'Stiftung Warentest' nimmt Vermittlungsagenturen für Pflegekräfte unter die Lupe

27. April 2017 - 11:23 Uhr

Die Ergebnisse

Wird eine Person pflegebedürftig, will aber weiterhin in seinem gewohnten Umfeld leben und betreut werden, suchen viele Familien nach einer Betreuungskraft für daheim. Für solche Fälle gibt es Vermittlungsagenturen, die osteuropäische Pflegekräfte an die pflegebedürfige Person und deren Familie vermittelt. 'Stiftung Warentest' hat 13 bundesweit tätige Vermittlungsagenturen für osteuropäische Beteuungskräfte unter die Lupe genommen. Das sind die Ergebnisse.

Das Thema ist komplex, denn wer sich solch eine Vermittlungsagentur sucht und dort einen Vertrag abschließt, geht auch immer einen Vertrag mit der Pflegefirma in dem Land ein, aus der die Betreuungskraft kommt. Es gibt also zwei Verträge. 'Stiftung Warentest' hat bei 13 bundesweit tätigen Agenturen untersucht, wie die Vermittlung abläuft, welche Leistungen inbegriffen sind, wie gut Kunden informiert werden und welche rechtlichen Konsequenzen aus den Verträgen hervor gehen.

Im Großen und Ganzen lässt sich zusammenfassen: Neun der 13 geprüften Agenturen sind hilfreich bei der Vermittlung, die anderen nur bedingt bis wenig. Keiner der Anbieter informiert seine Kunden wirklich so gut, dass alle Fragen geklärt sind. Vor allem der rechtliche und finanzielle Aspekt ist nicht immer transparent genug. Beispielsweise wird nicht klar, wie die Betreuungskräfte bezahlt werden. Minderstlohn ja, aber welcher? Der deutsche oder der Mindestlohn des Herkunftslandes? In Polen liegt der bei drei Euro je Stunde, in Deutschland bei 8,84 Euro. Auch rechtlich ist nicht immer nachvollziehbar, wer im Falle eines Fehlers haftet - oder ob die Betreuungskraft wirklich qualifiziert für die Pflegebedürfnisse ist. Wer sich für solch eine Pflegeform entscheidet, sollte daher ganz genau prüfen und nachfragen, was in diesem Fall passiert.

Spitzenreiter des Tests ist die Firma 'Pflege zu Hause', weil sie in der Vermittlung und bei den Leistungen rund um die Vermittlung mit der Bestnote abschneidet. Mängel gibt es bei der Kundeninformation - dort kann aber keine der Firmen wirklich punkten.

Danach folgt 'Hausengel', die als einzige Agentur selbstständige Pflegekräfte vermittelt. Ebenfalls im oberen Bereich ist die Firma 'Brinkmann Pflegevermittlung'. Sie punktet vor allem dadurch, dass die Bedürfnisse an die Pflege immer wieder angepasst werden. Jedoch hapert es daran, dass nach der Vermittliung nicht konsequent Asprüche umgesetzt werden. Ebenfalls gut abgeschnitten hat die Firma 'Die Persepektive'. Hier hängen die Kosten vom Pflegegrad ab. Bemängelt wird, dass es wenig Qualitätsvereinbarungen mit den Kooperationspartnern im Ausland gibt.​

Auf dem vorletzten Platz: 'Diedema Pflegevermittlung'. 'Stiftung Warentest' bemängelte hier, dass unzureichend geklärt wird, ob Hilfen jenseits der Betreuungskraft nötig sind. Es gibt keinen regulären Kundenkontakt nach der Vermittlung, nur eine Notfall-Handynummer. Außerdem seien die Qualitätsvereinbarungen mit den ausländischen Partnern nicht ausreichend belegt.

Schlusslicht ist die Firma 'Second Life Care Deutschland'. Bemägelt wurde bei dieser Firma, dass nicht ausreichend Belege für die Qualität der Pflege vorliegen. Auch der Bedarffragebogen, der an den Pflegebedürftigen und seine Familie versendet wird, ist dürftig und erfasst nicht alle Bedürfnisse umfassend.

Das gesamte Testergebnis finden Sie in der Ausgabe '5/2017' oder online.