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Tödliche Schüsse in Hannover: 10 Jahre Haft wegen Totschlags und versuchten Totschlags

Urteil im Prozess gefallen

Tödliche Schüsse in Hannover: 10 Jahre Haft wegen Totschlags und versuchten Totschlags

Foto: RTL Nord
Am Tag nach den Schüssen auf Armin N. stehen Kerzen am Tatort.
RTL Nord

von Kerstin Ligendza und Juliana Schatzschneider

Im Prozess gegen Rinor Z. (33) ist heute (25.5.2022) das Urteil gefallen. Ihm wurde vorgeworfen, am 3. Juni 2021 aus seinem Auto heraus den 30-jährigen Armin N. in dessen Wagen erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer am Montag (23.5.2022) eine siebenjährige Freiheitsstrafe wegen Totschlags gefordert. Der Richter entschied sich für mehr.

Angeklagter entschuldigt sich

„Ich möchte mich entschuldigen, für das was passiert ist“, liest der Angeklagte im Prozess von einem Zettel ab. Es ist der Tag der Urteilsverkündung. „Es ist sehr schwer für mich damit zu leben“, sagt er weiter. „Ich würde mir nur wünschen, die Zeit zurückdrehen zu könnten. Ich bitte um Entschuldigung.“

Rinor Z. hat das Leben eines Menschen auf dem Gewissen. Gemeinsam mit seinem Anwalt versucht er im Prozess, die Tragödie als Notwehr darzustellen. Doch der Richter verurteilt ihn heute zu 10 Jahren Haft – wegen des Totschlags zum Nachteil von Armin N. und versuchten Totschlags zum Nachteil eines weiteren Mannes. Die Begründung: „Sie haben sich vorbereitet. Sie haben sich eine Waffe besorgt. Sie haben sie mitgenommen. Sie haben für sich entschieden, irgendwann wird sich diese Situation klären. Und sie wussten, wie sie es klären würden.“

Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

3. Juni 2021 - der Tag der Tat

Foto: Archiv
Der Verurteilte im Prozess um die Schüsse an Ampelkreuzung - Rinor Z..
ole axs cst, dpa, Ole Spata

Gegen 13.30 Uhr melden Zeugen mindestens einen Schuss in der Innenstadt von Hannover bei der Polizei. Zuvor war es zu einer Auseinandersetzung zwischen den Insassen zweier Fahrzeuge gekommen. Aus einem Mercedes-Benz waren vom heute Verurteilten vier Schüsse abgegeben worden. Der beschossene Porsche habe daraufhin beschleunigt, raste über die Kreuzung und prallte gegen den Mast eines Verkehrsschildes. Der Insasse des Sportwagens, Armin N., brach laut Zeugenaussagen zusammen, starb trotz Reanimationsversuchen noch am Tatort. Bei der darauf folgenden Fahndung nach dem heute verurteilten Täter Rinor Z. wird damals auch eine Wohnung in Langenhagen gestürmt. Am Ende stellt Z. sich selbst der Polizei, nachdem er vier Tage lang untergetaucht war.

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Der Streit vor dem tödlichen Schuss

ARCHIV - 03.06.2021, Niedersachsen, Hannover: Polizisten sichern einen Tatort in Hannover, wo neben einem Auto eine abgedeckte Person liegt. Bei einer Auseinandersetzung zwischen Insassen von zwei PKW wurde ein Mann getötet. (zu dpa: «Prozessbeginn n
Der Porsche des Opfers am Tatort. Armin N. erlag neben seinem Wagen der Schussverletzung.
jst fdt cst sb, dpa, Julian Stratenschulte

Bevor der Schuss auf den verstorbenen Armin N. fiel, war zunächst der Beifahrer des späteren Opfers – sein Schwager – ausgestiegen und hatte mit einer Holzlatte auf das Auto des heute verurteilten Rinor Z. eingeschlagen, um diesen zum Aussteigen zu zwingen. Die Schüsse auf diesen Schwager, der verletzt flüchten konnte, und den späteren tödlichen Schuss auf Armin N. stellt der Verurteilte mit seinem Anwalt im Prozess als Notwehr dar. Doch der Richter wertet sie als Totschlag und versuchten Totschlag. „Sie geben insgesamt vier Schüsse ab. Den ersten schon aus dem Fahrzeug. Zweiter Schuss von hinten aus. Dritter, vierter Schuss: Sie stehen auf und schießen. Herr N. hatte keine Waffe. Er hat versucht, sich wegzuducken. Von einer Notwehrsituation gehen wir hier nicht aus.”

Was führte zu der Tat?

Instagram/_yelizkoc_
Yeliz Koc postet am 6. Juni 2021 ein Bild von ihr im Arm von Armin N..
Instagram/_yelizkoc_

Einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge sollen der Täter und der Beifahrer des Opfers in der Baubranche tätig gewesen sein. Laut Bericht stritten die Männer nach einem abgeschlossenen Projekt über die Verteilung des Geldes. Auch über Familienstreitigkeiten der beiden Männer wird spekuliert.

Außerdem war das Opfer unter anderem etwa vier Jahre vor seinem Tod selbst ins Visier der Polizei geraten. Damals hatte er einen 25-Jährigen erschossen. Da die Ermittler in diesem Fall aber von Notwehr ausgingen, wurde das Verfahren eingestellt. Wegen des illegalen Besitzes von Waffen wurde allerdings weiter gegen ihn ermittelt.

Aber auch in anderer Hinsicht ist das Opfer kein Unbekannter. Der 30-Jährige war Medienberichten zufolge der beste Freund von Reality-TV-Star Yeliz Koc . Die Ex-Freundin von Jimi Blue Ochsenknecht hatte nach der Schießerei auf Instagram fünf Bilder von sich und dem Opfer gepostet. Versehen hat sie den Post mit den Worten: "Es gibt Freunde, es gibt Familie und es gibt Freunde, die zur Familie werden! Wir werden dich jeden Tag vermissen. Ruhe in Frieden du wundervoller Mensch! Irgendwann sehen wir uns wieder!"