Tränen während der Partie

Djokovic geht im US-Open-Finale unter - Traum von Grand Slam geplatzt

Novak Djokovic verliert gegen Daniil Medwedew.
Novak Djokovic verliert gegen Daniil Medwedew.
© Imago Sportfotodienst

13. September 2021 - 8:16 Uhr

Djokovic schreibt nicht Geschichte

Novak Djokovic hat die wohl schmerzlichste Niederlage seiner Karriere erlitten und den historischen Titelgewinn bei den US Open überraschend verpasst. Der 34 Jahre alte Serbe unterlag am Sonntag im Endspiel dem russischen Weltranglistenzweiten Daniil Medwedew chancenlos mit 4:6, 4:6, 4:6 und ließ die große Gelegenheit auf den ersten Grand Slam seit Rod Laver 1969 aus. Schon auf dem Platz sah man Tränen in den Augen des Weltranglistenersten.

Medwedews Aufschlag einfach zu stark

"Wenn jemand den Titel verdient hat, dann bist du es", sagte Djokovic zu Medwedew und bedankte sich bei den Fans für die lautstarke Unterstützung. Schon während der Partie weinte er Tränen der Rührung: "Auch wenn ich das Match nicht gewonnen habe, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt, ihr habt meine Seele berührt." Medwedew freute sich ungemein über seinen Erfolg, huldigte aber auch Djokovic: "Für mich bist du der größte Tennisspieler der Geschichte."

Djokovic hatte die Australian Open, die French Open und Wimbledon allesamt gewonnen und verpasste nun das erste perfekte Majorjahr seit 52 Jahren beim allerletzten Schritt. Auch sein Vorhaben, alleiniger Grand-Slam-Rekordchampion vor Roger Federer (Schweiz) und Rafael Nadal (Spanien) zu werden, konnte er nicht umsetzen. Alle drei Stars stehen weiter bei 20 Titeln bei den vier wichtigsten Turnieren des Jahres.

Djokovic: "I love you, guys"

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Medwedew: Nur ein Satzverlust im ganzen Turnier

Der 25-jährige Medwedew jubelte dagegen über seinen größten Erfolg, den er sich mit einem überragenden Auftritt sicherte. Er erreichte wie Vorjahressieger Dominic Thiem den so begehrten Status als Grand-Slam-Sieger, dem Alexander Zverev bislang erfolglos nachjagt.

Schon ins Finale war Medwedew höchst souverän eingezogen mit nur einem verlorenen Satz im Turnierverlauf. Im Gegensatz zum Fraueneinzel, das mit einem völlig überraschenden Triumph der erst 18 Jahre alten Emma Raducanu gegen die zwei Monate ältere Leylah Fernandez endete, gaben sich die Favoriten keine Blöße.

Djokovic verliert vor den Augen der Hollywoodstars

Spätestens nach Djokovics Halbfinalsieg gegen die deutsche Nummer eins Zverev ging es vor dem Männerfinale nur noch um ein Thema: Ergreift Djokovic die historische Chance? Er selbst versuchte, die Diskussionen so gut es geht von sich fernzuhalten.

"Ich will alle Energie für das Match bewahren", sagte er und stürzte sich in die Partie, die Ikone Laver, aber auch Hollywoodstars wie Brad Pitt oder Bradley Cooper von der Tribüne verfolgten. Doch Djokovic bekam sogleich zu spüren, dass Medwedew keinesfalls nur zum netten Gratulieren gekommen war und kassierte sofort ein Break. Der Russe setzte den Favoriten mit einer starken Aufschlagquote und seiner Power von der Grundlinie unter Druck und gewann den ersten Satz.

Djokovic hatte im Turnierverlauf damit schon zum fünften Mal in Folge den ersten Satz abgegeben, zuvor war ihm dann jedes Mal eine perfekte Reaktion gelungen. Und er war nun voll da, erarbeitete sich auch mit Netzangriffen Breakball um Breakball, konnte sie aber nicht nutzen und ließ seinen Frust am Schläger raus.

Djokovic mit zu vielen leichten Fehlern

Medwedew machte ungerührt weiter, schnappte sich Djokovics Service zum 3:2 und war auch in dem Durchgang für den Serben nicht mehr zu fassen. Beim Satzball leistete sich Djokovic einen leichten Fehler - und stand nun mit dem Rücken zur Wand.

Der Tour-Dominator leistete sich weiter viele leichte Fehler. Medwedew war dagegen voll in seiner Zone. Aber als er die Chance hatte den Turniergewinn klarzumachen, zitterte die Hand des Russen. Djokovic wurde vom Publikum nochmal nach vorne gepeitscht und nahm die Unterstützung emotional berührt auf.

Doch Medwedew ließ sich nicht mehr von seinem großen Triumph abbringen und machte den Traum von Djokovic vom Grand Slam zunichte. (sid/ana)