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Taliban-Hölle: Tapfere Bürgermeisterin Zarifa Ghafari (28) wartet in Afghanistan auf ihren Tod

Zarifa Ghafari: "Sie kommen, um mich zu töten"

Afghanistans jüngste Bürgermeisterin (28) wartet auf ihren Tod

picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Carolyn Kaster
Den Posten als Bürgermeisterin musste Zarifa Ghafari inzwischen räumen.
Carolyn Kaster, picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Carolyn Kaster

Die mutige Politikerin Zarifa Ghafari ist für die Taliban eine Provokation

Sie ist selbstbewusst, unverschleiert und unfassbar mutig: Zarifa Ghafari (28) ist Afghanistans jüngste Bürgermeisterin – allein deshalb ist sie für viele eine Provokation und bereits früher Ziel von Anschlägen gewesen. Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban bangt sie um ihr Leben.

UPDATE: Ghafari konnte sich nach Deutschland retten – von hier aus will sie mit den Taliban verhandeln, um Frauen in Afghanistan zu helfen.

Zarifa Ghafari richtet hoffnungslose Worte an die Öffentlichkeit

„Ich sitze hier und warte auf sie. Es gibt keine Hilfe für mich oder meine Familie. Sie werden kommen und Leute wie mich umbringen“, sagte Ghafari der britischen Zeitung „inews“. Mit 26 Jahren wurde sie 2018 in der Stadt Maidan Shar zur jüngsten Bürgermeisterin Afghanistans gewählt. Die 35.000-Einwohner-Stadt ist etwa 45 Kilometer von Kabul entfernt.

Seit ihrem Amtseintritt wurde sie immer wieder zur Zielscheibe von Islamisten. „Die Taliban haben gedroht, meine ganze Familie zu ermorden, wenn ich mich nicht aus der Öffentlichkeit zurückziehe“, erzählte sie der „Bild“-Zeitung. Im Juni gab sie schließlich nach dem Einmarsch der Taliban in Maidan Shar auf und musste den Posten als Bürgermeisterin räumen. „Ich muss meine Mutter und meine sechs Geschwister schützen“, erzählte sie.

Ihr Vater sei im vergangenen November von Islamisten erschossen worden. „Das war die Rache, weil ich drei Wochen zuvor einen Anschlag auf mich überlebt habe“, so Ghafari, die zuletzt wegen der angespannten Lage im Verteidigungsministerium in Kabul arbeitete.

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" Wo würde ich überhaupt hin?"

Nach der Schreckensherrschaft der Taliban kämpfte sie jahrelang für mehr Frauenrechte und galt als Vorbild für viele junge afghanische Mädchen. Sie hatte sogar ihre eigene Radiosendung. Dass das Risiko zum Job gehört, war ihr immer bewusst. Noch vor drei Wochen erklärte Ghafari optimistisch: „Die jüngeren Menschen kriegen mit, was passiert. Ich denke, dass sie weiterhin für Fortschritt und unsere Rechte kämpfen werden. Ich denke, dass dieses Land eine Zukunft hat“, schreibt „inews“.

Nach der rasanten Machtübernahme der Taliban scheint die Zukunft für die junge Frau nun aussichtslos zu sein. „Ich sitze hier einfach mit meiner Familie und meinem Mann. Sie werden Menschen wie mich verfolgen und töten“, sagt sie nun der britischen Zeitung. Und während hochrangige Regierungsmitglieder wie Präsident Ghani schon längst über alle Berge sind, erklärt die 28-Jährige: „Ich kann meine Familie nicht verlassen. Wo würde ich überhaupt hin?“

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Etwas Hoffnung gibt es für Zarifa Ghafari

Ein wenig Hoffnung gibt es dennoch für die 28-jährige Politikerin. In einer Pressekonferenz haben die Taliban am Dienstag eine allgemeine Amnestie verkündet und Frauen mehr Rechte zugesprochen – solange sie der Scharia entsprechen. „Sie müssen keine Angst haben“, so Taliban-Sprecher Suhail Shaheen. Ihr Leben soll normal weitergehen, auch die Schulbildung sicherte er zu. Doch die meisten trauen seinen Worten nicht.