Rekordbeteiligung bei U18-Bundestagswahlen

So haben die Kinder gewählt!

Die beiden Neuntklässler Niko (l.) und Max informieren sich im U18-Wahllokal über die Programme der Parteien.
Die beiden Neuntklässler Niko (l.) und Max informieren sich im U18-Wahllokal über die Programme der Parteien.
© Benjamin Holler/RTL, Benjamin Holler

21. September 2021 - 11:13 Uhr

Im Schülercafé wurde schon gewählt

Am Sonntag ist es soweit: Die Bundestagswahl steht an. Doch viele Politikinteressierte dürfen dann nicht wählen, weil sie unter 18 sind. Sie hatten nun bereits am Freitag die Möglichkeit, ihrer Stimme in einer symbolischen Wahl Ausdruck zu verleihen. Und das taten bei den diesjährigen "U-18-Wahlen" mehr Kinder und Jugendliche als jemals zuvor.

Da in Deutschland das Wahlrecht bei Bundestagwahlen auf 18 Jahre festgelegt ist, fließen die Stimmen der Kids nicht in den Bundestag mit ein. Die Ergebnisse zeigen dennoch, was die Wähler von morgen bewegt und wo es große Unterschiede gibt...

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Rekordwahlbeteiligung

Der 14-jährige Niko hat im Schülercafé zum ersten Mal in seinem Leben einen Stimmzettel abgegeben: "Es war eigentlich ganz cool, man hat sich wie ein Erwachsener gefühlt", verrät er unserem Reporter Benjamin Holler. Und dieses Gefühl soll den Jugendlichen durch die U18-Wahlen vermittelt werden, das Ergebnis der Wahlen wird offiziell verkündet und kann zumindest auch als kleiner Fingerzeig an die große Politik verstanden werden. Schließlich sind die U18-Wähler von heute die Wähler von morgen.

Und die Wähler von morgen scheinen ein immer größeres Interesse daran zu haben, ihre Stimme abzugeben. Dieses Jahr gingen rund 262.000 Menschen unter 18 zu den Wahlurnen. Damit gingen über 40.000 Stimmen mehr ein als vor einem Jahr. "Die Rekord-Beteiligung an der U18-Wahl zeigt, dass junge Menschen mitgestalten und gehört werden wollen. Der große Zuspruch spiegelt das Interesse an Politik wider und zeigt, dass sich Kinder und Jugendliche für die parlamentarische Demokratie ins Zeug legen", sagt Wendelin Haag, Vorsitzender des Deutschen Bundesjugendrings.

Von Bandbreite überrascht

Miriam Großmann, die als Jugendbildungsreferentin für Projekt verantwortlich war, hatte in den Tagen zuvor Schulklassen eingeladen, um sich gemeinsamen mit ihnen über politische Themen auszutauschen: "Mich hat dabei vor allem die Bandbreite überrascht", erzählt sie, denn die Schüler hätten sich auch über Renten, Steuern oder psychische Erkrankungen ausgetauscht, obwohl diese Themen sie noch nicht so stark betreffen. Im Gespräch mit den Jugendlichen wird aber auch klar, welche Themen ganz oben auf der Liste stehen.

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Miriam Grossmann ist Bildungsreferentin in der katholischen Kirche und hat sich den letzten Tagen mit den Kindern und Jugendlichen über politische Themen ausgetauscht.
Miriam Großmann ist Bildungsreferentin in der katholischen Kirche und hat sich den letzten Tagen mit den Kindern und Jugendlichen über politische Themen ausgetauscht.
© Benjamin Holler/RTL

Thema Klima dominiert bei den Jungen

"Ein paar Themen sprechen mich auch sehr an, wie zum Beispiel der Klimawandel. Da interessiere ich mich sehr für", sagt zum Beispiel der 14-Jährige Max. "Ich finde das Thema Nachhaltigkeit wird im Moment trotzdem immer noch sehr vernachlässigt im Gegensatz zu anderen Themen und ich würde mir wünschen, dass dieses Thema eine stärkere Stimme bekommt", sagt Neuntklässlerin Ivana.

Klimawandel und Nachhaltigkeit: Themen mit denen vor allem die Grünen im Wahlkampf punkten wollen und die bei jungen Menschen sehr gut ankommen. Das belegen jetzt auch die Ergebnisse der "U-18-Wahl": Die Grünen gehen als Wahlsieger der Jugendlichen mit 21 Prozent hervor. Dahinter folgt die SPD mit 19,2 Prozent. Die Union kommt auf knapp 17, FDP auf 12 und Linke auf 7,5 Prozent. Die AfD erhält 5,9 Prozent. Knapp dahinter (5,7 Prozent) schafft es bei den Schülern auch die Tierschutzpartei über die 5 Prozenthürde.

Insgesamt wählen die Unter-18-Jährigen deutlich häufiger Kleinsparteien. Die Stimmen der "sonstigen Parteien" kommen aufgerechnet auf 11,82 Prozent. In Sachsen-Anhalt würden sie vereint sogar die größte Fraktion mit 17,41 Prozent stellen. Zum Vergleich: Bei der letzten Bundestagswahl machten sonstige Parteien 5 Prozent aller Stimmen aus.

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Ergebnisse klaffen in Ost und West außeinander

Doch nicht in allen Teilen Deutschlands stehen die Grünen auf der Poleposition. Die Ergebnisse der "U18-Wahl" zeigen auch, dass die Jugend im Osten anders tickt als die im Westen. Während in vielen westdeutschen Bundesländern die AfD nicht mal über 5 Prozent kommt, ist sie in manchen neuen Bundesländern Spitzenreiter. In Thüringen und Sachsen landet die AfD mit knapp 17 Prozent auf dem ersten Platz. In Sachsen portionieren sich die Grünen kurz dahinter, in Thüringen reihen sie sich stattdessen als zweitschwächste Partei nur vor der Tierschutzpartei ein. Bis auf Sachsen-Anhalt (CDU) und Bayern (CSU) sind in allen deutschen Bundesländern sonst die Grünen oder die SPD die stärkste Partei. Ob sich die Unter-18-Jährigen stark vom Rest der Bevölkerung unterscheiden, zeigt sich dann diesen Sonntag, wenn alle Wahlberechtigte abstimmen dürfen.

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(skn/xst/bho)