Er erklärt seinen Total-Rückzug aus der Politik

Sebastian Kurz: Endlich mehr Zeit für die Familie

Sebastian Kurz
Sebastian Kurz
© REUTERS, LISI NIESNER, /FW1F/Alison Williams

02. Dezember 2021 - 12:15 Uhr

"Meine Begeisterung für Politik ist weniger geworden"

Sebastian Kurz sagt "Servus" zur Politik! Der frühere Kanzler Östereichs zieht sich komplett aus der politischen Welt zurück. In einem emotionalen Statement erklärte er seinen gravierenden Schritt.

Kurz freut sich auf Zeit mit dem Nachwuchs

Family first für Ex-Kanzler Sebastian Kurz. Nach zehn Jahren in der Spitzenpolitik verabschiedet er sich aus der Politik, tritt als Parteichef und Fraktionschef der konservativen ÖVP zurück. Der 35-Jährige begründete seinen überraschenden Schritt mit neuen Prioritäten.

"In den vergangen zehn Jahren habe ich rund um die Uhr gearbeitet, extrem viel Zeit investiert", sagte er am Donnerstagmittag in Wien. Für alles andere sei kaum oder keine Zeit geblieben. "Einiges ist vernachlässigt worden, insbesondere meine Familie."

Durch die Geburt seines Kindes vor wenige Tagen sei ihm nochmal bewusst geworden, wie viele schöne und wichtige Ding es außerhalb der Politik gibt. Kurz' Lebensgefährtin Susanne Thier hatte am vergangenen Wochenende das erste gemeinsame Kind zur Welt gebracht.

Sebastian Kurz (ÖVP)
Sebastian Kurz, Bundeskanzler von Österreich, und seine Freundin Susanne Thier sind im November Eltern eines Sohnes geworden.
© deutsche presse agentur

Leidenschaft nahm ab

In seiner Zeit in der Politik sei er stets mit hundertprozentiger Begeisterung dabei gewesen. In den letzten Monaten, Wochen und Tagen "ist die Begeisterung ein bisschen weniger geworden. Es hat sich verändert." Das sei möglicherweise ein natürlicher Prozess, trotzdem hätten die Erfahrungen der vergangenen Monate "dazu beigetragen". er habe sogar das Gefühl gehabt, gejagt zu werden, so Kurz. Seine eigene Flamme sei aus diesen Gründen kleiner geworden.

Kurz war am 9. Oktober vom Amt des österreichischen Bundeskanzlers zurückgetreten. Die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Falschaussagen, Korruption, manipulierter Umfragen und Betrugs gegen ihn, daraufhin war Kurz von seinem Koalitionspartner, den Grünen, das Vertrauen entzogen worden.

Kurz betonte nun, er sei vielen Vorwürfen und Unterstellungen ausgesetzt gewesen. "Ich möchte nicht behaupten, nie etwas falsch gemacht zu haben. Selbstverständlich habe ich Fehlentscheidungen getroffen. Ich bin weder ein Heiliger noch ein Verbrecher, sondern ein Mensch mit Stärken und Schwächen. Fehlern und Erfolgen."

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Und jetzt ab ins Spital

Die Rückzugsentscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. "Ich empfinde aber keinen Schwermut, ich bin extrem dankbar."

Für den Ex-Kanzler öffnet sich nun ein neues Kapitel. "Ich freue mich darauf, Zeit mit meinem Kind und der Familie zu verbringen. Ich werde es sehr genießen", sagte Kurz. Im neuen Jahr wolle er sich neuen beruflichen Aufgaben widmen. "Ich bin gespannt und freue mich darauf. Es war mir eine große Ehre, der Republik zehn Jahre dienen zu dürfen."

Und nun? Er werde jetzt seinen Sohn und die Freundin aus dem Spital abholen", sagte er zum Abschied und verließ den Raum. (msc)