"Da waren wir jeden Tag auf Achse, um Kiel auszurauben"Skandalrapperin Schwesta Ewa packt über ihre schwierige Jugend in Kiel aus

Schwesta Ewas Jugend in Kiel
Schwesta Ewa fährt durch ihre alte Heimat Kiel. Zu sehen in der Reportage „Schwesta Ewa – Rapperin. Häftling. Mutter.“ auf TVNOW.
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Schwesta Ewa steht in einem idyllischen Park in Kiel. Es ist Sommer und doch für sie eine Art Frühling, denn von jetzt will sie neu aufblühen. Seit Anfang des Jahres kann die 37-Jährige wieder an die frische Luft, sie kommt gerade frisch aus dem Gefängnis. „An Feiertagen zieht es mich zurück hier her. Zu den Leuten, die ich hier habe. Meine Brüder, Familie, alte Freunde.“ Sie zeigt auf einen Busch. Als Kind habe sie hier mit ihrer Mutter geschlafen – beide waren obdachlos.

Mutter verprügelte sie mit Gürtel und Kabel

Schwesta Ewas Verhältnis zu ihrer Mutter ist besonders schwierig, geprägt durch eine Kindheit vor allem von Gewalt. „Wenn du was falsch gemacht hast, kriegst du in die Fresse. Und je nachdem wie sehr ich Scheiße gebaut habe, gab es dann entweder mit dem Ledergürtel was oder noch schlimmer, mit dem Kabel. Wenn sie zum Kabel gegriffen hat wusste ich, es wird schmerzhaft“, erinnert sie sich und erzählt über düstere Tage bei ihrer Mutter.

Als Jugendliche rutscht sie ins Rotlichtmilieu ab

Schwesta Ewa in Kiel
Schwesta Ewa teilt Erinnerungen über ihr Outing als Prostituierte mit einem alten Freund in Kiel. Zu sehen in der Reportage „Schwesta Ewa – Rapperin. Häftling. Mutter.“ auf TVNOW.
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Mit 16 Jahren macht die mit bürgerlichem Namen heißende Ewa Magdalena ihren ersten Schritt in das Kieler Rotlichtmilieu. Sie fängt an in einer Bar in einem entsprechenden Etablissement zu arbeiten. „Meine Kundschaft bestand nur aus Zuhältern, Freiern und Prostituierten. Dann habe ich mit Huren geredet: Wie viel verdient ihr so? Ja, 2000 Mark am Tag und da wusste ich schon, dass ich arbeiten will. Bei mir war das kein Zwang oder, dass mich jemand überreden musste", schildert sie.

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Schwesta Ewa: "Da waren wir jeden Tag auf Achse, um Kiel auszurauben"

Schwesta Ewa
Schwesta Ewa läuft mit einer Kindheitsfreundin durch das Rotlichtviertel in Kiel. Zu sehen in der Reportage „Schwesta Ewa – Rapperin. Häftling. Mutter.“ auf TVNOW.
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Mit einem illegalen Escort-Service verdient die junge Frau am Tag durchschnittlich 1.500 Euro. Trotzdem ist ihr Alltag geprägt von Gewalt und Drogen. Mit ihrer Clique aus dem Kieler Problem-Stadtteil Mettenhof kifft und trinkt sie schon früh: „Unsere Eltern haben jetzt auch nicht so richtig auf uns aufgepasst“, erinnert sich Schwesta Ewa.

In der Runde ist sie das einzige Mädchen. Anstatt ins Kino oder Eisessen zu gehen, bauen die Jungen sich zusammen mit Schwesta Ewa ein kriminelles Netzwerk auf. "Da waren wir jeden Tag auf Achse, um Kiel auszurauben. Mit kleinen Sachen angefangen, irgendwann bei teurem Schmuck und Elektrogeräten.“ Schließlich muss sie wegen mehrfacher Körperverletzung, Menschenhandels und Steuerhinterziehung für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

TVNOW Doku: „Schwesta Ewa – Rapperin. Häftling. Mutter.“

Schwesta Ewas Kindheit
Von 3 bis 18 Jahren lebt Schwesta Ewa im Kieler Brennpunkt Mettenhof. Zu sehen in der Reportage „Schwesta Ewa – Rapperin. Häftling. Mutter.“ auf TVNOW.
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Sie hat seitdem vieles erlebt und muss vieles verarbeiten. Schwesta Ewa greift zum Mikrofon und macht ihrem Frust gehörig Luft. "Aufgewachsen im Drecks Kieler Viertel. Mama zog mich auf mit einem Nietengürtel. Dosenfleisch und im Kochtopf das Tiefgekühlte. Man lernt hier früh: Du kannst kassieren aber zeig nie Gefühle", rappt sie in einem ihrer Lieder. In die Musik kann sie flüchten, eine Art Ventil, das sie zu nutzen weiß, um sich hoch zu arbeiten. Wie sie so einer der bekanntesten deutschen Rapperinnen wurde und dann auch noch selber Mama, sehen sie in der großen TVNOW-Dokumentation „Schwesta Ewa – Rapperin. Häftling. Mutter.“

Sorgt die eigene Tochter für einen Wandel?

Auch wenn sie gerne zurück nach Kiel kommt, hat Schwesta Ewa Norddeutschland inzwischen den Rücken gekehrt. Nach ihrer Haftentlassung zieht sie gemeinsam mit ihrer Tochter Aaliyah nach Polen, zu ihrer Mutter. „Ich liebe meine Mutter trotzdem, egal was war. Sie gibt auch als Oma eine viel bessere Rolle ab, als sie das als Mutter damals bei mir getan hat. Und ich möchte das für meine Tochter einfach nicht missen, dass sie ihre Oma nicht hat, weil es mit uns nicht geklappt hat." Aaliyah schafft es, die beiden Frauen wieder zusammenzubringen. (cta)