Anwältin klärt über Rechte und Pflichten auf

Spracheinkäufe mit Alexa: Müssen Eltern zahlen, wenn Kinder Produkte bestellen?

Was passiert, wenn Kinder Bestellungen über Amazons Alexa aufgeben?
© iStockphoto, Yuri_Arcurs/Michael Wapp

08. Dezember 2020 - 11:27 Uhr

Spracheinkäufe mit Alexa sind kinderleicht - und genau da liegt das Problem

Mit wenigen, einfachen Sprachbefehlen kann man über die Alexa von Amazon Einkäufe tätigen oder Abos bestellen. Mit dem Befehl "Bestelle [Artikel]" fügt Alexa Produkte Ihrem Einkaufswagen hinzu. Nun fehlt nur noch der Sprachbefehl "Mit [Artikel] zur Kasse gehen" – und schon ist der Einkauf getätigt. Kinderleicht, oder? Genau! Und da liegt auch das Problem. Denn mittlerweile sind schon die Kleinsten echte Medienprofis. Da ist so eine unfreiwillige Bestellung schnell passiert. Doch ist das in Deutschland überhaupt rechtens, wenn Kinder Ware im Internet bestellen? Müssen Eltern für die Kosten der bestellten Ware aufkommen? Wir haben die Anwältin Nicole Mutschke gefragt.

Teure Überraschung! Sechsjährige bestellt Puppenhaus und Kekse

Es ist fast wie bei einem Zauberspruch aus einem Kinderbuch: Man spricht seinen sehnlichsten Wunsch laut aus – und kurze Zeit später steht er plötzlich vor der Tür. So geschehen auch bei Familie Neitzel aus den USA: Brook, die sechsjährige Tochter der Familie, hatte den Alexa-Sprachassistenten nach einem Puppenhaus und Keksen gefragt. Die Maschine kam der Bitte der Tochter natürlich sofort nach - und wenig später standen Kekse und Puppenhaus vor der Haustür der Familie. Samt Rechnung, versteht sich!

Doch müssen Eltern eine solche Rechnung überhaupt bezahlen, wenn Kinder ohne ihr Wissen Produkte über Amazon und Co. bestellen? Schließlich sind Kinder noch gar nicht geschäftsfähig – ist der Kaufvertrag dadurch alleine nicht schon unwirksam?

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Anwältin klärt auf: Müssen Eltern dafür aufkommen, wenn Kinder im Netz Produkte bestellen?

Grundsätzlich sei die Rechtsprechung in solchen Fällen sehr familienfreundlich, sagt Rechtsanwältin Nicole Mutschke, und der Schutz des Minderjährigen stehe dabei im Vordergrund. Allein der Umstand, dass Kinder über Alexa Produkte bestellen können, heiße noch lange nicht, dass der Kauf dann auch rechtsverbindlich ist. "Kinder, die das siebte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, sind geschäftsunfähig und können keine wirksamen Verträge abschließen", so die Expertin. Kinder von sieben bis 17 Jahren können zwar schon Verträge schließen, dann allerdings grundsätzlich nur mit Einwilligung ihrer Eltern oder des Sorgeberechtigten. Solange diese Einwilligung fehlt, sei der Vertrag grundsätzlich auch unwirksam.

Könnte Eltern also nun also aufatmen? "Ganz so eindeutig ist dies leider nicht", warnt die Anwältin. "In den Allgemeinen Nutzungsbedingungen von Alexa und Amazon heißt es, dass der Inhaber eines Amazonkontos, also die Eltern, sich damit einverstanden erklären, für alle Aktivitäten verantwortlich zu sein, die über ihr Konto vorgenommen werden." Unter anderem werde darauf hingewiesen, dass man sicherstellen sollte, dass keine unautorisierte Nutzung des Accounts erfolgt.

Dabei stelle sich allerdings die Frage, ob solche Klauseln überhaupt wirksam sind, gibt die Expertin zu bedenken. "In einer ähnlichen Konstellation im Zusammenhang mit der Internetauktionsplattform Ebay verurteilte ein Gericht den Vater zur Bezahlung eines Mobiltelefons, das sein minderjähriger Sohn ohne Einwilligung ersteigert hatte. Viele andere Gerichte verneinen aber eher die Einstandspflicht von Eltern." Grundsätzlich müsse nämlich der Verkäufer beweisen, dass ein wirksamer Kaufvertrag zustande gekommen ist, sagt Nicole Mutschke. Und beim Spracheinkauf über Alexa dürfe schon alleine die kindliche Stimme gegen einen wirksamen Vertrag sprechen. Am Ende hänge das Gerichtsurteil immer vom konkreten Fall ab, so die Anwältin.

3 Tipps von der Anwältin: Darauf sollten Eltern achten!

Rechtsanwältin Nicole Mutschke gibt Eltern drei wichtige Tipps mit auf den Weg, um zu verhindern, man gegebenenfalls doch für eine Bestellung seines Kindes aufkommen muss:

#1 Bestellung widerrufen: "Wenn Sie merken, etwa durch eine Bestellbestätigung, dass Ihr Kind ohne Ihr Wissen und Wollen etwas bestellt hat, sollte man die Bestellung umgehend widerrufen."

#2 Das Gespräch mit Amazon suchen: "Leider ist eine Widerruf nicht bei allen Produkten möglich", gibt Nicole Mutschke zu bedenken. "Suchen Sie dann das Gespräch und zahlen Sie nicht kommentarlos den Kauf. Sie haben gute Argumente, die gegen eine Zahlungspflicht sprechen!"

#3 Sicherheitseinstellungen der Alexa aktivieren: "Um Ärger direkt zu vermeiden, ist es ratsam, die in der Alexa-App möglichen Sicherheitseinstellungen zu nutzen, um zu verhindern, dass die Kids Bestellungen über Alexa überhaupt vornehmen können", rät die Anwältin.

Dafür bieten sich die folgenden Sicherheitseinstellungen an:

Treffen Sie diese Sicherheitsvorkehrungen in der Alexa-App

Schalten Sie den Alexa-Spracheinkauf aus

Die Spracheinkauf-Funktion können Sie in der Alexa-App über folgenden Pfad deaktivieren:

Mehr – Einstellungen – Kontoeinstellungen – Spracheinkauf.

Schalten Sie nun den Spracheinkauf aus.

Einkäufe nur über Stimmerkennung

Sie können Einkäufe auch so beschränken, dass nur Haushaltsmitglieder, deren Stimmen registriert sind, Bestellungen mit Alexa aufgeben können.

Sprachcode festlegen

Zusätzlich können Sie einen 4-stelligen Sprachcode festlegen, mit dem Käufe erst noch einmal bestätigt werden müssen. Diese Einstellung finden Sie in der Alexa App über folgenden Pfad:

Mehr - Einstellungen - Kontoeinstellungen - Spracheinkauf - Kaufbestätigung - Verwalten.

Schalten Sie nun den Sprachcode ein und legen Sie den 4-stelligen Sprachcode fest.

LESE-TIPP: Die 47 lustigsten Befehle und Fragen für Alexa - Spaß mit Amazon Echo!

VIDEO: Sprachassistent 'Alexa' einrichten: So geht's Schritt für Schritt