Prostitution wieder erlaubt

So funktioniert Sexarbeit während der Corona-Pandemie

Die Bordelle in Hamburg  und Schleswig-Holstein dürfen seit dem 15. September wieder öffnen.
© dpa, A3471 Boris Roessler

15. September 2020 - 17:01 Uhr

Wiedereröffnung sehnlichst erwartet

Als die Betreiber vom Hamburger Bordell "Geizhaus" im März wegen der Coronakrise schließen mussten, dachten sie, dass der Lockdown höchstens zwei Monate dauern würde. Inzwischen warten Geschäftsführerin Isabella Neumann und ihre Kolleginnen aber tatsächlich schon ein halbes Jahr darauf, wieder öffnen zu dürfen. Jetzt soll es endlich wieder ein Stück in Richtung Normalität für die Sexarbeiterinnen gehen. Seit dem 15. September dürfen sie wieder arbeiten, wenn auch unter besonderen Vorschriften.

Sex ja, Alkohol nein

Vor der Coronakrise waren bis zu acht Frauen gleichzeitig im "Geizhaus" und haben sich mit den Kunden – oft Stammgäste – vergnügt. Sie haben zusammen an der Bar gesessen, gelacht und getrunken. Ganz so ausgelassen wird es in den nächsten Wochen nicht möglich sein, erzählt Isabella Neumann. "Wir dürfen Sex anbieten, wir dürfen aber keinen Alkohol ausschenken." Jeder Besuch muss vorab telefonisch vereinbart werden. Kommt ein Gast, so wird bei ihm zuerst Fieber gemessen, danach muss er sich desinfizieren. Dabei gilt immer die strikte Maskenpflicht. Auch wenn ein Gast zusammen mit einer Sexarbeiterin ins Zimmer verschwindet, darf weder der Gast noch die Sexarbeiterin die Mundschutzmaske absetzen. Auch während des Sex nicht. Nach dem Vergnügen muss das Zimmer wieder desinfiziert und zehn Minuten gelüftet werden.

Termine wurden schon gemacht

Zur Wiedereröffnung startet Isabella Neumann heute mit fünf Damen. Und jede von ihnen ist bereits fast ausgebucht: "Die haben ihre Stammgäste, die haben auch schon ihre Termine gemacht", berichtet die "Geizhaus"-Chefin. Inwieweit sich das Geschäft wirklich lohnt, das kann sie noch nicht absehen. Während das Bordell geschlossen war, haben es viele Sexarbeiterinnen aus der Not heraus gewagt, neue Geschäftsideen auszuprobieren. Einige haben Telefondienste angeboten, andere haben es im Internet versucht. Doch das ist nicht mit der Arbeit im Bordell zu vergleichen, sagt Isabella Neumann: "Nicht jede will sich im Internet vor der Kamera, vor Leuten ausziehen und sich zeigen. Die Mädchen wollen inkognito bleiben."

"Für uns ist die Welt zusammengebrochen"

Die Coronakrise traff die gesamte Branche hart. Isabella Neumann ist seit 2009 Geschäftsführerin im "Geizhaus". Was sie dieses Jahr mit ihren Mitarbeiterinnen durchmachten musste, das hätte sie sich niemals vorstellen können. Viele Mitarbeiterinnen musste sie entlassen, nach dem Lockdown im März stand für sie und ihr Bordell die Erde still: "Für uns ist die Welt zusammengebrochen, weil wir nicht wussten, was wir weiter machen sollten", sagt sie im RTL-Interview. Der Laden war zu und ihre Mädchen, wie sie ihre Kolleginnen selbst nennt, standen auf der Straße. Sie alle hoffen nun, dass es mit der Wiedereröffnung ihres Geschäfts ab jetzt endlich wieder bergauf geht.