Wer zu Hause arbeitet, macht Überstunden!

Studie enthüllt: Mütter im Homeoffice arbeiten am meisten

© iStock/Aleksandar Nakic, Aleksandar Nakic

5. März 2019 - 10:43 Uhr

Bringt das Homeoffice Beruf und Familie unter einen Hut?

Homeoffice sorgt für mehr Freizeit? Von wegen! Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat herausgefunden, dass Menschen im Homeoffice deutlich mehr Überstunden machen, als Arbeitnehmer, die im Büro arbeiten. Besonders hart trifft es Eltern, die neben der Arbeit auch deutlich mehr Zeit für die Kinderbetreuung aufwenden.

Überstunden für Eltern

Homeoffice klingt für viele Eltern nach der perfekten Lösung für den Alltag mit Kind. Sie können sich flexibel nach den Öffnungszeiten der Kita richten, können zwischen ein paar Mails noch die Wäsche machen und haben Zeit, das Essen vorzubereiten.

Was sich zunächst nach einer Entlastung anhört, ist für Eltern in der Realität eine echte Doppelbelastung, bei der sie sogar mehr arbeiten. Eltern im Homeoffice investieren nicht nur mehr Zeit für die Betreuung ihrer Kinder, sondern auch für den Job. Da Eltern zu Hause ihre Arbeitszeit immer wieder für die eigenen Kinder unterbrechen, sitzen sie zusammengerechnet länger an der Arbeit, als wenn sie die Zeit fest im Büro verbringen würden.

Für die Studie hat die Arbeitsforscherin Yvonne Lott die Daten von rund 30.000 Befragten ausgewertet. Die SPD will ein allgemeines Recht auf Homeoffice durchsetzen.

Mütter arbeiten besonders viel

Väter machen im Homeoffice jede Woche etwa vier Überstunden, Mütter arbeiten eine knappe Stunde länger. Ungeachtet der insgesamt längeren Arbeitszeit nutzen aber vor allem Mütter die flexiblen Arbeitszeiten, um ihre Kinder länger zu betreuen. Bei Vätern spiele das, laut Studie, kaum eine Rolle.

Homeoffice soll auch dabei helfen, Arbeitnehmern mehr Freiheiten bei der Freizeitgestaltung zu geben. Die Wissenschaftlerin Lott schreibt aber: "Einen Freizeitgewinn mit flexiblen Arbeitsarrangements gibt es weder für Mütter noch für Väter."

Homeoffice fördert alte Rollenbilder

Das Homeoffice fordert laut Studie also vor allem Mütter heraus, sich vermehrt als Familienmanager einzubringen – und das trotz Vollzeit-Job. Die Studie deutet also auch an, dass durch die flexible Arbeitszeit alte Rollenbilder gefestigt werden.

Während Väter ihre Kinder in einer Arbeitswoche etwa acht Stunden betreuen, kümmern sich Mütter ganze 21 Stunden um den Nachwuchs. Das hängt auch mit den noch immer vorherrschenden Rollenbildern zusammen, die durch die Anforderungen von Familie und Beruf für Frauen schnell zur Doppelbelastung werden.