Bakterien-Infektion

Toxisches Schocksyndrom: Dreifache Mutter benutzt Menstruationstasse und verliert Füße und Finger

Sandrine Graneau erlitt ein Toxisches Schocksyndrom, weil sie eine Menstruationstasse zu lange benutzte.
© Le Parisien

24. Januar 2020 - 10:50 Uhr

Sandrine Graneau bekam plötzlich starke Bauchschmerzen

Als die 36-jährige Sandrine Graneau mit heftige Bauchschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert wird, ahnt sie noch nicht, wie lebensgefährlich ihr Zustand ist. Die Ärzte müssen beide Füße und die meisten Finger amputieren. Der Grund: Die dreifache Mutter aus Loire-Atlantique in Frankreich hatte mehrere Stunden lang eine Menstruationstasse benutzt. Durch den Becher kam es bei ihr zu einem Toxischen Schocksyndrom (TSS).

Das Gift breitete sich auf Nieren, Lunge und Leber aus

Die Menstruationstasse hatte bei der Krankenschwester ein Toxisches Schocksyndrom - eine Infektionskrankheit - ausgelöst. "Das Gift breitete sich auf meine Nieren, Lunge und Leber aus", erzählte Sandrine der französischen Zeitung "Le Parisien".

Die Infektion zerstörte viele Gewebe. Die Chirurgen mussten Sandrines Füße und auch die meisten ihrer Finger amputieren. Sie wollten mit dem Eingriff verhindern, dass ihre lebenswichtigen Organe angegriffen werden.

Dreifache Mutter kritisiert undeutliche Anwendungshinweise der Hersteller

Neun Monate später macht sie nun eine Reha, um das Gehen mit Prothesen zu erlernen. Die 36-Jährige kritisiert die mangelnde Klarheit bei den Herstellern. "Wenn ich höre, dass die Infektion mit einer falschen Benutzung von Bechern und Tampons durch Frauen zusammenhängt, schreckt mich das ab, da die Informationen, die uns gegeben werden, unterschiedlich sind", erzählt Sandrine. "Zum Beispiel steht in der jeweiligen Anleitung der Tassen, dass wir sie vier, sechs, acht oder zwölf Stunden benutzen können."

Wie lange sie ihre Menstruationstasse benutzt hatte, weiß sie nicht mehr. Doch die Mutter wundert sich, warum nicht eine klare Verwendungsdauer angegeben war.

Am Montag hat die französische Verbraucherschutzbehörde "Anses" die Hersteller von Bechern und Tampons aufgefordert, "klarere Informationen" darüber zu geben, wie lange sie verwendet werden dürfen. Sie empfahlen auch, die darin enthaltenen Chemikalien zu eliminieren oder zu minimieren.

92 Prozent der Fälle stehen im Zusammenhang mit der Menstruation

Ein Toxisches Schocksyndrom tritt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts jährlich bei rund drei bis sechs von 100.000 sexuell aktiven Frauen auf. 92 Prozent stehen im Zusammenhang mit der Menstruation. Die sogenannte Tamponkrankheit kann dann auftreten, wenn ein Tampon - oder wie in diesem Fall eine Menstruationstasse - zu lange im Körper bleibt und schädliche Toxine in die Blutbahn abgeben. Während der Körper versucht, gegen das Gift zu kämpfen, können folgende Symptome auftreten:

  • Blutdruckabfall
  • Fieber
  • Glieder- oder Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Durchfall
  • Übelkeit

Das Risiko eines TSS ist aber nicht zwangsläufig mit dem menstruierenden Körper verbunden. Es kann auch auch nach einer Operation oder starken Verbrennungen entstehen.

Wichtig: Menstruationstasse regelmäßig säubern

Menstruationstasse
Menstruationstassen gibt es in verschiedenen Formen und Farben.
© iStockphoto

Die Menstruationstasse - eine trichterförmige Silikonschale - wird immer beliebter. Sie ist eine wiederverwendbare Alternative zu Tampons und wird in die Vagina eingeführt, um die Menstruationsflüssigkeit zu sammeln. Sowohl der Becher, als auch die Tampons können aber ein Risiko darstellen. Die Fasern in Tampons können das Wachstum von Bakterien anregen, während der Becher Luft durchlässt und Erreger fördert.

Wichtiger Hinweis: Frauen sollten auf hygienische Standards setzen, den Tampon oder die Menstruationstasse regelmäßig wechseln und vor der Verwendung die Hände waschen. Vor dem Schlafen gehen sollte immer ein neuer Tampon bzw. eine gesäuberte Menstruationstasse eingesetzt werden.