Todesdrohungen mit Patronenhülsen

Terror-Anklage gegen Nazi-Heilpraktikerin Susanne G.

Das SEK hat Susanne G. festgenommen. (Symbolbild)
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27. Januar 2021 - 12:01 Uhr

Generalbundesanwaltschaft: Brandanschläge auf Polizisten und Politiker geplant

Offenbar führte Heilpraktikerin Susanne G. ein Doppelleben: Tagsüber hilft sie Menschen, verschreibt in ihrer Praxis in Leinburg-Diepersdorf Globuli. In ihrer Freizeit soll die 55-Jährige nicht nur sechs Todesdrohungen verschickt, sondern auch Brandanschläge auf Politiker, Polizisten und Mitbürger muslimischen Glaubens geplant haben. Die Bundesanwaltschaft hat gegen die als "Nazi-Heilpraktikerin" bekannt gewordene Frau jetzt Anklage erhoben. Sie sitzt seit September vergangenen Jahres in Untersuchungshaft.

Trotz Polizei-Ermittlungen plante sie weiter Bombenanschläge

Die konkreten Terror-Anschuldigungen der Bundesanwaltschaft: "Susanne G. vertritt eine von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geprägte Grundhaltung. Aus dieser Gesinnung heraus bereitete sie spätestens ab Ende Mai 2020 einen Brandanschlag auf Amtsträger oder Menschen muslimischen Glaubens in Deutschland vor." Die Anklage lautet unter anderem auf "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat".

Eines der Droh-Opfer: Der Fürther Bundestagsabgeordnete Carsten Träger, Chef der örtlichen SPD. Er erhielt eines von mehreren Schreiben mit Patronenhülse und Morddrohung. Laut "Abendzeitung München" hieß es in den Droh-Briefen "frohe Botschaft zu Beginn des neuen Jahres", unterschrieben wurden die Anschreiben mit RAZ ("Revolutionäre Aktionszellen)" und MIEZE ("Millitante Zelle"). Laut Bild-Zeitung soll die Angeklagte Verbindungen zur rechtsradikalen Partei "Der III. Weg" gehabt haben.

Obwohl Susanne G. wegen der Todesdrohungen schnell ins Visier der Polizei geriet, vom SEK festgenommen und vernommen wurde, soll sie in ihrem rechten Wahn weiter Bombenanschläge geplant haben. Laut Bundesanwaltschaft soll sie sich nicht nur Anleitungen zum Bombenbau besorgt haben, sondern auch für Brandsätze benötigte Materialien: darunter Benzin, Kartuschen mit einem Propan/Butan-Gasgemisch, Feuerwerkskörper und Zündschnüre. Im Sommer 2020 soll Susanne G. dann Polizeibeamte und einen fränkischen Mandatsträger als mögliche Anschlagsopfer ausgespäht haben.

Der Prozess findet vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts München statt. Susanne G. drohen bis zu zehn Jahre Haft.