Ein Viertel aller Mittel ist nicht zu empfehlen

Stiftung Warentest: Diese rezeptfreien Medikamente sind keine gute Wahl

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24. Juni 2019 - 19:36 Uhr

Sind Wick MediNait, Aspirin Complex oder Thomapyrin empfehlenswert?

Viele Medikamente, die uns bei alltäglichen Problemen wie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden oder einem Schnupfen helfen sollen, können wir schnell und rezeptfrei in der Apotheke besorgen. Doch nicht alles, was es dort zu kaufen gibt, wird auch vom Experten empfohlen. "Nur weil ein Arzneimittel in Deutschland zugelassen ist, muss es nicht empfehlenswert sein", verrät Pharmazeut Prof. Dr. Gerd Glaeske in einem neuen Beitrag von Stiftung Warentest. Er und andere unabhängige Experten aus der Medizin, Pharmazie und Pharmakologie nahmen rezeptfreie Medikamente für das Magazin genauer unter die Lupe. Dabei kam heraus: Ein Viertel der Arzneimittel ist keine gute Wahl!

Die Mittel kennen wir alle

Besonders erschreckend: Eine lange Liste der nicht zu empfehlenden Produkte haben viele Menschen mit Sicherheit in ihrer Hausapotheke. Das Problem bei den Studien der Hersteller ist oft, dass die Tests auf Wirksamkeit viel zu kurz laufen. "Nebenwirkungen, die häufig erst nach längerer Einnahme entstehen, lassen sich so nicht erkennen", so Glaeske.

Diese bekannten Mittel sind nicht zu empfehlen

500 von 2000 der untersuchten Arzneimittel wurden mit "wenig geeignet" beurteilt. Entweder ist die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend belegt oder sie ist, verglichen mit den Nebenwirkungen, zu gering.

Hier einige bekannte Medikamente, die beim Test schlecht abschnitten:

Neuralgin und Thomapyrin Classic (Acetylsalicylsäure + Paracetamol + Coffein)

Wie Stiftung Warentest schreibt, hat die Kombination aus ASS und Paracetamol keinen Vorteil, sondern erhöht eher das Risiko der verschiedenen Nebenwirkungen der beiden Schmerz­wirk­stoffe. Das enhaltene Koffein kann zur Gewöhnung und einem erhöhtem Verbrauch führen.

Alternative: Es wird empfohlen, Schmerz­mittel nicht in Kombination zu nehmen, sondern lieber Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol einzeln. 

Aspirin Complex Granulat (Acetylsalicylsäure + Pseudoephedrin)

Auch dieses Mittel ist erneut eine Kombi aus Schmerz­mittel und einem Mittel, das anregend wirkt und die Nasen­schleimhaut abschwellen lassen soll.

Alternative: Bei einer Erkältung mit Fieber und Schmerzen hilft Acetylsalicylsäure allein. Bei Schnupfen ist der kurze Gebrauch von abschwellenden Nasen­sprays- oder -tropfen hilfreicher.

Grippostad C Kapseln (Paracetamol + Chlorphenamin + Coffein + Vitamin C)

Es handelt sich um eine Kombination aus Schmerz­mittel und einem müde machenden Anti­histaminikum, das die Nasen­schleimhaut abschwellen lassen soll.

Alternative: Wie beim Erkältungsmedikament davor ist es hilfreicher, Paracetamol alleine einzunehmen und bei Schwellungen der Nasenschleimhaut für kurze Zeit eher zu Nasensprays - oder tropfen zu greifen.

Im Video: Wie gut sind eigentlich Medikamente aus der Drogerie?

Sie kaufen Ihre rezeptfreien Medikamente nicht (nur) in der Apotheke, sondern auch im Drogeriemarkt? Wir haben die frei verkäuflichen Arzneimittel aus Dm, Rossmann und Co. getestet.

Kombinationspräparate sind oft unnötig und zu teuer

Weitere rezeptfreie Medikamente, die von den Experten als "wenig geeignet" kategorisiert wurden, finden Sie auf der Webseite von Stiftung Warentest.

Es sind wie immer die Kombinationspräparate, die das Magazin nicht empfiehlt. Diese seien unnötig und vor allem viel zu teuer. Die Arzneimittel einzeln bei bestimmten Beschwerden zu nehmen, ist den Experten zufolge ratsamer.

Hausmittel gegen Schnupfen

Unsere Kollegin macht den Test und hat günstige Hausmittel gegen Schnupfen ausprobiert. Wie lustig das aussehen kann, verraten wir im Video.

Neue Datenbank bei Stiftung Warentest

Das Magazin hat seine Datenbank neu gestaltet und eine große Liste von Alternativmitteln zu wenig geeigneten Mitteln erstellt. Dort sind die Bewertungen der unabhängigen Experten zu rund 9000 Medikamenten, Informationen zu den jeweiligen Wirkstoffen und ausführliche Informationen zu 132 Krankheiten aufgelistet. Online-Abonnenten von test.de bekommen die Informationen kostenlos.