Vibrator anstatt Voltaren

Hamburger Kiez-Apotheke wird zum Sex-Museum

Anna Genger in ihrer L'apotheque
© Sybill Schneider

13. August 2020 - 13:57 Uhr

221 Jahre Tradition - Jetzt kommt der etwas andere Regal-Inhalt

Manche erben etwas Schmuck, manche erben etwas Geld und Künstlerin Anna Genger erbt eine Apotheke aus dem Jahr 1799 – mitten im Hamburger Szene-Viertel Sankt Pauli. Lange führte ihre Mutter Regis die Apotheke, die zwischen Sexshops, Kneipen und Clubs liegt. Doch dann wurde die 85-Jährige krank und musste ihr Geschäft in der Clemens-Schultz-Straße aufgeben. Die neue Besitzerin, Tochter Anna, will den Charme der alten Pharmazie aber erhalten: Die 221 Jahre alten Holzmöbel bleiben, doch aus dem Regal weichen Pillen, Salben und Co. antiken Vibratoren und Dildos. Aus der Apotheke wird ein Sex-Museum.

Massagegerät aus den 1970er-Jahren
Sieht eher aus wie ein Handstaubsauger - hat damals als Massagegerät aber offenbar viel Freude bereitet...
© Anna Genger

"L'apotheque": Historisches Sexspielzeug trifft auf Kunst

Anna Genger und ihre Mutter Regis
Anna Genger als Kind mit ihrer Mama Regis: So sah das Sex-Museum früher aus
© Anna Genger

Anna Genger ist durch ihre Mutter sehr weltoffen erzogen worden. Sex war keinesfalls ein Tabuthema. Die 42-jährige glaubt, dass es auch 2020 noch Aufklärungsbedarf gibt, und will mit ihrem Privatmuseum ihren Teil dazu beitragen. "Ich bin eine freischaffende Künstlerin mit dem Vorhaben, einen kuratierten Online-Sexshop zu gründen, der sich auf die Bedürfnisse älterer Menschen und Menschen mit körperlichen Einschränkungen spezialisiert. Die Zusammenführung beider Passionen findet in 'L'apotheque' statt."

"L'apotheque", der Name ihres Museums, erinnert an die alten Zeiten, ist aber etwas vollkommen anderes. Im ehemaligen Labor richtet Anna Genger sich ein Atelier ein, und in den Regalen findet man neben einem 60 Jahre alten DDR-Vibrator auch antike Massagegeräte. Zuvor hatte die "Bild" darüber berichtet.

Denkmalschutz trifft auf Erotik

"Das Ladenlokal steht komplett unter Denkmalschutz", erzählt uns Anna Genger. Erotik passt dennoch in das alte Gebäude, schließlich gehört die Sexualität schon seit Jahrzehnten zum Hamburger Viertel Sankt Pauli. "Wir werden sowohl Anziehungspunkt für das kulturell interessierte Publikum als auch für die Nachbarschaft und die Besucher St. Paulis sein", hofft die 42-Jährige. Noch steht die genaue Eröffnung des Sex-Museums wegen Corona nicht genau fest. Doch der geplante Online-Sexshop soll im Spätsommer 2020 gelauncht werden.