Wegen dramatischer Lage auf Intensivstationen

In Thüringen sterben Wartelisten-Patienten

Zwei Krankenschwestern behandeln einen Intensivpatienten.
Zwei Krankenschwestern behandeln einen Intensivpatienten.
© sudok1

02. Dezember 2021 - 8:40 Uhr

Experte schlägt Alarm

Dramatische Folgen der angespannten Lage auf den Intensivstationen. In Thüringen ist die Lage so kritisch, dass planbare Operationen von Patienten etwa mit Krebs- oder Herzklappen-Erkrankungen verschoben werden müssen. Der Intensivkoordinator des Landes, Michael Bauer, berichtete am Mittwoch von einigen Todesfällen, die sich aus dieser Situation ergeben.

"Eine milde Form der Triage"

Was die Aufschiebung planbarer Operationen bedeutet, zeigt sich aktuell in Thüringen. "Für die bedeutet das unter Umständen den Tod auf der Warteliste oder eine wesentlich schlechtere Prognose", sagte Bauer. Einige seien bereits gestorben.

"In dem Moment, wo ich als Arzt priorisiere und sage, jemand muss auf die Warteliste, mache ich natürlich eine milde Form einer Triage", sagte er weiter. Meistens gehe das gut, aber nicht immer.

Es sei bei Krebs auch die Frage, wie viele Menschen dadurch aus einem noch heilbaren Stadium in ein Stadium kommen, wo sie etliche Lebensjahre einbüßten. "Wir kommen jetzt schon in Bereiche, in denen wir Medizin machen, die wir eigentlich nicht machen wollen." Das nähmen die Leute in Kauf, die die Realität hartnäckig leugneten, sagte er mit Blick auf den großen Anteil ungeimpfter Corona-Patienten auf den Intensivstationen.

Keine freien Intensiv-Betten in Jena

In Thüringen waren laut Bauer am Mittwoch 217 Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Am Universitätsklinikum Jena, wo Bauer die Klinik für Intensivmedizin leitet, sind seit Wochen keine Betten mehr frei.

Aktuell werde der "beste Patient", egal ob mit oder ohne Covid-19, von der Station verlegt, wenn etwa ein Unfallopfer komme und ein neues Bett gebraucht werde. Aus der Situation werde man nur mit mehr Impfungen und Kontaktbeschränkungen kommen. Die Verlegungen in andere Bundesländer würden weitergehen.

Angesichts der teils dramatischen Lage in den Kliniken fordern Deutschlands Intensivmediziner von der Politik sofortige bundeseinheitliche Maßnahmen zur größtmöglichen Kontaktbeschränkung. "Das kann - wenn notwendig - auch ein zeitlich begrenzter Lockdown sein", erklärte die Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Als Grundlage hierfür müsse die epidemische Lage nationaler Tragweite als Gesetz reaktiviert werden, um bundeseinheitliche Maßnahmen schnell durchsetzen zu können. (msc/dpa)