Für junge Erwachsene geht es um mehr als nur um ausfallende Partys

Studentin beklagt: Die Politik übersieht eine ganze Generation

Online-Journalistin Greta Linde spricht über die vergessene Generation in der Corona-Pandemie: Die jungen Erwachsenen
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11. Februar 2021 - 14:51 Uhr

Stark betroffen, aber nicht beachtet

Greta Linde ist Studentin und Online-Journalistin bei der "Zeit". Mit Anfang 20 gehört sie zu der Generation, über die in der Corona-Pandemie kaum gesprochen wird. Höchstens, wenn es um ausfallende oder verbotenenerweise stattfindende Partys und andere Regelbrüche geht. Dass aber nicht nur Regeln gebrochen werden, sondern die Generation der jungen Erwachsenen viel mehr selbst zu zerbrechen droht, darum geht es selten bis gar nicht. Gretas Generation findet im öffentlichen Diskurs rund um die Corona-Pandemie so gut wie nie statt. Dabei seien junge Menschen mindestens genauso einsam, wie alle anderen. Dass das nicht gesehen wird, kritisiert die junge Frau jetzt und stellt Forderungen an die Politik.

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Auch junge Erwachsene sind einsam

Einsamkeit ist uncool. Das ist klar. "Niemand sagt gerne, ich bin einsam", erklärt Greta Linde im Gespräch mit RTL. Aber ihrer Generation gehe es eben nicht anders als allen anderen Altersgruppen. "Der Unterschied ist, dass junge Menschen von 18 bis 30 ungefähr noch stärker als andere Altersgruppen auf Freundinnen und Freunden angewiesen sind. Weil wir eben nicht mit einer Familie im Reihenhaus sitzen, die meisten wohnen nicht mehr bei ihren Eltern." Seit einem Jahr sitzen sie genauso wie alle anderen im Homeoffice oder in Online-Seminaren der Uni. Ganz davon zu schweigen, dass die Ausbildungsqualität durch die Situation auch häufig sehr stark leidet.

Folgenlos bleibt das auch bei jungen Erwachsenen, von denen viele vielleicht denken mögen, sie können das alles besser wegstecken als Kinder und alte Menschen, nicht. "Ich kenne sehr viele in meinem Bekanntenkreis, die sich inzwischen psychologische Hilfe suchen, weil sie sagen 'ich kann nicht mehr. Ich schaffe das alleine einfach nicht mehr'", sagt Greta.

"Wir werden nicht gesehen"

Die junge Journalistin möchte ihre Altersgruppe nicht über andere stellen. Es sei wichtig über Schulkinder und Pflegekräfte zu sprechen, "aber ich würde mir wünschen, dass die Bundesregierung auch uns junge Menschen wahrnimmt und da einen Schritt auf uns zu geht." Denn das ist es, was Greta Linde beklagt. Nicht etwa, "dass wir uns nicht treffen können", sie wolle schließlich auch keine sofortigen Lockerungen mit denen wir in eine dritte Welle steuern würden: "Was ich mehr beklage ist, dass wir nicht gesehen werden."

Denn wenn die Politik die Probleme der jungen Menschen totschweige "oder sie immer nur als 'man kann ja mal ein Jahr auf Party verzichten' abgetan werden", mache es das noch viel schwieriger, über Einsamkeit zu sprechen und die Bereitschaft, sich an die Regeln zu halten, sinke dann natürlich auch.

Mehr als Krawallmacher

Dass sich junge Menschen weniger an die Corona-Maßnahmen halten als andere, kann man ohnehin nicht sagen. "Wir sind auch vorsichtig und wir sind auch vorsichtiger als das im öffentlichen Diskurs wahrgenommen wird. Wir sind nämlich nicht nur Krawallmacher oder Leute, die einfach nur feiern wollen und nicht können. Wir sitzen wie alle anderen zuhause, wir sind genauso die ganzen Zoom Meetings satt und sehnen uns danach, dass es normaler wird."

Es braucht eine Perspektive

Normalität. Alle Generationen sehnen sich danach. Alle haben diese Hoffnung. Dazu gehören auch die Menschen zwischen 18 und 30, wie Greta Linde. "Ich glaube zur Hoffnung würde einfach schon beitragen, dass die Bundesregierung sagt: 'Wir sehen euch, wir nehmen eure Probleme wahr, wir sind euch sehr dankbar'." Eine weitere helfende Zutat sei es, eine Perspektive zu bieten. "Wenn uns gesagt wird, wenn die Zahlen so niedrig sind, wie das jetzt so langsam mit dieser 35 passiert, dann können wir lockern."

Greta glaubt, ohne diese Perspektivlosigkeit und wenn man auf ihre Generation zugehen und mit ihr sprechen würde, dann würde es auch leichter fallen, das alles durchzuhalten.

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