Gezielter Wunsch nach Söhnen verändert das Geschlechter-Verhältnis

Mädchen werden immer häufiger abgetrieben - bis 2030 droht ein Jungs-Überschuss

Der Welt droht bis 2030 ein Jungen-Überschuss - wegen Abtreibungen.
Der Welt droht bis 2030 ein Jungen-Überschuss - wegen Abtreibungen.
© dpa, Arno Burgi, wie sab kde dna

04. August 2021 - 9:31 Uhr

Studie zeigt: Mädchen werden immer häufiger abgetrieben

Aufgrund von Abtreibungspraktiken und dem präferierten Wunsch nach männlichen Nachkommen in einigen Teilen der Welt, könnte es bis 2030 einen Überschuss an jungen Männern geben. Das geht aus einer am Dienstag in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" veröffentlichten Studie hervor. Demnach könnten in den kommenden zehn Jahren weltweit 4,7 Millionen Mädchen weniger zur Welt kommen.

Weiblicher Nachwuchs in einigen Teilen der Welt unerwünscht

Ein internationales Forscherteam analysierte für die Studie Daten von mehr als drei Milliarden Geburten und errechnete mögliche Szenarien. Sie untersuchten die kurz- und langfristigen Auswirkungen der pränatalen Geschlechtsselektion auf Gesellschaften.

Demnach haben in den vergangenen 40 Jahren Abtreibungen aufgrund des Geschlechts in mehreren Ländern Südosteuropas sowie Süd- und Ostasiens zugenommen. Grund dafür sei eine kulturell geprägte Präferenz für männlichen Nachwuchs.

Sollten die Abtreibungen von weiblichen Föten weiter steigen, wie Statistiken es nahelegen, wäre laut einer Berechnung der Experten mit einem Minus von etwa 4,7 Millionen weiblichen Geburten bis 2030 zu rechnen. Das könnte bei etwa einem Drittel der Weltbevölkerung zu einem Überschuss an jungen Männern führen.

Experten: Durch den Trend könnte die Gewaltbereitschaft zunehmen

Die Experten warnen, dass dieser Trend den sozialen Zusammenhalt innerhalb einer Gesellschaft untergraben könnte. Dort könnten dann antisoziales Verhalten und Gewaltbereitschaft zunehmen. Die Vorliebe für männliche Nachkommen könnte zudem einen "Heiratsdruck" auslösen.

Die Autoren der Studie forderten eine bessere Erhebung der Daten über Praktiken zur Geschlechtsselektion sowie breite Informationskampagnen. "Ein langfristiges Ziel ist die Einflussnahme auf Geschlechternormen, die der Kern von schädlichen Praktiken wie der pränatalen Geschlechtsselektion sind", erklärten sie. Dies erfordere einen rechtlichen Rahmen, der eine Gleichstellung der Geschlechter gewährleiste.

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