Internationale Studie

"Paygap": Warum Frauen nach der Geburt eines Kindes viel weniger verdienen als Männer

Zehn Jahre nach der Geburt verdienen Mütter durchschnittlich 61 % weniger als im Jahr vor der Geburt ihres Kindes.
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04. Februar 2019 - 18:34 Uhr

Mütter verdienen zehn Jahre nach der Geburt im Schnitt 61 Prozent weniger als zuvor

Immer wieder stehen Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern in Deutschland in der Diskussion. Und dabei spielen Kinder eine große Rolle – zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studienreihe, die die Folgen von Elternschaft auf das Gehalt und die Aufstiegschancen im Job analysiert. Während Frauen sogar zehn Jahre nach der Geburt im Schnitt 61 Prozent weniger als im Jahr vor der Geburt verdienen, kann ein Kind für Väter im Beruf sogar von Vorteil sein. Dieser Kontrast ist im Vergleich zu den anderen Ländern, mit denen sich die Studie auseinandersetzt, in Deutschland am extremsten. Wie kann das sein?

"Für Frauen sind Kinder beim Gehalt eine Strafe"

Die Forscher der Studie "Child Penalties" (dt.: "Kinderstrafe") haben sechs Länder analysiert: Dänemark, Deutschland, Österreich, Schweden, USA und das Vereinigte Königreich. Unter anderem wurden die langfristigen Einkommensverluste der Mütter untersucht, die Ergebnisse weichen stark voneinander ab. Während Frauen in Dänemark zehn Jahre nach der Geburt 21 Prozent weniger verdienen als im Jahr vor der Geburt, sind es in Großbritannien satte 44 Prozent. In Schweden verlieren Frauen 27 Prozent ihres ursprünglichen Gehalts, in den USA 31 Prozent und in Österreich 51 Prozent.

Mit 61 Prozent ist der Einkommensverlust in Deutschland am höchsten – sind Kinder also, wie der Name der Studie sagt, wirklich eine Strafe? "Als Child Penalties bezeichnen wir die Einkommenseinbußen nach der Geburt des ersten Kindes. Und leider muss man das tatsächlich so sehen: Für Frauen sind Kinder beim Gehalt eine Strafe", erläutert Ökonomieprofessor Josef Zweimüller, der an der Studie mitforschte, gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

In Deutschland haben Väter klare Vorteile

Laut der Studie schadet das Elterndasein Männern im Job nicht. Nur in Schweden haben Väter für kurze Zeit Gehaltseinbußen, weil ein Großteil nach der Geburt verhältnismäßig lange zu Hause bleibt. Nach zehn Jahren spüren sie davon jedoch nichts mehr – ganz im Gegensatz zu Müttern.

Und in Deutschland haben Väter sogar oft klare Vorteile: Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung kommt laut der "Zeit" zu dem Ergebnis, dass Väter bessere Aufstiegschancen als kinderlose Männer mit gleichen Qualifikationen und Erfahrungen haben – und auch ein höheres Gehalt bekommen. Laut Lena Hipp, der Autorin der Studie, werden Mütter als weniger produktiv eingeschätzt als kinderlose Frauen. Männern trauen Arbeitgeber jedoch mehr zu, wenn sie eine Familie versorgen.

Ist Deutschland zu konservativ?

Die Vorstellung, dass der Mann für das Geld verantwortlich ist, während sich die Frau zuhause um Haushalt und Kinder kümmert, scheint immer noch zu existieren. Ist an der sogenannten "Paygap" also das konservative Denken der Deutschen Schuld? Jein. Viele Mütter nehmen längere Elternzeiten oder kehren nach der Elternzeit nur als Teilzeitkraft in ihren Beruf zurück. Da viele Frauen – trotz Kompetenz – diesen Status nicht mehr verlassen und somit nicht mehr zu 100 Prozent zu ihrem Job vor der Geburt zurückkehren, entsteht ein hohes Einkommensgefälle zwischen Mutter und Vater.

Hinzu käme, dass Frauen Geld oftmals nicht als Hauptmotivation im Job sehen und im Vergleich weniger für ihr Gehalt kämpfen würden als Männer. Aber auch Deutschland trage Mitschuld daran: Laut den Forschern der Studie sei das Rollenbild in keinem der untersuchten Länder so konservativ wie in Deutschland.