Der rasante Aufstieg des chinesischen Konzerns ist endgültig Geschichte

Auf Höhenflug folgt Absturz: Huawei konnte seine Ziele nicht erreichen

Auf einen Höhenflug folgt meist ein Absturz: Das musste nun auch der Smartphone-Hersteller Huawei aus China feststellen.
Auf einen Höhenflug folgt meist ein Absturz: Das musste nun auch der Smartphone-Hersteller Huawei aus China feststellen.
© imago images/ZUMA Press, Alex Tai via www.imago-images.de, www.imago-images.de

09. März 2021 - 12:54 Uhr

Auch in der Heimat China nicht mehr Nummer 1: Smartphone-Riese Huawei wurde vom Thron gestoßen

Nach einem rasanten Aufstieg im Smartphone-Markt wurde Huawei von Trumps Handelsembargo schwer ausgebremst. Nun ist die letzte sichere Bank des Konzerns ins Trudeln geraten. Das ist allerdings auch die Folge einer strategischen Entscheidung.

Oppo und Vivo: Huawei wird von anderen Anbietern verdrängt

Platz 1 auf dem Smartphone-Markt - das war Huaweis erklärtes Ziel. Und es erschien in greifbarer Nähe. Dann kam Donald Trump. Nachdem Huawei die Folgen der Handelssanktionen durch den US-Präsidenten lange mit einem starken Heimatgeschäft ausgleichen konnte, ist nun auch diese Sicherheit dahin: Zum ersten Mal ist Huawei in China gleich von zwei heimischen Konkurrenten überholt worden. Es ist die späte Folge von Trumps letztem Schlag. Und einer Entscheidung Huaweis.

Der Rückstand ist nicht einmal klein: Mit 21 Prozent Marktanteil kann der chinesische Hersteller Oppo sich im Januar deutlich auf den ersten Platz schieben, dicht gefolgt vom ebenfalls aus China stammenden Vivo mit 20 Prozent. Huawei fällt indes deutlich zurück: Mit einem Anteil von nur noch 16 Prozent der chinesischen Smartphone-Verkäufe liegt Huawei nur auf dem dritten Platz - und muss sich den auch noch mit den gleichauf liegenden Konkurrenten Apple und Xiaomi teilen, rechnen die Analysten von Counterpoint Research aus.

Absturz von Huawei: Ist Ex-US-Präsident Donald Trump etwa schuld?

Der Absturz ist eine direkte Folge der seit fast zwei Jahren bestehenden Handelssanktionen durch Donald Trump. Trotzdem war er in seiner Härte im letzten Frühjahr noch nicht vorherzusehen. Als der damalige US-Präsident im Mai 2019 wegen Spionage-Befürchtungen ein erstes Embargo gegen Huawei unterzeichnete, wirkte sich das zunächst vor allem im Westen aus. Das Verbot, Smartphones mit Google-Apps wie dem Play Store oder Chrome auszuliefern, schreckte in Europa und den USA viele Käufer ab. Die Folgen waren deutlich spürbar: Fast 40 Prozent waren die Verkäufe zeitweise weltweit eingebrochen.

Dass es nicht noch mehr waren, verdankte der Konzern dem starken Heimatmarkt. Die Google-Apps waren in China kein Thema, sie waren dort schon vorher nicht installiert. Durch starke Geräte und einen großen Schuss patriotische Loyalität gegenüber dem Heim-Champion konnte Huawei auf dem weltgrößten Smartphone-Markt in China weiter reißenden Absatz finden und die Ausfälle so spürbar dämpfen. Als im letzten Frühjahr in Folge der Corona-Krise weltweit das Geschäft zurückging, schaffte es Huawei durch den sich schneller erholenden chinesischen Markt sogar für ein Quartal an die weltweite Spitze.

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Die Veränderungen am US-Markt sorgten für Probleme bei Huawei

Doch das böse Ende war da schon abzusehen. Im Mai 2020 hatte das US-Finanzministerium eine Verschärfung beschlossen, die Huaweis Situation noch einmal erheblich verschlechterte: Seit September durften dem Konzern noch nicht einmal mehr Bauteile verkauft werden, wenn diese auf amerikanischen Patenten beruhten. Damit ist Huawei de Facto vom Chip-Markt abgeschnitten. Zwar deckte sich der Konzern vorher noch einmal kräftig mit Teilen ein und verschaffte dem auch als Zulieferer wichtigen Konkurrenten Samsung so ein Rekordquartal. Doch die Vorräte halten nicht ewig.

Strategiewechsel als Rettungschirm

Der chinesische Konzern Huawei wurde von zwei Konkurrenten aus dem eigenen Land überholt - obwohl man sich eigentlich den ersten Platz auf dem Markt sichern wollte.
Der chinesische Konzern Huawei wurde von zwei Konkurrenten aus dem eigenen Land überholt - obwohl man sich eigentlich den ersten Platz auf dem Markt sichern wollte.
© AP, Ng Han Guan, NHG

Das ist auch Huawei klar. Der Konzern entschied sich deshalb offenbar für eine Premium-Strategie. Statt wie bisher Geräte in jedem Preisfeld anzubieten, soll er sich vor allem auf die höherpreisigen Modelle konzentriert haben, berichtet Counterpoint. Dafür spricht, dass man die für günstige Modelle bekannte Tochter Honor bereits verkauft hat, um sie so aus den Beschränkungen des Embargos befreien zu können. Die beiden seit September vorgestellten Huawei-Geräte, das Mate 40 und das Falt-Smartphone Mate X2 liegen preislich im Premium- beziehungsweise sogar im Luxusbereich.

Der Strategiewechsel hat gleich in mehrerlei Hinsicht einen Effekt auf Huaweis Marktanteil. Zum einen sinkt er durch den Verkauf Honors direkt: Statt zu Huaweis Verkäufen hinzuzuzählen, wird die Sparmarke nun als Konkurrent einzeln gelistet. Aber auch die Stärke der Konkurrenten scheint eine Folge zu sein. Counterpoint zufolge sollen vor allem Oppo, aber auch Vivo und Xiaomi direkt aus der Schwäche profitiert haben, indem sie das Loch, das Huawei in der Smartphone-Mittelklasse ließ, mit eigenen Angeboten füllten. Dabei half auch, dass die Zulieferer viele Teile, die sonst an Huawei gegangen wären, den anderen Herstellern anboten.

Huawei am Ende: Wie geht es mit dem chinesischen Konzern nun weiter?

Für Huawei könnte der Strategiewechsel trotzdem die richtige Entscheidung sein. Der Marktanteil funktioniert nur bedingt als Erfolgsmesser, er verrät nur etwas über die schiere Masse der verkauften Geräte. Gerade in den günstigen Preisklassen ist das aber wenig aussagekräftig, weil der Gewinn wegen des geringen Verkaufspreis auch kleiner ausfällt. Mit dem Fokus auf die Premium-Modelle gibt Huawei zwar das Ziel der Marktherrschaft auf, der Gewinn pro verkauftem Gerät dürfte aber deutlich steigen. Wenn man wie Huawei nur begrenzten Zugang zu Teilen hat, dürfte das das deutlich sinnvollere Ziel sein. Zumal der Druck der heimischen Konkurrenten nur größer wird, wenn die langsam aber sicher von China aus die Fühler auf den Weltmarkt ausstrecken. Ob Huawei die Smartphone-Sparte auf Dauer auf diese Weise kann retten, ist daher eine andere Frage.

Hinweis: Dieser Artikel von Malte Mansholt erschien zuerst an dieser Stelle bei stern.de.