Frauen an den Herd, Männer an die Arbeit?

Instagram & Co. fördern Geschlechterklischees bei Teenagern

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21. August 2019 - 16:38 Uhr

Vor allem Haltung zu Gehaltsunterschieden überrascht

Auch, wenn sie voller schillernder Persönlichkeiten sind, die das traditionelle Bild von Mann und Frau auf den Kopf stellen: Soziale Medien wie Instagram und Co. verstärken stereotype Rollenbilder - insbesondere bei Teenagern. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter jungen Frauen und Männern zwischen 14 und 32 Jahren im Auftrag der Kinderrechtsorganisation Plan International. Vor allem in Sachen "Gender Pay Gap", also Gehaltsunterschied war die Haltung der Teilnehmer ziemlich überaschend.

"Völlig überaltete Rollenbilder"

Ausgerechnet in den sozialen Medien, dem modernen digitalen Zuhause der jüngeren Generationen, gebe es völlig überalterte Rollenbilder, sagte Geschäftsführerin Maike Röttger am Dienstag in Hamburg. So beschäftigten Mädchen und Frauen sich meist mit typisch weiblich geltenden Themen wie Mode, Beauty, Ernährung und Deko, während Jungen und Männer ihre Zeit eher in als typisch männlich angesehene Bereiche wie Politik, Gesellschaft und Videospiele investierten.

Weniger Gehalt für Frauen? Finden viele okay

Ein Drittel der befragten Mädchen und Frauen sowie über die Hälfte der Jungen und Männer, die täglich Instagram, Facebook und Youtube nutzen, finden es laut der Umfrage in Ordnung, dass Frauen für die gleiche Arbeit weniger verdienen als Männer. Ähnlich sieht's bei der Rollenverteilung im Alltag aus: 57 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass Hausarbeit immer noch Frauensache sei. Außerdem scheinen Vielnutzer von Social Media mehr Wert auf klassische Schönheitsideale zu legen: Frauen sollen in erster Linie schlank und hübsch sein, Männer vor allem muskulös.

Auch Film und Fernsehen vermitteln oft veraltete Ideale

Schauspielerin und Plan-Botschafterin Pheline Roggan betonte, auch in Film und Fernsehen würden viele Rollen immer noch klassisch besetzt: "Selbst wenn eine weibliche Figur eine erfolgreiche Managerin ist, siegen am Ende Liebe und Familie und die Karriere ist auf einmal unwichtig - als wäre immer noch nicht beides vereinbar."

Bloggerin Hannah Müller-Hillebrand (namastehannah) betonte aber, dass die sozialen Medien trotz allem Veränderungen anstoßen können: "Durch die Art wie wir posten und die Inhalte, die wir transportieren, können wir helfen, dass alte Rollenbilder aufgebrochen werden und junge Menschen über das Thema Gleichberechtigung sprechen."

Nicht alle bedienen die Klischees

So wie Hannah sehen es auch viele, die mit ihren Accounts gegen verkrustete Ideale einstehen: So etwa die britische Comedian Celeste Barber, die ihren Normalo-Körper in den Posen retuschierter Topmodels inszeniert.

Model Emily Ratajkowski hat eine Figur, die viele für unrealistisch halten - ihren Millionen Fans zeigt sie aber immer wieder, dass sie für Feminismus und den Kampf um Gleichberechtigung brennt.

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Alexis Stone ist ein begnadeter Make-up-Artist und schlüpft in die verschiedensten Rollen. Er nutzt sein Talent, um Menschen, die nach einer unerreichbaren Perfektion streben, den Spiegel vorzuhalten.

Der erfolgreiche Sänger Sam Smith sagt von sich selbst im Interview mit Schauspielerin Jameela Jamil: "Ich bin weder männlich noch weiblich, sondern schwebe irgendwo dazwischen." Nach eigener Aussage brauchte er lange, um zu sich zu stehen - doch jetzt pfeift er auf seinem Instagram-Kanal auf traditionelle Geschlechterrollen.