Todesstrafe in Texas ausgesetzt: Vater erwirkt Gnade für seinen Sohn – und Mörder seiner Familie

Kent Whitaker umarmt seine neue Ehefrau nach der Entscheidung des Gouverneurs
Kent Whitaker umarmt seine neue Ehefrau nach der Entscheidung des Gouverneurs
© picture alliance / AP Images

23. Februar 2018 - 13:48 Uhr

Kaum Chance auf Gnade in Texas

Wer in Texas zum Tode verurteilt wird, sollte sich keine Hoffnungen machen, noch begnadigt zu werden. Seit 1976 wurden in den USA 1.465 Menschen hingerichtet, mehr als ein Drittel davon (548) in Texas. Nur drei Prozent aller dort ausgesprochenen Todesurteile wurden zurückgenommen, im Rest der USA passiert das laut einer Untersuchung um ein vielfaches öfter (68 Prozent).

Thomas Whitaker gab Mord an seiner Familie in Auftrag

Thomas Whitaker, ehemaliger Todeskandidat
Thomas Whitaker ließ Mutter und Bruder ermorden, sein Vater überlebte. Er sollte in Huntsville, Texas, hingerichtet werden.
© REUTERS, HANDOUT, TB/HK

Nun ist es einem Mann namens Kent Whitaker in Texas gelungen, mit einem emotionalen Plädoyer beim Bewährungsausschuss und dem texanischen Gouverneur Greg Abbott die Aussetzung für seinen Sohn Thomas zu erreichen, nur Minuten bevor das Urteil vollstreckt werden sollte.

Und das ist doppelt ungewöhnlich. Kent Whitaker bat in dem Moment, in dem er um Gnade für seinen Sohn bat, auch um Gnade für den Mann, der für den Tod seiner Familie verantwortlich ist. Und der auch Kent selbst tot sehen wollte.

Thomas 'Bart' Whitaker wurde 2007 zum Tode verurteilt, weil er 2003 den Mord an seinem Vater, seiner Mutter und seinem Bruder in Auftrag gegeben hatte. Die Polizei war zunächst von einem Raubmord ausgegangen, erst später stellte sich heraus, dass Thomas Chris Brashear und Steven Champagne engagiert hatte, den Überfall vorzutäuschen. Thomas' Mutter Patricia und sein Bruder Kevin starben noch am Tatort, sein Vater Kent wurde schwer, Thomas selbst leicht verletzt, um den Verdacht von ihm abzulenken.

Festnahme in Mexiko

Als er schließlich doch in den Fokus der Ermittler geriet, floh er 2004 nach Mexiko, wo er ein Jahr später verhaftet wurde. Thomas Whitaker wurde eine Absprache mit dem Staatsanwalt verweigert – im Gegensatz zu Brashear und Champagne, die als Kronzeugen aussagten.

Brashear wurde zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt, Champagne bekam 15 Jahre. Sie warfen Thomas vor, aus Habgier gehandelt zu haben, was dieser abstritt. Er berief sich auf psychische Probleme aufgrund massiven Drogenmissbrauchs.

Ein 2009 angefertigtes Gutachten besagt, dass Thomas nach der Highschool mehr und mehr von seinen Eltern – seinem Empfinden nach wohl unverdient – verwöhnt worden war. Sie hatten ihm unter anderem eine Luxuswohnung und mehrere Luxuswagen gekauft und kamen für sein Studium auf, während er mehr und mehr den Fokus verlor.

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Kent verzieh seinem Sohn schon vor Jahren

Kent Whitaker nach Plädoyer vor Bewährungsausschuss
Kent Whitaker nach seinem Plädoyer vor dem Bewährungsausschuss.
© REUTERS, STAFF, JH/HK

Kent Whitaker hatte seinem Sohn schon vor Jahren vergeben und vor dem Urteil versucht, das Gericht zu überzeugen, seinen Sohn nicht zum Tode zu verurteilen. Damals sagte er in einem Interview mit dem 'Houston Chronicle', Thomas 'Bart' Whitaker hätte sich geändert, und fügte an: "Bart war nicht auf dem Weg in den Himmel, Kevin und Patricia schon, aber viel zu früh. Und auch ich werde mich irgendwann auf den Weg begeben, vorher aber erlaubte mir Gott, Bart zu vergeben, jetzt wird auch Bart in den Himmel kommen. Ich denke, dass ist Gottes Plan."

Gouverneur Abbot verhängte im Gegenzug eine lebenslängliche Haftstrafe ohne Aussicht auf Bewährung. Er begründete seine Entscheidung damit, dass die tatsächlichen Mörder Brashear und Champagne keine Todesstrafe bekommen hätten. Außerdem sei Thomas der einzige Familienangehörige, der seinem Vater noch geblieben sei.