Schon wieder neue Maßnahmen im Berliner Görlitzer Park

Kampf gegen Dealer: So sicher sollen Deutschlands Drogen-Hotspots werden

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23. Oktober 2019 - 19:48 Uhr

Offener Drogenkonsum am helllichten Tag

Schon seit Jahren bekommt Berlin das Drogenproblem an Umschlagplätzen wie dem Görlitzer Park nicht in den Griff. Wo tagsüber Kinder im Park spielen, wird nur wenige Meter weiter offen mit harten Drogen gedealt. Und das ist kein Einzelfall. Denn in immer mehr deutschen Städten kämpfen Polizei und Städte gegen die wachsende Rauschgiftkriminalität.

Berlin

Dass Drogenverkauf- und konsum im Görlitzer Park an der Tagesordnung sind, soll sich jetzt, wenn es nach dem Berliner Senat geht, endlich ändern. Denn sowohl im Görlitzer Park als auch an den Kriminalitäts-Hotspots Kottbusser Tor und Warschauer Straße, soll die Polizeipräsenz erhöht werden. "Wir arbeiten gerade an einem Konzept. Ob das eine ständige Wache ist, sei mal dahingestellt. Aber dass wir dauerhaft präsent sind, auch mit mobilen Fahrzeugen, ist eine Antwort auf die Situation", sagt Innensenator Andreas Geisel.

Ab Januar 2020 sollen zusätzlich 60 Nachwuchspolizisten für die drei Orte mit viel Kriminalität eingesetzt werden. Bis Mai 2020 soll diese Zahl auf 125 Polizisten steigen. Aber es gibt auch Kritik an den neuen Maßnahmen. So sagt Benjamin Jendro, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei, dass die Fahrzeuge lageorientiert ausgestattet und einsetzbar sein müssen, vor allem in den Nachtstunden. Das einfache Aufstellen von Polizeibussen würde also nicht ausreichen.

Mit pink eingezeichneten Verkaufszonen für Drogendealer, der Überlegung den Park nachts zu schließen und einer Null-Toleranz-Strategie (Schon der Besitz von Kleinstmengen von Marihuana wurde bis 2017 strafrechtlich verfolgt) war Berlin bisher immer wieder gescheitert.

Köln

Ebertplatz in Köln
Viele unterirdische Gänge machen den Ebertplatz in Köln zum perfekten Ort für Drogendeals. Foto: Oliver Berg
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Auch in Köln sind Drogendeals auf offener Straße an der Tagesordnung. Die Drogenszene hat den Neumarkt, den Zülpicher Platz und bis zuletzt auch den Ebertplatz fest im Griff.

Einen traurigen Höhepunkt erreichte die Drogenkriminalität in Köln, als es bei einem Streit um Drogengeschäfte am 25. August einen Toten gegeben hatte. Seitdem hat die Polizei zumindest am Ebertplatz die Präsenz deutlich erhöht. Und auch die Anwohner wollen sich die Deals am helllichten Tag nicht mehr gefallen lassen. Mit einer schöneren Gestaltung des Umschlagplatzes durch Blumen und der Instandnahme eines Springbrunnens, soll der Ebertplatz endlich wieder ein Wohlfühlort werden.

Aber wo am Ebertplatz die Drogendealer flüchten, tauchen sie am Kölner Neumarkt wieder auf. Hier trifft man nicht nur Dealer sondern auch Konsumenten. Die Stadt sagt, sie arbeite an einem "Gesamtdrogenhilfekonzept". Zwölf Sozialarbeiter in Kooperation mit freien Träger seien für Drogensüchtige und Wohnungslose in der ganzen Stadt unterwegs, ferner vier Streetworker für junge Erwachsene und 12 Streetworker des Jugendamtes. Voraussichtlich am 1. Dezember eröffnet ein mobiler Drogenkonsumraum am Neumarkt.

Düsseldorf

Rund um den Düsseldorfer Bahnhof und am Worringer Platz haben Drogen- und Alkoholabhängige ihr zweites Zuhause.

"Man wird diese Personen aus dem Stadtbild nicht wegkriegen. Das sind kranke Menschen, die es in jeder Stadt gibt. Aber man muss die Auswirkungen so gut es geht abfedern", sagt Polizeisprecher Kim Freigang von der Düsseldorfer Polizei zu RTL. "Die Polizei muss eng mit der Stadt zusammenarbeiten. Dieses Problem muss gesamtgesellschaftlich angepackt werden."

Im Rahmen des Konzeptes "Evos" — Einsatz zur Verhinderung einer offenen Szene - passiert dies zumindest schon in Teilen. Wenn es Hinweise gibt, dass Rauschgifthändler sich dauerhaft in der Nähe des Hauptbahnhofs oder einer Grünanlage aufhalten, gibt es gemeinsame Großeinsätze von Polizei, Stadt und der Verkehrsbetriebe Rheinbahn, um die Szene aufzulösen. Drogenhandel und Rauschgiftsucht gibt es allerdings auch in Düsseldorf immer noch.

Freiburg

Der Colombipark in Freiburg ist der Treffpunkt für Abhängige und Dealer. Die Drogenhilfe hat ihre Kontaktstelle nebenan, die Stadt hat den Abhängigen sogar einen eigenen Bereich im Park zugewiesen. Schon am Morgen beginnen Suchtkranke, sich hier die Nadel zu setzen oder Amphetamine zu schnupfen. Auch unter Flüchtlingen gilt der Park als Treffpunkt. Der Afghane Hussein K., der Medizinstudentin Maria L. (19) 2016 vergewaltigt und ermordet hat, war einen Tag vor seiner Tat noch im Colombipark. Letzten Februar wurde ein Syrer (23), der eine junge Frau (25) hier mehrfach vergewaltigt hatte, zu fast fünf Jahren Haft verurteilt.

Damit der Park auch wieder von Familien und Anwohnern genutzt werden kann, wird die Freiburger Stiftungsverwaltung eine sechsstellige Summe beisteuern. Mit einem neuen Spielplatz, neuen Zugängen und einem Café soll der Park so wieder attraktiver werden. Die Einkaufsmärkte zwischen dem Colombipark und der Unterführung am Hauptbahnhof, wo auch regelmäßig Drogenabhängige anzutreffen sind, haben jetzt außerdem noch mehr Sicherheitspersonal vor den Türen eingestellt.

Hamburg

Nur zwölf Hektar ist der Hamburger Schanzenpark groß. Aber die Grünanlage hat schon seit Jahrzehnten den Ruf eines Drogenparks. Auf den Parkbänken sitzen hier Drogendealer nebeneinander und bieten vorbeigehenden Passanten ihre Rauschmittel an.

Darum hat die Hamburger Polizei eine Drogen "Task Force" eingerichtet. Seit 2016 versucht die, die offene Drogenszene in der Schanze, in St. Georg und St. Pauli, in den Griff zu bekommen. Unterstützt werden die Beamten dabei von den Drogenfahndern des LKA. Trotz regelmäßiger Streifen wird aber auch hier immer noch gedealt. Aber der polizeiliche Ansatz ist umstritten, da er mehr auf die kleinen Dealer zielt und weniger auf die größeren, organisierten Strukturen.

9.138 mutmaßliche Drogenhändler- und Konsumenten hat die Polizei im Vorjahr ermittelt – 1.224 mehr als im Jahr davor.

Leipzig

Der Leipziger Bürgermeister-Müller-Park gilt als neuer Brennpunkt der Stadt. Seit Januar hat die Polizei in dem Areal gegenüber vom Hauptbahnhof bereits etwa 250 Straftaten registriert. Darunter 171 Drogendelikte, 21 Köperverletzungen, ein versuchter Totschlag.

Ende August war im Bürgermeister-Müller-Park vor dem Bahnhof ein 23-Jähriger bei einer Auseinandersetzung schwer verletzt worden. Ein 25-Jähriger gilt als verdächtig. Gegen ihn wird wegen versuchten Totschlags ermittelt.

"Eine gemeinsame Ermittlungsgruppen "BAZE" ( Bahnhof/ Leipzig- Zentrum) der Polizeidirektion Leipzig und der Bundespolizei führt regelmäßig Schwerpunktkontrollen im Bürgermeister-Müller-Park und in der Umgebung des Hauptbahnhofes durch. Der Verdrängung ist spürbar aber sicher noch nicht ausreichend", so Polizeisprecher Uwe Voigt zu RTL.

Frankfurt am Main

Bahnhofsviertel in Frankfurt am Main Drogenrazzia
Mit schnellen, gezielten Razzien will die Polizei Dealer überraschen.
© dpa, Boris Roessler, brx pat

Die offene Drogenszene in Frankfurt ist bundesweit bekannt. Das Elend ist deutlich sichtbar. Denn rund um das Bahnhofsviertel spritzen sich Abhängige auf offener Straße Drogen. Anwohner und selbst die Drogenhilfe beschweren sich, dass die Situation auf den Straßen immer schwieriger und die Stimmung aggressiver werde. Vor allem sammelten sich teils große Gruppen von Abhängigen vor den Einrichtungen und blockierten beim Drogenkonsum die Bürgersteige.

Darum arbeitet die Polizei jetzt mit Drogenhilfeeinrichtungen und Sozialarbeitern zusammen. Diese sollen Drogenabhängige zum Beispiel verstärkt ansprechen und auffordern, keine Fußwege zu blockieren, für den Drogenkonsum die vorhandenen Druckräume zu nutzen, auf die Toiletten der Einrichtungen zu gehen und keinen Müll liegen zu lassen. Falls diese Ansprache durch die Sozialarbeiter keinen Effekt zeigt, greift die Polizei ein und geht mit Platzverweisen gegen die Abhängigen vor.