Singlebörsen und Partnervermittlungen im Test: Bringt mehr Geld wirklich mehr Liebe?

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06. April 2020 - 10:27 Uhr

Wo lauft die Partnersuche am besten?

Wenn der Freundeskreis vergeben ist und Kollegen auch nicht passen, versuchen Millionen Menschen, über das Internet die große Liebe zu finden. Aber bringt dieser Weg etwas? Die Stiftung Warentest ist dieser Frage nachgegangen und hat sechs Singlebörsen und fünf Partnervermittlungen getestet. Das Ergebnis: Vier Anbieter schneiden gut ab. Und: Mit teuren Angeboten hat man nicht automatisch mehr Erfolg!

Singlebörsen und Partnervermittlungen im Test: Bringt mehr Geld wirklich mehr Liebe?
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Die Tester haben im Zeitraum von August bis November 2015 fünf virtuelle Singles bei unterschiedlichen Portalen angemeldet. 55 Verträge wurden abgeschlossen. Zunächst einmal stellten diese fest: Zahlen muss man nicht unbedingt überall und sofort. Gucken ist auch ohne Geld erlaubt. Wer allerdings einen Kontakt herstellen möchte, der muss blechen – ganz anders als es die Werbung in der Regel verspricht. Ein dicker Minuspunkt an der Stelle also. Nur eine Singlebörse – nämlich 'Finya' - ist uneingeschränkt kostenlos, weil sie sich über Werbung finanziert. Bei den kostenpflichtigen Verträgen gibt es übrigens enorme Unterschiede: Während eine Singlebörse ab rund 45 Euro aufwärts für drei Monate eine Kontaktmöglichkeit anbietet, muss man bei einer Partnervermittlung oft mehr als das doppelte zahlen: Manchmal sogar noch mehr – mit 180 Euro pro Quartal. Aber bringt mehr Geld wirklich mehr Liebe?

Die Kostenfrage ist übrigens nicht das Einzige, was die Portale unterscheidet. Es sind auch der Ruf und das Ziel der Flirtwilligen. Singlebörsen sind die moderne Form der Zeitungsanzeige, die Nutzer suchen hier oft bloß oberflächliche Chat-Kontakte. Hier sind meist Jüngere unterwegs. Bei Partnervermittlungen hingegen geht es angeblich um langfristige Beziehungen. Der Nutzer muss umfangreiche Fragebögen ausfüllen, ein Computer schlägt dann vermeintlich passende Partner vor. Die Macher arbeiten sozusagen mit einer Art Glücksformel, die die Wahrscheinlichkeit auf eine passende Paarung erhöhen soll.

Zunächst nahmen die Tester das Kleingedruckte unter die Lupe. Dabei fiel auf, das alle nur mit Vorkasse arbeiten. Dennoch kann man nach wie vor bis zu zwei Wochen nach Abschluss vom Vertrag zurücktreten – an sich nichts Neues. Dass man bei 'Single.de', 'Elitepartner.de' und 'AcademicPartner' bei einer Kündigung eine Unterschrift verlangt, halten die Tester für unzulässig. Die Löschung der Profile ging meist problemlos im eigenen Konto – vier Anbieter verlangten allerdings auch hier eine schriftliche Kündigung. Ganz schlecht läuft die Löschung des Profils bei 'Zoosk' und 'Single.de' ab: Diese Anbieter versuchten, die Daten in ihrer Datenbank zu behalten. Nur durch penetrantes Nachhaken beim Kundenservice gelang schließlich die Löschung. Bei 'Single.de' half nichts – zwei Testprofile sind offenbar noch immer online. Im Großen und Ganzen widmeten die Experten sich vor allem den Kategorien Suche, Mitgliedschaft, Website/App, Datenschutz, Beratung.

Insgesamt fielen die Ergebnisse bei den Singlebörsen nicht allzu negativ aus: Das schlechteste Ergebnis – immerhin ein befriedigend - bekam 'Zoosk' (3,5). Vorwiegend wegen der genannten Probleme bei der Profillöschung schaffte 'Zoosk' keine bessere Bewertung, aber auch, weil Informationen teilweise auf Englisch verfasst waren. Überzeugt haben die vielen Treffer. Testsieger ist 'Friendscout24' (1.8). Besonders gut bewertete man die Suchmöglichkeiten, die Vielfalt des 'Angebots' und die Passgenauigkeit der Ergebnisse: Man bekam hier wirklich nur das, was man selbst auch gesucht hat. Weniger gut sah wiederum die Datenverschlüsselung aus – das hielt die Tester von einer besseren Bewertung ab.

Ähnliche Ergebnisse erzielten die Partnervermittlungen: Die besten Noten erhielten 'Parship' (2.3) und 'ElitePartner' (2.5). Besonders gut war bei 'Parship' die Beratung, aber auch die Anzahl der Vorschläge. Auch dass Fotos erst nach persönlicher Freigabe gezeigt wurden, lobt 'Stiftung Warentest'. 'ElitePartner' bietet eine sehr gut strukturierte Webseite an und viele Vorschläge. Das schlechteste Ergebnis bekam 'Prestige Singles' mit immerhin 2.9 (befriedigend). Knappe Infos und ein zu langer Persönlichkeitstest sind hier eher von Nachteil. Gut waren allerdings die unkomplizierte und schnelle Kündigung und Profillöschung.

Übrigens: Falsche Versprechungen machten die Tester mit ihren Profilen niemandem: Sie haben aktiv keinen Kontakt aufgenommen, sondern bloß Anfragen beantwortet – und stets Ausreden benutzt.