Für Corona-Impfstoff und Medikamente

Schwere Vorwürfe gegen China: Menschenversuche an den Uiguren?

23. Oktober 2020 - 14:21 Uhr

Im Video: Wissenschaftler erheben schwere Vorwürfe gegen China

Während das Coronavirus die Welt weiter in Atem hält, will China, wo das Virus wohl seinen Ursprung nahm, die Pandemie längst im Griff haben. Auch im Rennen und einen Impfstoff will die Industrienation ganz vorne mitspielen. Doch der Preis dafür scheint hoch: Massentests, rigide Beschränkungen und extreme Lockdowns ganzer Städte. Jetzt werden weitere Vorwürfe laut: Testet China Medikamente und mögliche Impfstoffe gegen Corona sogar an Menschen – gegen deren Willen? Betroffen soll auch die muslimische Minderheit der Uiguren sein. RTL-Reporterin Pia Schroers ist den Vorwürfen auf den Grund gegangen. Im Video zeigen wir ihr Gespräch mit den Wissenschaftlern, die die Vorwürfe erheben – und auch Beweisvideos aus dem Land schmuggeln konnten.

Menschen in China dürfen offenbar nicht über Corona-Impfungen sprechen

Bereits im August hatten in China Mitarbeiter im Gesundheitswesen und andere Risikogruppen experimentelle Impfstoffe verabreicht bekommen. Das Impfprogramm sei Ende Juli mit einer Notverordnung erlaubt worden, erklärten Gesundheitsvertreter nach Medienberichten. Es werde erwogen, die versuchsweise durchgeführten Impfungen auf Arbeiter auf Märkten, im Transportwesen und Dienstleistungsbereich auszuweiten, um neue Ausbrüche im Herbst und Winter zu verhindern.

In der Hauptstadt Peking seien seit Ende Juli schon medizinisches Personal und Mitarbeiter in der Vorbeugung gegen die Pandemie mit einem Impfstoff des Herstellers Sinopharm geimpft worden, berichtete die Zeitung "Yicai". Die zweite Phase der Impfungen bei Bediensteten im Transportwesen wie in Bussen, Bahnen und im Luftverkehr sowie anderes Personal laufe noch.

Ob die Menschen sich freiwillig mit dem nicht getesteten Impfstoff behandeln ließen oder Druck von oben ausgeübt wurde, lässt sich nur spekulieren. Die Geimpften mussten danach offenbar eine Erklärung unterschreiben, nicht mit Journalisten oder den Medien über die Prozedur zu sprechen.

Extrem strenger, plötzlicher Lockdown in Uiguren-Region

Eindeutig Versuchsobjekte sollen dagegen die Uiguren sein, eine muslimische Minderheit in der chinesischen Region Xinjiang. Im August wurde die Stadt Urumqi wegen eines Corona-Ausbruchs rigide abgeriegelt, Menschen wurden in ihren Wohnungen eingesperrt und teilweise mit Desinfektionsmitteln besprüht, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. An den drastischen Maßnahmen gab es Kritik – denn in Städten wie Peking oder Wuhan, wo zwischendurch ebenfalls neue Ausbrüche gemeldet wurden, wurden nicht so strenge Maßnahmen verhängt. Trotz dieser Maßnahmen stiegen die Infektionen laut offizieller chinesischer Zahlen in Xinjiang an – bis sie plötzlich in einer linearen Kurve wieder abnahmen.

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Medizin
Einigen Menschen aus Urumqi soll testweise traditionelle chinesische Medizin verabreicht worden sein, um das Coronavirus zu bekämpfen.
© AP

Schäzungen: Etwa eine Million Uiguren bereits inhaftiert

Der Verdacht liegt nahe, dass in Xinjiang besonders streng durchgegriffen wurde, weil es sich bei den meisten Menschen dort um Uiguren handelt. Teilweise sollen die Menschen auch gezwungen worden sein, Medizin zu sich zu nehmen und Injektionen erhalten haben – unter Androhung von Verhaftung, wie die Nachrichtenagentur "AP" berichtet.

In Xinjiang sind nach Schätzungen von Menschenrechtlern bereits etwa eine Million Angehörige muslimischer Minderheiten inhaftiert. Die Regierung in Peking wirft uigurischen Gruppen Separatismus und Terrorismus vor. Kritiker sprechen von Umerziehungslagern, in denen Uiguren mit teils brutalen Mitteln auf die Linie der kommunistischen Partei gebracht werden sollen. Peking nennt sie Berufsbildungseinrichtungen, die von den Insassen freiwillig besucht würden.

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