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Team Wallraff: So setzen die Einrichtungs-Missstände Undercover-Reporterin Caro Lobig zu

Team Wallraff: So setzen die Einrichtungs-Missstände Undercover-Reporterin Caro Lobig zu

Undercover-Reporterin Caro Lobig im Interview Team Wallraff
04:56 min
Team Wallraff
Undercover-Reporterin Caro Lobig im Interview

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Undercover-Reporterin des Team Wallraff deckte Misstände auf

In der neuesten Folge hat das 'Team Wallraff' Missstände in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen aufgedeckt. Undercover-Reporterin Caro Lobig recherchierte als Praktikantin in Wohnheimen und Werkstätten in Leverkusen, Speyer und Düren. Im Interview verrät sie, was sie bei ihrer Recherche-Arbeit am meisten bewegt hat.

Einrichtungen fehlt offenbar eine Kontrollinstanz

"Es hat mir das Herz gebrochen, das mit anzusehen", sagt Lobig. Es sei natürlich ihre Aufgabe, die Missstände zu dokumentieren und erstmal nicht einzugreifen, um Beweismaterial zu sammeln. "Damit sich da auch was ändert", so die RTL-Reporterin.

Caro Lobig kritisiert, dass in den Einrichtungen offenbar eine Kontrollinstanz fehlt. Zwar gebe es Prüfbehörden, doch scheinbar sei es nicht möglich, die Mitarbeiter ausreichend zu kontrollieren. "Das dokumentieren wir immer nur mit versteckter Kamera, das bekommt sonst keiner mit."

"Ganz schlimm war Thomas, der eingesperrt wurde, weil er eingenässt hat"

Der schlimmste Fall sei der des etwa 50-jährigen Thomas in der Lebenshilfe-Einrichtung in Speyer gewesen. "Er wurde eingesperrt, weil er eingenässt hat." Der schwerbehinderte Mann sei für Dinge bestraft worden, die offensichtlich zu seiner Behinderung gehörten.

Thomas hat eine Spastik in Armen und Beinen. Da er eine geistige Behinderung hat, kann er nur mit Lauten und seiner Gestik kommunizieren - er versteht aber, was die Betreuer zu ihm sagen. Caro Lobig ist in der Einrichtung in Speyer als Praktikantin Steffi undercover im Einsatz. Bereits an ihrem ersten Tag dort beobachtet sie, wie Thomas dafür bestraft wird, dass er beim Mittagessen sein Getränk verschüttet. Dabei kann er wegen seiner Spastik den Becher nicht richtig zum Mund führen und schüttet daher die Hälfte über seine Kleidung. Zur Strafe streicht die Betreuerin ihm sein Malzbier.

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Dreifach-Bestrafung für schwerbehinderten Mann

An einem anderen Tag erlebt die Undercover-Reporterin gleich drei Bestrafungs-Aktionen für Thomas. Ihm wird Absicht unterstellt, nachdem der schwerbehinderte Mann in seinen Rollstuhl eingenässt hat. Die Betreuerin streicht ihm den Kuchen. Außerdem darf Thomas nicht - wie die anderen Bewohner - Mittagsschlaf halten. Er muss auf einem Stuhl in seinem dunklen Zimmer ausharren.

Thomas fühlt sich ungerecht behandelt und - da er nicht sprechen kann - stampft wütend. Die Betreuerin bestraft ihn auch für das Stampfen. Wie die Undercover-Reporterin dokumentiert, bleibt Thomas für mehr als zwei Stunden im Dunkeln eingesperrt. "Eigentlich ist das Personal dafür da, diesen Menschen zu helfen", sagt Caro Lobig. "Das ist grausam. Ich habe keine Ahnung, wie Thomas das durchsteht." Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Lebenshilfe-Einrichtung in Speyer wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen.