Dos & Don'ts zur Mediennutzung

Vor allem kleine Kinder lieben den Fernseher! Worauf Eltern achten sollten - und was gar nicht geht

Geschwisterkinder, die abends fernsehen
Kinder lieben es fernzusehen - vor allem die Kleinsten.
Evgeny Atamanenko, Evgeny Atamanenko (Evgeny Atamanenko (Photographer) - [None], iStock

Fernseher, Smartphone, Tablet – was für uns Erwachsene zum Alltag dazugehört, bestimmt oft auch den Alltag unserer Kinder. Auch der gute alte Fernseher ist immer noch wahnsinnig beliebt – vor allem bei den Kleinsten. Laut einer Forsa-Umfrage ist er das Lieblingsmedium von Kindern zwischen zwei und zwölf Jahren. Experten warnen allerdings: Kinder unter drei Jahren sollten komplett auf Bildschirmkontakte verzichten. Worauf Eltern beim Umgang ihrer Kinder mit Medien achten sollten - und was gar nicht geht!

Smartphone erst bei Älteren auf Platz 1

Für 85 Prozent der Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren ist das Fernsehgerät klar das bevorzugte Medium. Erst mit etwas Abstand folgen der Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännischen Krankenkasse zufolge Tablet (63 Prozent) und Smartphone (59 Prozent). Das ändert sich allerdings mit dem Alter: Die Gruppe der Zehn- bis Zwölfjährigen nutzt demnach das Smartphone (90 Prozent) etwas häufiger als den Fernseher (86 Prozent).

Wie viel Kinder auf den Bildschirm starren, hängt der Umfrage zufolge stark vom Alter ab. Unter den zwei- bis vierjährigen Kindern kommen 84 Prozent auf bis zu zwei Stunden. 48 Prozent der Kleinsten sehen allerdings nur bis zu 30 Minuten auf einen Bildschirm.

Lese-Tipp: Weil es nicht TV sehen darf: Kleinkind zetert, wütet, bettelt - ist dieser Trick die Lösung?

"Bildschirmfrei bis drei"

Gerade bei den ganz kleinen Kindern sollte am besten völlig auf Bildschirmkontakt verzichtet werden, rät Tanja Brunnert vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: „Bildschirmfrei bis drei“, so die Vize-Bundessprecherin des Verbands. Auch KKH-Psychologin Franziska Klemm erklärt, digitale Medien hätten bis zum Ende des zweiten Lebensjahres keinen wirklichen Nutzen.

„Um einschätzen zu können, ob Länge oder Inhalt der Medienzeit für ein Kind zu viel sind, sollten Eltern ihren Nachwuchs beobachten. Reagiert das Kind mit Gereiztheit, Unkonzentriertheit oder vermehrtem Bewegungsdrang, sind dies Anzeichen dafür, dass die Medienzeit gegebenenfalls angepasst werden sollte“, sagt Klemm. Kinder müssten Schritt für Schritt an die digitale Welt herangeführt werden: „Das ist vergleichbar damit, Kindern ein sicheres Verhalten im Straßenverkehr beizubringen.“

Um Kindern den Umgang mit digitalen Medien beizubringen, sollten Eltern sie von Anfang an bei der Nutzung begleiten und diese zeitlich und inhaltlich eingrenzen. Worauf geachtet werden sollte? Die Tipps des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte zum Fernsehen im Überblick:

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Dos & Don'ts für Eltern

Wir sind Vorbilder!

  • Eltern sollten sich bewusst machen: Wir sind Vorbilder für unser Kind – im Zweifel wird es unser Verhalten nachahmen.
  • Technische Geräte darum selbst lieber zielorientiert und nicht aus Langeweile nutzen.
  • Essen ist keine Bildschirmzeit! Nutzen Sie Bildschirmmedien, ohne zu essen.
  • Einschlafen während der Fernseher läuft? Besser nicht! Um gesund zu schlafen, ist es wichtig, bildschirmfreie Einschlafrituale und bildschirmfreie Schlafräume zu schaffen.


Fernsehen nicht als Erziehungshelfer verwenden!

  • Nutzen Sie Bildschirmmedien nicht zur Belohnung, Bestrafung oder Beruhigung


Regeln helfen!

  • Stellen Sie klare Regeln auf und begrenzen Sie die Bildschirmmediennutzungszeit vor dem Einschalten.


Bleiben Sie in der Realität!

  • Ermöglichen Sie sich und Ihren Kindern reale Erfahrung mit anderen Menschen und allen Sinnen.
  • Sprechen Sie mit Ihren Kindern über Erlebtes und hören Sie aufmerksam zu.
  • Fantasie statt Fernseher: Ermöglichen Sie Ihrem Kind, kreativ zu werden, indem Sie ihm weniger vorgeben.
  • Bildschirmmedien bei unter Dreijährigen sollte vermieden werden.
  • Sport statt Sofa! Sorgen Sie in der Freizeit für mehr Bewegungszeit als Bildschirmzeit.

Seien Sie beim Fernsehen dabei!
  • Begleiten Sie Filmerfahrungen Ihres Kindes: Unterbrechen Sie anfangs bei Rückfragen, sprechen Sie mit Kindern über Gesehenes.
  • Achten Sie darauf, ruhige, altersgerechte Fernsehsendungen ohne Gewalt auszuwählen.
  • Überlassen Sie die Fernbedienung nicht Ihren Kindern.
  • Machen Sie die Werbung zur Pause, indem Sie den Ton ausschalten.
Lese-Tipp: Bekommen Kinder einen Schaden vom vielen TV-Glotzen?

Zu viel Mediennutzung kann Kinder-Gesundheit schaden

Im Zuge der Forsa-Umfrage wurden 1.001 Eltern mit Kindern der Altersgruppe befragt. Der Untersuchung zufolge fürchtet mehr als die Hälfte (54 Prozent) der befragten Eltern negative Erfahrungen für ihre Kinder. Das können nicht-altersgerechte oder gefährliche Inhalte sein, aber auch Cyber-Mobbing. 43 Prozent der befragten Eltern sorgten sich auch wegen negativer Folgen für die Gesundheit ihres Kindes.

Und das möglicherweise nicht ganz zu Unrecht: „Übermäßige, unkontrollierte Mediennutzung und der Kontakt zu nicht-kindgerechten Inhalten können sich negativ auf die Gesundheit von Kindern auswirken“, warnt Klemm.

Expertin warnt vor Suchtproblemen: "Es sind Parallelwelten, die da entstehen"

Brunnert spricht von möglichen Störungen der sprachlichen Entwicklung sowie beim Schlafverhalten und der Konzentrationsfähigkeit - und je intensiver die Mediennutzung, desto größer die Auswirkungen. Auf Dauer drohten sogar Suchtprobleme: „Es sind Parallelwelten, die da entstehen.“ Die Folgen jedenfalls seien „immens“. Nach einer Umfrage des Deutschen Kinderschmerzzentrums von 2019 werden zudem chronische Kopfschmerzen durch Medienkonsum begünstigt.

Eltern müssten darum Dauer und Inhalte reglementieren, fordert Brunnert. „Und das muss man auch kontrollieren.“ Das sei zwar anstrengend - aber „die Power muss man als Eltern haben“. (akr, mit dpa)