Wie passen niedrige Steuern und „wohltätige Zwecke" zusammen?

„Team Wallraff": Spur der Ryanair-Rubbellose führt ins Steuerparadies Malta

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10. Oktober 2019 - 8:37 Uhr

Ryanair an Briefkastenfirmen beteiligt?

Den Recherchen von "Team Wallraff" zufolge scheinen verschiedene Briefkastenfirmen an den Ryanair-Rubbellosen beteiligt zu sein. Eine Firma ist sogar auf Malta, dem europäischem Steuerparadies, gemeldet.

Ryanair lockt mit hohen Rubbellos-Gewinnen und gutem Zweck

Wer mit Ryanair fliegt, bekommt hoch oben in der Luft bei jedem Flug Rubbellose, sogenannte "Scratch Cards", angeboten. Ab zwei Euro erhält man ein Rubbellos, wer fünf Euro investiert, kriegt sieben Lose. Gewinnen kann man angeblich eine Million Euro oder Sachgewinne.

Der Erlös geht laut Ryanair an Kinderhilfsorganisationen in ganz Europa. Doch dass da nicht jeder Cent anzukommen scheint, zeigt die Hochrechnung von "Team Wallraff". Offenbar geht ein Großteil der Rubbellos-Erlöse an Ryanair selbst. Ein Grund, der Sache nachzugehen und die Firmen, die sogenannten Vertreiber der Lose, aufzudecken.

Das Firmen-Geflecht rund um die Ryanair-Rubbellose

Ryanair organisiert seit 2004 zusammen mit der Firma Travelcards Ltd. das Rubbellos-Geschäft. Die beiden Unternehmen haben die Unterfirmen Brandforce Marketing Ltd. und Brandforce Ltd. gegründet, um Vertrieb und Herstellung der "Scratch Cards" zu organisieren. Eine Firma sitzt in Irland, die andere in England.

Merkwürdig ist jedoch, dass die Firma Brandforce Marketing Ltd. sowie die Mutterfirma Travelcrds Ltd. auf eine Adresse gemeldet sind, die nach einem Wohnhaus aussieht. Folgt man der Spur der Firmen weiter, landet man plötzlich auf Malta: Denn wenn man die registrierte Adresse von Travelcards Ltd. zusammen mit dem Firmennamen nachverfolgt, stößt man auf einen dort registrierten Firmensitz.

Warum ist Malta für Unternehmen so attraktiv?

Ryanair Beihilfe
An diesen europäischen Standorten hat Ryanair laut EU-Kommission nicht zulässige Beihilfen erhalten.
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Malta gilt als Steuerparadies: Die Unternehmenssteuer liegt - wenn man es geschickt anstellt - bei nur 5 Prozent. Zum Vergleich: Alleine die Körperschaftssteuer, die jede Kaptalgesellschaft in Deutschland abführen muss, liegt bei 15 Prozent.

Eigentlich liegt der offizielle Steuersatz auf Malta bei 35 Prozent. Allerdings können Gesellschafter aus dem Ausland, die nicht in Malta steuerpflichtig sind, 80 Prozent der bezahlten Steuern vom maltesischen Finanzamt wieder zurückfordern. Das Finanzamt muss die Rückforderung innerhalb von zwei Wochen rückerstatten. Damit beträgt der effektive Steuersatz nur 5 Prozent.

Fazit: Es scheint, dass Ryanair versucht, durch Firmengeflechte die Unternehmenssteuer deutlich zu senken. Illegal ist das zwar nicht, aber es hat einen gewissen Beigeschmack.

Immerhin hat Ryanair in der Vergangenheit in verschiedenen europäischen Ländern Vergünstigungen erhalten, um Stützpunkte in der Provinz aufzubauen. Die Europäische Kommisson hat aber entschieden, dass an den betreffenden Flughäfen unerlaubte staatliche Beihilfen gezahlt wurden, die den Wettbewerb unter den Airlines verfälschen. Im eigenen Geschäftsbericht beziffert Ryanair die zurückgeforderte Summe auf 22,5 Millionen Euro.

„Team Wallraff" bei TVNOW

Die ganze "Team Wallraff"-Reportage "Undercover bei Ryanair und Eurowings" steht bei TVNOW und in der TVNOW App zum Abruf bereit.