Wie bei Michael Wendler und seiner Laura

„Einer liebt immer mehr“ – Stimmt das wirklich?

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4. Dezember 2019 - 17:42 Uhr

Was tun, wenn die Gefühle nicht gleich stark sind?

"Einer liebt immer mehr" – im neuen Song vom Wendler findet sich vor allem eine wieder: seine Freundin Laura. Sie ist fest überzeugt, dass ihre Liebe zu dem Schlagersänger größer ist als umgekehrt. Alles nur eingebildet, oder ist da was dran? Hat ein Partner immer stärkere Gefühle als der andere? Und kann man daran etwas ändern? Wir haben mit Paarberaterin Silvia Fauck darüber gesprochen.

Großer Altersunterschied kann eine Rolle spielen

"Ich sage immer, dass ich ihn mehr liebe. Ich habe mich ja lange aufgehoben, weil ich immer einen Mann haben wollte, der mich vervollständigt," so die Worte der 18-jährigen Laura im Bezug auf ihren 47-jährigen Freund Michael Wendler. Tatsächlich hält Silvia Fauck die knapp drei Jahrzehnte Altersunterschied zwischen den beiden für einen möglichen Grund, warum Laura so fühlt: "Natürlich kann das sein, dass dieses junge Mädchen meint, sie liebt mehr. Das wird nicht so sein, nur ist für sie die Liebe der oberste Fokus. Der Wendler hat viel um die Ohren und Erfahrung, eine Ex-Frau, ein Kind, einen Beruf - natürlich liebt der auch seine Freundin, aber der Fokus ist anders gesetzt."

Frauen fühlen sich oft weniger geliebt

Wie auch in anderen Beziehungsfragen ist immer das subjektive Gefühl ausschlaggebend. "Jeder hat ein anderes Empfinden, eine andere Wahrnehmung. Für den einen gibt es gar kein anderes Thema als den neuen Partner, und der andere lebt sein Leben weiter, liebt deshalb aber trotzdem nicht weniger – es hat nur den Anschein", so Fauck. Der Part, der "mehr liebt", liegt dabei meist bei der Frau: "Frauen sind in der Regel – es gibt immer Ausnahmen – in der Emotion größer als Männer. Besonders junge Frauen sagen oft: 'Das ist das Einzige, was in meinem Leben zählt, das ist jetzt für immer." Generell wird diese Rolle der Paarberaterin zufolge oft Menschen zuteil, die gerade die erste große Liebe erleben, lange Zeit ohne Partner verbracht haben oder kaum Freunde haben.

Partner auf ein Podest stellen? Gefährlich!

Besteht in einer Beziehung über längere Zeit ein vermeintliches Ungleichgewicht in Sachen Liebe, kann das zu Problemen führen. "Der Partner, der 'normal' liebt, wird natürlich völlig überlagert, erdrückt. Wenn der andere ständig so klammert und sagt: 'Du bist mein ganzes Glück', bekommt er das Gefühl, keine Luft mehr zu kriegen. Wenn er sich dann zurückzieht, um wieder atmen zu können, beginnt die Seite, die – vermeintlich – mehr liebt, zu ziehen, und macht den Rest kaputt."

Fauck warnt außerdem vor den sozialen Folgen, die eine solche Fixierung haben können: Wird der Partner verherrlicht und auf ein Podest gestellt, werden Freunde und Familie oft vernachlässigt oder sogar ganz fallengelassen.

Kommunikation ist der Schlüssel

Hat ein Partner das Gefühl, eingeengt zu werden, sollte er nicht zu lange damit warten, das auch anzusprechen – "sonst wird das Klammern immer mehr, und das Drama ist vorprogrammiert." In einer ruhigen Stunde sollte dann erklärt werden: "Ich liebe dich, aber ich brauche hier auch meinen Freiraum."

Personen wiederum, die den Eindruck haben, viel mehr zu geben als der Partner – eventuell auch in mehreren Beziehungen in Folge – sollten ernst nehmen, wenn etwa Freunde sie auf ihr Verhalten aufmerksam machen. Im Zweifelsfall hilft die Hilfe von außen. "Da muss ein Fremder ran, damit mal aufgedröselt wird, warum man immer so klammert und der andere Mensch so vereinnahmt wird, dass er freiwillig geht."

Einfach drüber reden: Das ist oft leichter gesagt als getan. Was eine gute Kommunikation in einer Partnerschaft ausmacht, erfahren Sie hier.