Louisas Sexkolumne

Sex-Expertin: Ein Seitensprung muss nicht das Ende sein!

Junge Frau sitzt nachdenklich im Hemd auf dem Bett, im Hintergrund schläft ein Mann
Untreue ist für eine Beziehung eine harte Probe - muss aber nicht immer ihr Ende bedeuten
iStockphoto

von Louisa Noack

Ich war immer fest davon überzeugt, dass ein Seitensprung die Beziehung zerstört. Denn dann ist ja jegliches Vertrauen weg. Wie soll es dann weitergehen? Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und so weiter. So wurde ich erzogen und so begann ich meine ersten Liebschaften und ersten Beziehungen.

Mein erster Freund betrog mich - den zweiten betrog ich

Mein erster „Freund“, Sören, betrog mich mit seiner Ex-Freundin, als ich mit meinen Eltern in den Skiurlaub fahren musste (ich hatte natürlich keinen Bock drauf, wer hat das schon mit 17?). Meine Welt brach zusammen. Wie konnte er so etwas nur tun??? In der Wunschvorstellung, dass dieser Blödmann der einzige Idiot sei, der die Welt zu so einem schlechten Ort machen würde, stellte ich ihn zur Rede. Er fiel aus allen Wolken und entschuldigte sich, „bla bla bla“. Ich verließ ihn und brach ihm anschließend auch ein bisschen sein Herz: Ich tanzte mit seinem besten Freund auf dem Dorffest.

Meinen zweiten „Freund“ - eine Bekanntschaft aus meinem ersten eigenen Urlaub (Zelten an der Talsperre 50 Kilometer von zu Hause weg mit meinen Freundinnen) - betrog ich. Nie hätte ich gedacht, dass ich dazu fähig wäre. Aber nach einer Weile verlor ich einfach das Interesse an ihm. Was soll ich sagen. Asche auf mein Haupt, ich fühlte mich furchtbar, konnte es ihm nicht sagen und verließ ihn Hals über Kopf ohne Erklärung und auf Nimmerwiedersehen.

Und - meine Damen und Herren - wir reden hier nur vom Knutschen! Wir haben fremdgeknutscht, an Sex war da nicht nicht zu denken!

Lese-Tipp: Warum wir fremdgehen – und wann wir es beichten sollten

Wie viel "Fern-" verträgt die Beziehung?

Und dann kam der erste „richtige“ Freund, die erste feste Beziehung mit Zusammenwohnen und so. Martin und ich waren ein super Team, es war die erste große Liebe. Und wir hatten zuerst mal zwei tolle Jahre. Es lief einfach perfekt. Wir verstanden uns gut, wir waren wirklich ehrlich zu einander. Es gab nur uns. Bis… ja bis ich für ein Praktikum nach München ziehen musste. Also, ich wollte ja. Und ich hätte natürlich nicht gedacht, dass das zu einer Katastrophe führen könnte.

Die ersten Wochen als Fernbeziehung waren ok, wir telefonierten viel. Dann wurde es weniger. Nach drei Monaten hörte ich kaum noch etwas von ihm; das Praktikum neigte sich aber auch endlich dem Ende entgegen. Bald würden wir uns wiedersehen. Und da standen wir uns dann gegenüber nach der langen Zeit. Und er hatte plötzlich Tränen in den Augen. „Ich muss dir was sagen.“ Meine Welt zerbrach. Aber irgendwie wusste ich es schon. „Ich hab eine andere kennen gelernt. Aber alles schon wieder beendet.“ Mir wurde schlecht. „Es gab keinen Sex, nur gekuschelt und geknutscht.“

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Nun gut, wenigstens keinen Sex. Aber ist das wirklich entscheidend? Vertrauensmissbrauch ist es allemal. Oder? Macht es tatsächlich einen großen Unterschied, ob es zum Akt kam? Ich war und bin bis heute darüber im Unklaren. Er hat sich einer anderen zugewandt. Ich war nicht mehr seine Priorität – quasi die unausgesprochene Abmachung, wenn man ein Paar wird. Ich war einfach nicht verfügbar und eine andere durfte ihm nahekommen.

Letztlich ging die Geschichte aber gut aus. Martin und ich haben darüber geredet. Anders als bei den vorhergehenden Geschichten, denn da war es eben aus und vorbei. Diesmal sollte es „erwachsen“ sein. Und deswegen haben wir das dann aufgearbeitet, über unsere Wünsche und Bedürfnisse gesprochen. Warum es dazu kam? Was gefehlt hat. Und wie wir es in Zukunft besser machen können. Und es ging danach noch drei Jahre gut. Es war nicht das Ende. Sondern eine Begegnung neu auf Augenhöhe.

Fremdgehen fängt beim Gedanken an!

Wenn ich ganz ehrlich bin, glaube ich, dass Fremdgehen nicht beim Knutschen oder erst mit Sex anfängt. Ich denke, dass Fremdgehen beim Gedanken anfängt. Nämlich dann, wenn ich mit meiner Aufmerksamkeit nicht mehr bei meinem Partner oder meiner Partnerin bin, sondern sie jemandem anderen schenke. Sei es durch eine SMS, heimliche Whatsapp-Nachrichten, interessiertes Surfen auf einem Profil, Anmelden auf einem Dating-Portal. Denn dann bin ich gedanklich nicht mehr meiner Partnerschaft - sondern bei der potenziell nächsten. Oder?

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