Tourette: Wenn der Körper die Kontrolle übernimmt

12. März 2018 - 15:28 Uhr

Räuspern, Schimpfen, Würgen - ein Leben mit Tics

Gabi Richter schimpft, beleidigt und würgt. Sie hat das Tourette-Syndrom. Das Gesicht verzieht sich plötzlich zu einer Grimasse und der Körper übernimmt für einen kurzen Moment die Kontrolle. Diese Situation passiert mehrmals am Tag. Das Leben von Gabi Richter wird bestimmt von so genannten Tics.

Gabi ist ein Tick anders: So bewältigt sie ihr Leben mit Tourette

Das Tourette - Syndrom ist eine neurologische Erkrankung. Plötzlich, schnelle Bewegungen oder befremdliche Lautäußerungen, sind typische Symptome. Auch Gabi hat solche nervöse Zuckungen. Sie will zwar nicht - aber sie muss Schimpfwörter herausschreien.

Jahrelang lebte die 42 Jährige in völliger Ungewissheit - kein Arzt erkannte ihre Tic-Störung. Erst mit 30 bekam sie die Diagnose Tourette - und Hilfe. Heute kann sie stundenweise als Fachkraft in einem Büro arbeiten. Außerdem ist sie in psychologischer Behandlung. Dort lernt sie ihre Tics zu kontrollieren. Doch das gelingt nicht immer - zum Beispiel in der Öffentlichkeit. Für Gabi eine schlimme Situation: Einfach nur mal schnell in den Supermarkt gehen - gerade in dieser Alltagssituation kann es passieren. Tourette-Erkrankte können die Tics zwar für einen bestimmten Zeitraum hinausschieben, vollkommen unterdrücken lässt sich ein Tic allerdings nur selten.

"Der Mittelfinger flog einfach in die Luft"

"Ich habe oft mit Vorurteilen zu kämpfen, weil Leute denken, ich bin nicht zurechnungsfähig.Aber das bin ich. Und ich bin intelligent, ich bin zu 100 Prozent geschäftstüchtig", betont sie. Trotzdem halten sie viele Menschen für verrückt oder verstehen sie nicht. Einmal wurde das sogar gefährlich. "Ich erinnere mich, wie ich als 14 Jährige, damals in Hamburg jemandem den Mittelfinger zeigen musste. Der war nicht an ihn gerichtet, der flog einfach in die Luft und er hielt mit seinem Auto an und hat mich angepöbelt und mir Schläge angedroht. Ich bin dann nach Hause gerannt."

Gabi denkt manchmal darüber nach, wie es wäre, wenn sie nicht geboren wäre. "Ich hätte mir das alles ersparen können". Es gibt jedoch Menschen in ihrem Leben, die Gabi so lieben wie sie ist. Gabis Schwester Mary ist unglaublich stolz auf ihre Schwester. Sie fängt Gabi auf, wenn es ihr schlecht geht und spricht ihr Mut zu.  "Und weißt du was, ich zieh den Hund vor dir. Chapeau! Wie du deine Sache meisterst. Das ist ganz toll." Auch Andreas liebt Gabi mit all ihren Tics. Seit einem Jahr wohnen die beiden zusammen und sind verlobt. "Nerven tut's mich überhaupt nicht mehr. Zum Anfang war es schwierig gewesen, weil man ja auch nicht alles kannte.  Das kommt ja manchmal so alles rausgeschossen. Trotzdem heirate ich sie".  

Gabis Krankheit ist unheilbar. Aber ihr Verlobter hilft ihr, das zu akzeptieren und trotzdem glücklich zu sein. Denn er sieht die echte Gabi hinter den Tics.

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