In einem bayrischen Örtchen ist ein Streit entbrannt

Nassenfels streitet: Ein neuer Sportplatz im Moor?

Das Schuttermoor umgibt in Nassenfels auch die Burgruine.
Das Schuttermoor umgibt in Nassenfels auch die Burgruine.
© picture alliance / imageBROKER

15. September 2021 - 13:13 Uhr

Verein will Sportplatz mit allen Mitteln verhindern

von Maximilian Storr

Im bayrischen Nassenfels geht ein Riss durch die Gemeinde. Die 2.200-Seelen-Örtchen liegt im Schuttertal, einem bedeutsamem und in großen Teilen kompakten Moor. Und genau um dieses Moor ist in Nassenfells ein handfester Streit entbrannt. Die Stadt und der örtliche Fußballverein wollen dort nämlich einen Fußballplatz mit Vereinsheim errichten. Das will ein anderer Verein mit allen Mitteln verhindern.

Bürgermeister verteidigt Pläne

Der Nassenfelser Bürgermeister Thomas Hollinger verteidigt die Pläne, dass dem Feuchtgebiet eine neue Sportanlage weichen soll, wie er der "Süddeutschen Zeitung" erzählt. Sie seien genau abgewogen worden. Die alten Sportplätze lägen nämlich im Wasserschutzgebiet, man müsse sie verlegen. Sonst habe der Sportverein, der FC Nassenfels, keine Zukunft.

Die Anlage müsse gut erreichbar sein. Der Standort nahe der Schutter sei auch deshalb gut, weil er ebenerdig sei und weder groß abgegraben, noch aufgeschüttet werden müsse. Außerdem sei der Moorboden dort "nicht unser wertvollstes Moos" - man werde dafür aber mitten im Kerngebiet des Schuttermooses eine mehr als doppelt so große Ausgleichsfläche schaffen. Aus der Sicht des Bürgermeisters steht die Mehrheit der Nassenfelser hinter dem Projekt. Das sieht Prof. Kerstin Merkel offensichtlich völlig anders.

"Pro Schuttermoor" stemmt sich gegen Projekt

Sie hat den Verein "Pro Schuttermoor" gegründet, 16 Mitglieder fanden sich zur Gründung zusammen. Der Verein will den Bau des Sportplatzes mit allen Mitteln verhindern und führt auf seiner Webseite zahlreiche Argumente auf. Sie verweisen unter anderem darauf, dass sich durch das Baugrundgutachten herausgestellt hätte, dass das Gebiet gänzlich ungeeignet für den Bau eines Sportplatzes ist. Unter anderem stünde dort, dass die Böden als "weich und breiig" zu bezeichnen seien. Der wichtigste Aspekt aber sicherlich: Die Bedeutung des Moors im Kampf gegen den Klimawandel!

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Moore spielen bei Klimaschutz wichtige Rolle

Moore speichern mehr Co2 als jedes andere Ökosystem der Welt. Heißt: Sie sind zum Beispiel beim Kampf gegen den Klimawandel wesentlich effektiver als Wälder. "Wenn wir Menschen die Moore weiter entwässern und zerstören, gelangen dabei gigantische Mengen von Treibhausgasen wie CO2 in die Atmosphäre", schreibt der Verein "Pro Schuttermoor" auf seiner Webseite.

Für Kerstin Merkel sei die Situation in Nassenfells ein Leerstück für kommunalpolitisches Versagen, sagte sie der "Süddeutschen": "Hier in der Region war das Moor immer ungeliebt und wertlos, seit Jahrhunderten legt man es trocken", sagt sie. "Seine Schönheit, seine Unberührtheit und seine Bedeutung für den Klimaschutz zählen nicht." Besonders enttäuscht sei sie darüber, dass sich höherrangige CSU-Politiker aus dem Streit heraushielten. Gleichwohl will Merkel nicht aufgeben. Im Landtag liegen mehrere Petitionen aus dem Umfeld ihres Vereins "Pro Schuttermoos" vor. Außerdem ist ein Bürgerbegehren vorbereitet.

Söder hat ambitionierte Pläne

Die Zurückhaltung der Politiker überrascht vor allem, wenn man die ambitionierten Klimaplänen von Ministerpräsident Markus Söder wirklich in die Tat umsetzen will. Der hatte nämlich eine großzügige Sanierung und Wiedervernässung von 55.000 Hektar Moorfläche angekündigt, um die Klimaschutzziele Bayern voranzutreiben.

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