzept beruht darauf, dass Kinder täglich in die Kita gehen und nicht beispielsweise wöchentlich. Werner-Kopsch sieht aufgrund der Pandemie ein weiteres Problem: "Die einzuhaltenden Hygienebedingungen können hier bereits Grenzen setzen. Im Zweifel müssen die Eltern mit der Gruppenleitung nach passenden Lösungen suchen."

"Für Kinder, denen die Trennungssituation sehr schwer fällt, ist es schön, wenn es die Möglichkeit gibt, dass die Eltern kurz den Übergang begleiten. Das wird sicher nicht wie bei einer normalen Eingewöhnung Wochen dauern, aber kann für einige Kinder eine gute Hilfestellung sein, sich wieder auf den Kita-Alltag einlassen zu können. Zum Beispiel können Eltern und Erzieher gemeinsam mit dem Kind besprechen, dass die Mama oder der Papa kurz mit dabei ist (am Rand sitzt, nicht mit dem Kind auf dem Schoß sondern mehr als stiller Beobachter) und das Kind das Elternteil verabschiedet, wenn es für das Kind okay ist oder die Beteiligten bemerken, dass das Kind ins Spiel gefunden hat. Der Rahmen wäre dabei beispielsweise eine Stunde. So hat das Kind das Gefühl auch gesehen zu werden und in einem kleinen Rahmen mitentscheiden zu dürfen. Das gibt in der Regel schnell Sicherheit und lasst die kleinen sich schon ganz groß fühlen. Wichtig ist, dass dieser Umstand nicht ausufert."

Was sollten Kitas tun, um Kindern die Eingewöhnung zu erleichtern?

Kitas sollten an gewohnte Abläufe anknüpfen: "Das eigene Fach sollte wieder eingeräumt werden, es sollten nach Möglichkeit die selben Räume und Erzieher eingebunden werden und die Kinder sollten willkommen geheißen werden. Hilfreich kann auch sein dass eine Nachricht kurz vor Beginn an die Kinder geschickt wird. 'Wir freuen uns, dass du jetzt wieder bei uns bist und wir wieder gemeinsam tolle Sachen machen können ...' oder ähnliches. Jedes Kind freut sich, wenn es bereits freudig erwartet wird und dieses Gefühl ist eine gute Grundlage für den Start."

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