Was Eltern jetzt wissen müssen

Spielsucht-Gefahr: Warum die Spiele-App „Coin Master“ zwar legal, aber für Kinder höchst problematisch ist

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24. Oktober 2019 - 14:14 Uhr

Altersempfehlung für Coin Master hochgestuft

Über dieses Spiel spricht im Moment ganz Deutschland! Die Spiele-App Coin Master ist ein Riesen-Renner in den App-Stores - und sehr viele Spieler sind Kinder. Doch schon seit längerem steht sie auch massiv in der Kritik.

Der Vorwurf: Sie komme harmlos und kindgerecht daher, könne aber spielsüchtig machen, so Kritiker. Die Entwicklerfirma "Moon Active" weist die Vorwürfe zurück. Nachdem Satiriker Jan Böhmermann zu Beschwerden aufgerufen hatte, wurde die Altersempfehlung schon auf 16 Jahre hochgestuft. Jetzt ist auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien aktiv geworden. Sogar ein Verbot des Spiels steht zur Debatte. Wie gefährlich ist das Spiel wirklich - und was müssen Eltern jetzt wissen?

In-App-Käufe sind nicht ungewöhnlich

Jeder, der das Handyspiel-Spiel anfängt, kommt schon nach fünf Minuten an den Punkt, wo Coin Master ohne In-App-Zahlungen gar keinen Spaß mehr macht. Das ist grundsätzlich nicht ungewöhnlich in der Welt der Spiele-Apps, denn Spiele-Entwickler und Firmen wollen ja Geld mit ihren Produkten verdienen. Und Eltern haben durch separate Passwörter oder allgemeine Einstellungen ja die Möglichkeit, Zahlungen zu unterbinden. Viele Eltern lassen ihre Kinder trotzdem Handy-Spiele mit In-App-Zahlungen benutzen, denn "die anderen Kinder in der Schule dürfen das ja auch" - Eltern kennen das Problem.

Aber die Zahlungen bei Coin Master weisen einen großen Unterschied im Vergleich zu anderen Spiele-Apps auf: Neue Tools und Features werden nicht wie zum Beispiel bei Mario Kart direkt freigeschaltet, stattdessen entscheidet bei Coin Master ein einarmiger Bandit per Zufall  darüber, ob sich der Kauf wirklich gelohnt hat. Spielsuchtgefahr!

Expertin: „Coin Master ist ein Wolf im Schafspelz“

Und weil der Ausgang des Spiels dann eben nur Glückssache ist, ähnelt das einem typischen Glücksspiel - und Glücksspiel ist in Deutschland für Kinder und Jugendliche verboten. Bei Coin Master handelt es sich aber nicht um echtes Glückspiel, sondern um ein simuliertes Glücksspiel. Eine juristische Unterscheidung und ein Schlupfloch, das die Entwickler ausnutzen. Denn das ist noch erlaubt.

Medienpädagogin Iren Schulz hält das für gefährlich: "Im Prinzip ist dieses Spiel ein Wolf im Schafspelz. Es kommt sehr kindlich daher, ist aber in Sachen Vermarktung und wirtschaftlicher Ausrichtung ein echter Wolf. Bisher stand in Deutschland immer nur Pornografie und Gewalt im Fokus der Prüfstellen, bei den Vermarktungsthemen hängt Deutschland hinterher", sagt Schulz. "In Belgien ist Coin Master zum Beispiel verboten."

Das sollten Eltern wissen!

Was können Eltern tun, wenn sie merken, dass ihr Kind Coin Master spielt? "Neben den technischen Sperrmöglichkeiten ist es auch wichtig, das Problem mit den Kindern zu besprechen. Man muss ihnen erklären, dass das Spiel eben so ausgelegt worden ist, dass man unbedingt Geld ausgeben will, um weiter zu kommen", erklärt die Expertin gegenüber RTL.de.

Und wie erkenne ich, ob mein Kind eventuell schon spielsüchtig geworden ist? "Eine Sucht liegt ja immer dann vor, wenn man die Kontrolle verloren hat. Wenn mein Kind es also nach einem Jahr nicht mehr schafft, das Spiel nach einer halben Stunde von selbst zu beenden, es von morgens bis abends ständig spielen will und sich Belohnung und ein gutes Gefühl über das Spiel holt, dann gilt Alarmstufe Rot! Eltern sollten aber schon viel früher eingreifen", so Schulz.