Es sind so viele wie noch nie!

Seehundstationen retten über 400 Heuler - Doch das ist nicht nur Grund zur Freude!

Heuler-Rekord in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
Heuler-Rekord in Schleswig-Holstein und Niedersachsen.
dpa, Carsten Rehder

Die Seehundstationen in Norddeich (Niedersachsen) und Friedrichskoog (Schleswig-Holstein) haben im vergangenen Jahr einen tierischen Rekord gefeiert. Insgesamt kümmerten sich die Tierpflegerinnen und Tierpfleger um so viele Seehunde wie noch nie und schenkten ihnen einen neuen Start in ihr noch junges Leben. So schön diese Nachricht über die Lebensretter ist, so traurig ist der Hintergrund.

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Knapp 400 Jungtiere vor dem Tod gerettet

Hinter den Seehundstationen in Norddeich und Friedrichskoog liegt ein arbeitsintensives, aber dafür umso schöneres Jahr 2022. Knapp 400 kleine Seehunde konnten vor dem sicheren Tod gerettet werden. Die Heuler, also jene Seehunde, die ohne Mutter aufwachsen, fanden zwischen den Monaten Mai und Dezember den Weg in die sichere Obhut.

Heuler werden schneller wieder fit

Heuler sind kleine Seehund-Babys, die ohne Mutter aufwachsen.
Heuler sind kleine Seehund-Babys, die ohne Mutter aufwachsen.
deutsche presse agentur

„Es war die erfolgreichste Saison in der Geschichte der Seehundstation“, erklärte Tanja Rosenberger, Leiterin der Station in Friedrichskoog, im Gespräch mit RTL. Die viele Arbeit habe sich ausgezahlt, 96 Prozent aller Jungtiere seien erfolgreich aufgezogen worden. Auch die Aufzucht an sich habe im vergangenen Jahr gut funktioniert. Durchschnittlich verbrachten die Tiere nur 58 Tage auf der Station und konnten somit eher wieder zurück in ihren natürlichen Lebensraum kehren, als im Jahr 2021.

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Im niedersächsischen Norddeich ist die Stimmung ähnlich positiv, 199 Heuler wurden erfolgreich aufgepäppelt. Trotz der großen Anzahl verbrachten die Tiere durchschnittlich nur 62 Tage in der Station, bis sie das Auswilderungsgewicht von 25 Kilogramm erreichten.

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Menschen machen Seehunden zu schaffen

So groß die Freude über die erfolgreiche Betreuung auch ist, der Grund hinter den vielen Heulern ist ein trauriger. „Viele, viele Tiere kommen aufgrund von Störungen durch den Menschen zu uns“, sagte Peter Lienau, Leiter der Seehundstation Norddeich. Besonders herausfordernd für den Nachwuchs seien sämtliche Wassersportarten, Bootsfahrten und Wattwanderungen. Hierdurch werde die Ruhezone der kleinen Tiere gestört. Auch die zunehmende Anzahl an Urlaubern nach der Corona-Pandemie vergrößere das Problem. „Die allermeisten sind vernünftig und halten sich bereits an die Regeln. Wir sind in ihrem Zuhause, daher müssen wir auch Rücksicht auf die Seehunde nehmen. Die Urlauber könnten sich vorab über den Lebensraum der Tiere informieren“, so Tanja Rosenberger. Für das nächste Jahr hofft sie auf eine erfolgreiche Geburtensaison und darauf, dass sich möglichst viele Seehunde gut in ihrem natürlichen Umfeld entwickeln können. (dpa/hzi)