Kommission untersucht 1.900 Fälle in der Klinik

Sie habe "nur ins Bett gemacht"! Ärzte ignorieren Symptome – Baby stirbt im Mutterleib

Charlotte Jackson und ihr Freund James Harris mit Sohn Jacob, der noch im Mutterleib verstorben ist.
Charlotte Jackson und ihr Freund James Harris mit Sohn Jacob, der noch im Mutterleib verstorben ist.
© SWNS

07. September 2021 - 11:50 Uhr

1.900 traumatische Geburten werden jetzt untersucht

Die hochschwangere Charlotte Jackson aus England ging mit Bauchschmerzen in die Klinik. Die Diagnose des Arztes: alles in Ordnung. Tage später erfuhr sie, dass ihr Baby tot ist. Dieser Fall ist nur einer von knapp 2.000 traumatischen Erlebnissen, dass eine Kommission jetzt in Zusammenhang mit der britischen Klinik untersucht.

Arzt sagte, sie habe sich nur in die Hose gemacht

Charlotte Jackson, 29, war hochschwanger, als sie für eine Untersuchung ins englische "Telford Princess Royal Hospital" ging. Sie hatte in der 37. Schwangerschaftswoche plötzlich Bauchschmerzen und einen Flüssigkeitsaustritt bemerkt und wollte sichergehen, dass wenige Wochen vor der Geburt alles in Ordnung sei.

Ein Arzt des Krankenhauses soll der besorgten Mutter gesagt haben, dass sie "vermutlich ins Bett gemacht habe", berichtet der britische "Mirror". Auf mögliche Probleme während der Schwangerschaft mit ihrem Baby schloss er nicht, obwohl sie durch ihre Diabetes eine Risikoschwangerschaft hatte. Ein folgenschwerer Fehler, denn der kleine Jacob war kurz vor seiner Geburt im Mutterleib verstorben.

Das bemerkte zunächst aber niemand. Einige Tag später ging Charlotte – noch immer unwissend – wieder ins Krankenhaus, da sie deutlich weniger Bewegungen des ungeborenen Kindes spürte. Erst bei der folgenden Untersuchung stellten die Ärzte den Tod des Jungen fest. Einen Tag darauf musste Charlotte das Kind zur Welt bringen, in dem Wissen, dass ihr kleiner Sohn bereits tot war.

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Mutter wünscht sich, von den Ärzten ernst genommen zu werden

Nach der Untersuchung des Falls sagt Louise Barnett, eine Sprecherin des Krankenhauses, jetzt laut BBC: "Ich verstehe, dass Jacob gesund hätte auf die Welt kommen können, wenn wir die Geburt früher eingeleitet hätten."

Charlotte erhebt weitere Vorwürfe. "Ich hatte das Gefühl, dass sie mich schnell wieder entlassen wollten, da so viel los war", erinnert sie sich. Auch die Totgeburt selbst, einige Tage später belastet sie noch heute. "Jacob auf die Welt zu bringen war furchtbar. Es ist unmöglich, das schreckliche Gefühl in Worte zu packen, wenn das eigene Kind schon tot ist."

Von dem Krankenhaus und der Belegschaft wünscht sie sich, dass sie sich mehr Zeit für die Sorgen der Mütter nehmen. "Immer wenn ich mit Symptomen in die Klinik gefahren bin, hat man mir gesagt, dass mein Gefühl falsch sei und da nichts sei."

Tausende Fälle werden nun untersucht

Das ist nicht der einzige Todesfall, der aktuell untersucht wird. Denn im englischen "Telford Princess Royal Hospital" soll es in den vergangenen Jahren gehäuft zu Behandlungsfehlern gekommen sein, durch die Babys, aber auch deren Mütter gestorben seien. Über 1.900 Fälle werden jetzt untersucht, einer davon ist der von Charlotte Jackson aus dem Jahr 2018.

Ein Untersuchungsausschuss kümmert sich jetzt um die Aufwicklung der teilweise Jahrzehnte zurückliegenden Fälle. Charlotte Jackson und ihr Freund James Harris haben für die Fehleinschätzung, die den Tod des Babys zur Folge hatte, Schadensersatz bekommen. Die Trauer um das verlorene Kind ersetzt das aber nicht. (lra)