Sprecher der Caritas ruft zur Mithilfe auf

Sommerhitze in Deutschland: So können Sie Obdachlosen jetzt helfen

Kaufen Sie beim nächsten Einkauf doch einfach ein paar Flaschen Wasser extra und geben sie diese an Obdachlose!
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06. August 2020 - 15:29 Uhr

Sonne und hohen Temperaturen schutzlos ausgeliefert

Im Winter, wenn es draußen bitterkalt ist, fragen sich viele Menschen, wie sie Obdachlosen helfen können. Es werden Schals, Mützen und Decken gesammelt, Suppen verteilt und es gibt Kältebusse. Das ist gut und sollte natürlich auch so sein. Doch auch im Sommer ist Hilfe wichtig, denn viele Obdachlose sind Sonne und Hitze schutzlos ausgeliefert. Sie können sich nicht einfach in die eigene Wohnung zurückziehen, wenn es zu heiß wird. Wir zeigen, was Sie jetzt für Obdachlose tun können.

Wasser und Sonnencreme werden besonders benötigt

"Nicht wegsehen, sondern die betreffende Person ansprechen und fragen, ob er oder sie Wasser braucht", rät Professor Dr. Mark Oette vom Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln. Als Arzt und Vorsitzender der "Gesundheit für Wohnungslose e.V." hat er lange Zeit Menschen auf der Straße medizinisch betreut. Viele Wohnungslose seien dankbar dafür, wenn ihnen geholfen würde, so Oette. "Sie leiden unter der Hitze, oft gibt es Kreislaufprobleme", sagt der Mediziner. Ein weiteres typisches Problem sei der Flüssigkeitsverlust, denn Menschen auf der Straße "können nicht wie Menschen mit festem Wohnsitz zum Kühlschrank gehen und sich Wasser holen", so Oette. Ohne Kühlschrank werden auch Lebensmittel schneller schlecht. 

Obdachlosen sollten von der Politik mehr Unterkünfte angeboten werden, in denen geduscht werden kann, so Julien Thiele, Straßensozialarbeiter beim Caritas-Projekt "Straßenvisite" gegenüber der Zeitschrift Neon. Aber auch wir Normalbürger können im Alltag etwas tun, um Obdachlosen zu helfen.

Soforthilfe-Tipps, die wir alle direkt umsetzen können

  • Flaschen mit Wasser an Obdachlose verteilen (zum Trinken oder auch zum Waschen)
  • Auch Sonnencreme-Spenden helfen Menschen ohne Wohnung, denn im Handel sind die Sunblocker mit knapp 10 Euro vergleichsweise teuer
  • Haben Sie noch eine alte Babybadewanne zuhause, die Sie nicht mehr benötigen? Obdachlose können mit Hilfe der Wanne immerhin eine Katzenwäsche durchführen 

Regelmäßig duschen? Für Obdachlose ist das schwierig

Trotz der großen Hitze tragen einige Wohnungslose Pullover oder sogar dicke Jacken. Einerseits, weil der Stoff vor der UV-Strahlung schützt, wie der ehemalige Obdachlose Dominik Bloh der "Süddeutschen Zeitung" sagte. Andererseits, damit die Klamotten ihnen nicht gestohlen werden. Im Sommer bringen die langen Ärmel und Hosen allerdings Probleme mit sich: Unter der Kleidung schwitzen die Wohnungslosen oft stark, Bakterien vermehren sich bei Hitze schneller und Wunden verheilen schlechter oder entzünden sich sogar. Natürlich auch, weil es kaum Möglichkeiten zum Duschen oder Waschen gibt.

Außerdem spielt Alkohol eine große Rolle. Da einige Menschen auf der Straße sehr viel davon tränken, empfänden sie die Temperaturen zudem als weniger intensiv, sagt Professor Oette. Eine gefährliche Kombination.