Brennendes Problem

Sodbrennen bei Schwangeren: Arzt erklärt, was wirklich hilft

Sodbrennen ist ein häufiges Problem bei Schwangeren
Sodbrennen ist ein häufiges Problem bei Schwangeren
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26. Januar 2021 - 16:56 Uhr

Viele schwangere Frauen haben mit Sodbrennen zu kämpfen

Vor allem im letzten Drittel der Schwangerschaft ist Sodbrennen ein belastendes Problem: Bis zu 80 Prozent der schwangeren Frauen leiden daran. Schaden tut das Sodbrennen Mutter und Kind zwar nicht, aber es kann sehr unangenehm und lästig sein.

von Isabel Michael

Wie kommt es zu Sodbrennen in der Schwangerschaft und was kann man dagegen tun?

Beim Sodbrennen fließt der Magensaft zurück in die Speiseröhre und sorgt für zahlreiche Beschwerden. Das beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen oft erheblich. Besonders in der Schwangerschaft tritt Sodbrennen vermehrt auf. Das liegt vor allem daran, dass der Schließmuskel am Magen durch die veränderte Hormonsituation gelockert wird. Weiterhin entleert sich der Magen generell langsamer in der Schwangerschaft. Zudem drückt die wachsende Gebärmutter von unten auf die inneren Organe, darunter auch auf den Magen. So kann die Säure leichter aufsteigen. Kommt dazu auch noch eine ungünstige Ernährung, kann das Sodbrennen verstärkt auftreten.

Welche Symptome bei Sodbrennen sind häufig?

Es kommt bei Sodbrennen oft zu einem brennenden Gefühl in der Brustbeingegend und einem sauren Geschmack im Mund. Jedoch gibt es auch Menschen, die gar nicht wissen, dass sie an Sodbrennen leiden. Sie beklagen sich meist über Heiserkeit, Halsschmerzen, Husten oder Schluckbeschwerden. Es handelt sich dann um den sogenannten "Stillen Reflux".

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Was essen bei Sodbrennen?

"Man sollte lieber vier bis fünf kleinere Portionen über den Tag verteilt essen, denn zu viel Druck im Bauch kann zu Sodbrennen führen", sagt Dr. Holger Seidl, Direktor für Gastroenterologie, Hepatologie und gastroenterologische Onkologie am Isar Klinikum München im Interview mit NTV.de. Schwangere sollten lieber stilles statt kohlensäurehaltiges Wasser trinken.

Ungesüßte Kräutertees wie Kamille, Kümmel oder Fenchel können ebenso gegen die Beschwerden helfen. Vorsicht jedoch bei Pfefferminztee! Dieser schwächt laut Seidl den Schließmuskel zusätzlich. Die Speisen sollten fettarm, eiweißreich und kohlenhydratarm sein. Auf Fertigprodukte, frisch gebackene Teigwaren, Süßigkeiten und starke Gewürze (zum Beispiel Pfeffer, Curry, Knoblauch, Essig, Zitronensaft) zu verzichten, hilft ebenso. "Je fader und langweiliger Sie essen, desto weniger Sodbrennen werden Sie haben", so der Gastroenterologe.

Welche Hausmittel helfen gegen Sodbrennen in der Schwangerschaft?

Viele Betroffene wenden auch Hausmittel wie Ingwer, Heilerde oder Kartoffelsaft an. Seidl empfiehlt außerdem Alginate. "Die gemahlene Algenpaste bewirkt, dass sich eine Gelschicht auf dem Essen bildet. Die wirkt wie eine Dichtfolie. Manche Menschen nehmen so ein Mittelchen deshalb vor dem Schlafengehen", sagt er. Viele Sodbrennen-Geplagte trinken auch Milch. Davon rät der Arzt allerdings ab: "Das bewirkt genau das Gegenteil, denn die Milch ist süßlich und fettig. So wird die Säureproduktion stimuliert", erklärt er.

Was hilft bei nächtlichem Sodbrennen?

Viele schwangere Frauen haben vor allem nachts mit Sodbrennen zu tun. Um dem vorzubeugen, sollten späte Abendmahlzeiten vermieden werden. Der Oberkörper sollte beim Schlafen leicht erhöht sein: "Man kann das Lattenrost des Bettes höher stellen, und so die Schwerkraft ein bisschen austricksen. Ein zusätzliches Kissen bringt aber nichts. Da bekommen Sie nur einen schiefen Hals", sagt Seidl.

Dürfen Schwangere mit Sodbrennen Medikamente einnehmen?

Haben schwangere Frauen trotz Ernährungsumstellung und der Anwendung verschiedener Hausmittel noch Sodbrennen, stehen Medikamente wie Antazida zur Bindung der Magensäure oder H2-Rezeptorantagonisten, welche die Neuproduktion von Magensäure verhindern, zur Verfügung. In seltenen Fällen kommen Protonenpumpeninhibitoren (PPI) - auch Magensäureblocker genannt – zum Einsatz. "Der Säureblocker sorgt dafür, dass der Magensaft, der hochsteigt, nicht mehr so aggressiv ist. Die normale Säure wird auf Null heruntergedrosselt. So verschwinden die Probleme in der Regel", sagt Seidl. Die PPI sollten eine halbe Stunde vor dem Frühstück eingenommen werden, damit sie optimal wirken können. Die Wirkung bleibt dann 24 Stunden lang bestehen. "Eine Gewöhnung an die Tabletten gibt es fast nicht", so der Gastroenterologe.

Achtung: Schwangere Frauen sollten eine Einnahme von PPI und anderen Medikamenten gegen Sodbrennen – auch rezeptfreien - immer vorher mit ihrem behandelnden Gynäkologen besprechen.

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