Mutter als Nebenklägerin vor Gericht

Vater soll sein Baby getötet haben: Jamila wurde nur 12 Wochen alt

Prozessbeginn am Hamburger Landgericht. Der Angeklagte soll sein Baby getötet haben.
Prozessbeginn am Hamburger Landgericht. Der Angeklagte soll sein Baby getötet haben.
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03. Dezember 2021 - 12:50 Uhr

Was passierte mit der kleinen Jamila?

Mitte Mai soll ein 30-jähriger Vater in Hamburg-Wandsbek den Notruf gewählt und gemeldet haben, dass er mit seinem zwölf Wochen alten Baby gestürzt sei. Der Säugling erlitt schwere Kopfverletzungen. Im Krankenhaus entdeckten die Ärzte allerdings Hinweise auf Misshandlungen. Sie können das Leben des kleinen Mädchens nicht retten. Seit Freitag steht nun der 30-Jährige wegen Totschlags an seiner eigenen Tochter vor dem Hamburger Landgericht.

Jamila hat Schütteltrauma-Syndrom

Prozessbeginn am Hamburger Landgericht. Der Angeklagte soll sein Baby getötet haben.
Dr. Matthias Steinmann ist der Vorsitzende Richter im Prozess am Landgericht Hamburg.
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Die kleine Jamila liegt nur wenige Tage im Krankenhaus, dann stirbt sie. Nach Angaben eines Gerichtssprechers wird ein Schütteltrauma-Syndrom festgestellt. Das Verletzungsbild sei nicht mit den Angaben des Vaters zu einem angeblichen Unfall vereinbar, sagte er. Auch müsse der Kopf mit Gewalt gegen etwas geschlagen worden sein.

Was passiert beim Schütteltrauma

Bei einem Schütteltrauma fliegt das Gehirn in der harten Knochenschale des Kopfes hin und her, wird gestaucht und gezerrt. Es kommt zu Hirnblutungen und irreparablen Schäden. Die Folge: Lebenslange Behinderungen oder sogar der Tod. Wenn das Unglück passiert ist, können Eltern aber noch helfen, indem sie ihre Tat dem Arzt nicht verheimlichen, wie es scheinbar Jamila Vater getan hat.

"Wenn ich von Anfang an weiß, ich habe ein Kind vor mir, das geschüttelt wurde, dann kann ich entsprechende Maßnahmen anleiten und vielleicht verhindern, dass die Blutung weitergeht und verhindern, dass das Kind wirklich in eine Situation kommt, wo wir gar nichts mehr tun können", klärt Prof. Dr. Dragana Seifert, Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin im UKE Hamburg, auf.

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Angeklagter wirkt vor Gericht angespannt

Prozessbeginn am Hamburger Landgericht. Der Angeklagte soll sein Baby getötet haben.
Zum Prozessbeginn äußerte sich der Angeklagte noch nicht zum Tatvorwurf.
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In der Anklageschrift heißt es, der Vater habe den Tod bzw. die Verletzungen seiner Tochter billigend in Kauf genommen. "Das leitet die Staatsanwaltschaft aus der hochgradigen Gefährlichkeit ab, die mit dem Schütteln eines Babys einhergeht", erklärt der Sprecher des Gerichts Kai Wantzen auf Anfrage von RTL Nord. Während des Prozesses antwortet der Angeklagte auf Fragen zu seiner Person ruhig und gefasst, wirkt aber angespannt. Der 30-Jährige habe mit Mutter und der kleinen Tochter zusammengelebt. Das Mädchen sei das einzige Kind des Paares gewesen. Die Mutter tritt in dem Prozess als Nebenklägerin auf. Der Vater ist laut Gericht nicht vorbestraft, war zum Zeitpunkt der Tat ohne Arbeit. Zum Tatvorwurf wollte sich der Vater am ersten Prozesstag noch nicht äußern.

Mutter vermeidet Blickkontakt zum Vater

Welche Trauer und Schmerzen Jamilas Mutter seit Mai fühlen muss, kann man nur erahnen. Als die 31-jährige Altenpflegerin in den Gerichtssaal kommt, wirkt sie gefasst, vermeidet aber jeden Blickkontakt mit dem Vater ihrer Tochter. Weil es in ihrer Aussage auch um die persönlichen Verhältnisse der Familie geht, wird die Öffentlichkeit dann vom Prozess ausgeschlossen. Das Urteil soll voraussichtlich im Februar fallen. (nid)